Manchmal, wenn der Wind ungünstig weht oder bei Vollmond, verspürt Moritz Seider wahrscheinlich immer noch so ein Ziehen im Genick. Nichts Spezifisches, eher ein diffuses Brummen unterm Schädeldach. Es ist jetzt fast sieben Jahre her, Seider war ein aufstrebender Eishockey-Verteidiger, gerade 18 Jahre alt. Bei seiner ersten Weltmeisterschaft in der Slowakei hatte er viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen, mit Übersicht, Zweikampfhärte und zwei blitzsauberen Toren. Dann kam das Spiel gegen Gastgeber Slowakei – und Seider erlebte, was es heißt, wenn der Gegner ein Zeichen setzen will. Ladislav Nagy, ein ehemaliger NHL-Stürmer mit reichlich Strafbankerfahrung, rammte den Teenager mit dem Kopf voraus in die Bande. Für Seider war das Spiel beendet, Verdacht auf Gehirnerschütterung. Deutschland gewann trotzdem noch 3:2 durch ein Tor von Leon Draisaitl 27 Sekunden vor Schluss. Mit dem Sieg qualifizierte sich das DEB-Team vorzeitig für die Olympischen Spiele 2022.
