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25.01.2026
09:52 Uhr
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Sieben Tore gegen Norwegen: Rechtzeitig vor den schwersten Prüfungen findet auch Bundesliga-Torschützenkönig Marko Grgic ins EM-Turnier. Der Bundestrainer ist erleichtert.

Marko Grgic (Mitte) hat erstmas im EM-Turnier überzeugt. (Foto: Marcel von Fehrn/Eibner/Imago)
Lukas Zerbe wollte sich einfach über die zwei Punkte gegen Norwegen freuen. „Wenn uns jemand vorher gesagt hätte, dass wir als Gruppenerster zwei Matchbälle haben, hätte ich das sofort genommen“, sagte der Rechtsaußenspieler. Das Dumme daran: Die beiden Gegner, die da noch kommen in der Hauptrunde der Handball-Europameisterschaft, sind Weltmeister und Olympiasieger Dänemark (Montag, 20.30 Uhr/ARD) und Europameister und Titelverteidiger Frankreich (Mittwoch 18 Uhr/ZDF).
Und die beiden jüngsten Auftritte der beiden Teams waren der deutschen Zuversicht nicht unbedingt zuträglich: Erst fegten die Franzosen den Dänemark-Bezwinger Portugal mit 46:38 aus der Jyske Bank Boxen in Herning, dann waren die Dänen den Spaniern beim 36:31 ebenfalls klar überlegen. Das werden zwei ganz harte Brocken.
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Der 30:28-Sieg der Deutschen am Samstagabend gegen Norwegen hingegen war keine Offenbarung, sondern in der Hauptsache der famosen Leistung von Andreas Wolff im Tor zu verdanken. Ein paar positive Aspekte gab es trotzdem, allen voran die Leistung von Marko Grgic. Der Bundesliga-Torschützenkönig war der letzte Spieler aus dem Kader, der noch überhaupt nicht angekommen war beim Turnier in Skandinavien. Das holte er jetzt nach, und das war auch dringend notwendig. Grgic kam in der zweiten Halbzeit und brachte mit sieben, teils wuchtigen Treffern aus dem Rückraum den Umschwung. Nach der langen Leidenszeit auf der Bank war ihm die Freude im Gesicht abzulesen: „Ich kann jetzt nicht sagen, dass mein Selbstvertrauen bei 100 Prozent war“, sagte der 22-Jährige nach der Partie. Er habe einfach versucht, seinen „dummen Schädel auszuschalten“.
Das ist ihm gelungen, Grgic schlüpfte einfach in die Rolle von Miro Schluroff, der gegen Portugal noch mit seinen wuchtigen Rückraumwürfen der Matchwinner war. Der Gummersbacher hatte nach seiner starken Leistung am Donnerstag neben Freude auch Demut gezeigt, wie auch seherisches Talent: „Heute war ich es, morgen ist es ein anderer. Und wir haben noch einen Bundesliga-Torschützenkönig auf der Bank.“ Und dieser, Grgic, konnte es nun im Angriff gegen Norwegen richten, was Bundestrainer Alfred Gislason zu der schönen Erkenntnis brachte, dass „wir jetzt alle 18 Spieler im Turnier haben“.
Neben Grgic, über dessen „phänomenale Leistung“ sich Gislason riesig gefreut habe, war es erneut (neben dem überragenden Torwart Andreas Wolff natürlich) Mittelmann Nils Lichtlein, der „das Spiel sehr schlau geleitet hat“, wie der Isländer befand. Und auch Franz Semper überzeugte: „Er war der einzige Rückraumspieler, der in der ersten Halbzeit Torgefahr ausgestrahlt hatte“, so Gislason, was Semper mit vier Treffern unter Beweis stellte. Zudem stellte der Bundestrainer dem bislang wenig eingesetzten Kreisläufer Jannik Kohlbacher ein gutes Zeugnis aus: „Kohli hat sehr gut gespielt, er hat gleich ein Tor gemacht und einen Siebenmeter herausgeholt, er hat aber auch überall sehr gut gedeckt.“
Womit die 18 voll war, jeder einzelne Nationalspieler hat nun den Nachweis erbracht, dass er gewinnbringend eingesetzt werden kann. Was Gislason fast schon trotzig heraushob: „Das ist die beste deutsche Mannschaft, die ich jemals trainiert habe. Dazu stehe ich.“ Gerade Grgics Abschlussfähigkeiten könnten angesichts der Schwere der Aufgaben noch wichtig werden, der Gelobte aber gab sich bescheiden: „Ich freue mich und genieße das jetzt, aber ich bilde mir nicht zu viel darauf ein.“ Er habe immer versucht, sich einzubringen, bei der Mannschaft zu bleiben, den Kopf oben zu halten: „Ich möchte das jetzt über mehrere Spiele zeigen.“ Eine gute Gelegenheit wäre am kommenden Montag gegen die Dänen.
An einem komplizierten Tag zeigt der deutsche Torhüter eine Weltklasseleistung – dank ihm gelingt ein 30:28-Sieg gegen Norwegen. Auch Marko Grgic findet endlich ins Turnier.
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