SZ 13.02.2026
17:03 Uhr

(+) Deutsche Biathleten: Ein Schussbild wie beim Fahrkartenknipsen


Die deutschen Biathleten sind weit weg von den Glanzzeiten von einst. Medaillenkandidat Philipp Nawrath kommt an seinem Geburtstag sogar komplett die Präzision abhanden.

(+) Deutsche Biathleten: Ein Schussbild wie beim Fahrkartenknipsen
Sein Geburtstag, aber nicht sein Tag: Der Allgäuer Philipp Nawrath lässt im olympischen Sprintrennen drei Scheiben stehen. (Foto: Pawel Kopczynski/Reuters)

Die olympische Währung sind gewonnene Medaillen – und in dieser Disziplin tun sich die Skijäger des Deutschen Skiverbands auffällig schwer. Philipp Nawrath, der im Einzel als Fünfter noch knapp die Bronzemedaille verpasst hatte, hat sein 33. Geburtstag offenbar wenig zur Präzision inspiriert, im Gegenteil. Mit seinem Schussbild im Zehn-Kilometer-Sprint hätte sich der Allgäuer auch als Fahrkartenknipser bewerben können, zwei Fehler liegend, einer stehend, damit waren die Medaillen von Antholz in ähnlich weite Ferne gerückt wie die Gipfel der Rieserfernergruppe.

Olympia in Italien, fünfmal Gold für Deutschland, viermal Silber, zweimal Bronze: 20 Jahre ist das her, und fast wäre in Vergessenheit geraten, wie deutsche Skijäger damals das Biathlonstadion in eine Goldgrube verwandelten. Wäre da nicht der selbst ernannte Erinnerungsbeauftragte Michael Rösch, der bei den Spielen 2006 in Turin Staffelgold gewann. Rösch, nun auch in Antholz zu Besuch, hat die Anreise von Dresden in einem alten Fiat Panda bewältigt. Eine Panne hatte er unterwegs, alles wegen der Nostalgie und der Zukunft: Rösch, 42, kurvt mit diesem Erinnerungs-Fiat durch die Standorte der aktuellen Spiele und sammelt Spenden, zuvorderst für junge Sportler mit Behinderungen: eine schöne deutsche Biathlon-Nachricht unter anderen nicht ganz so schönen.

Seit dem Tod des Biathleten Sivert Bakken wird diskutiert: Warum trug der Norweger im Schlaf eine Höhenmaske? Welchen Zweck haben solche Geräte? Und wann sind sie gefährlich? Ein Gespräch mit Mediziner Wilhelm Bloch.

Rösch, Greis, Fischer, Groß – ein anderes Biathlonzeitalter war das damals, in zwei Jahrzehnten haben andere Wintersportnationen aufgeholt. Das war am Freitag in Antholz zu sehen, wo sich die deutschen Scheibenschützen im Medaillenrennen abermals redlich aber vergeblich mühten. Ein zehnter Platz für Philipp Horn sprang heraus im olympischen Sprintrennen von Antholz. Den letzten Schuss setzte Horn daneben, aber auch mit zehn Treffern wäre er ohne Medaille geblieben. „Ich hatte in der letzten Runde nicht mehr im Tank, da bin ich gestorben“, erklärte Horn. So wurde der Thüringer immerhin als bester deutscher Biathlet dieses Tages vermerkt. Für historische Kapitel zeigten sich andere zuständig.

Im Männerbiathlon hatte sich trotz der Rücktritte der lange so dominanten Gebrüder Bö vergangenen Winter ein Verdacht erhärtet: Eher verordnet das IOC den Zuschauern Freibier, als dass norwegische Skijäger bezwungen werden. Doch Quentin Fillon Maillet drehte den Spieß um. Er traf und raste wie von Motoren getrieben zum Sieg, und das, ohne Norweger zu sein. Gold für Frankreich, das Team der Norweger musste sich mit Silber und Bronze arrangieren. Vetle Sjastad Christiansen als Zweiter und Sturla Holm Laegreid, der wie im Einzel abermals Dritter wurde, diesmal aber keine druckfertige Seitensprung-Beichte für die Boulevardpresse parat hatte.

Die deutschen Biathleten sind vielleicht nicht der Fiat Panda des Biathlons, aber auch nicht der Lamborghini von einst. Die bislang letzte deutsche Olympia-Medaille im Sprint der Männer hatte Arnd Peiffer 2018 in Pyeongchang gewonnen, damals Gold. Vor vier Jahren in Peking war Benedikt Doll beim Olympiasieg des Norwegers Johannes Thingnes Bö als Achter ins Ziel gekommen. Horn geht nun mit 1:09,2 Minuten Rückstand als aussichtsreichster DSV-Mann ins Jagdrennen am Sonntag, Nawrath hat als 26. bereits 1:52,9 Minuten Rückstand. „Die Ergebnisliste anzuschauen, fällt schon schwer. Das war läuferisch okay, aber nicht gut genug“, sagte DSV-Sportdirektor Felix Bitterling. „Das Paket Richtung Verfolger ist sehr groß.“ David Zobel (+1:41,8, 0 Fehler) und Justus Strelow (+1:46,4, 1 Fehler) komplettierten als 19. und 23. das deutsche Ergebnis der Marke: Opel Astra.

Die Antholzer Biathletin Rebecca Passler, vor Olympia nach einer Dopingprobe suspendiert, hat im zweiten Anlauf mit ihrer Berufung Erfolg. Eine prominente Rolle spielt dabei ein Glas Nutella.

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