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21.12.2025
13:41 Uhr
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Bei manchen Händlern herrscht wenige Tage vor Weihnachten noch Zuversicht, andere dagegen klagen über die geringe Nachfrage in diesem Jahr. Was dem klassischen Weihnachtsbaum Konkurrenz macht – und warum ein Anbieter schon am Wochenende den Verkauf einstellt.

Welcher Baum passt ins Wohnzimmer? Mutter und Tochter suchen zusammen einen Baum auf der Theresienwiese aus. (Foto: Florian Peljak)
O Tannenbaum, o Tannenbaum, es geht dir gerade nicht besonders gut. Damit die abgehackten Bäume bei den Händlern frisch bleiben, müsste es eigentlich ab und zu mal regnen oder schneien. Das erklärt Richard Wolf am Samstagmittag auf der Theresienwiese. Die Sonne scheint, der Himmel über München ist blau wie an einem Sommertag. Der 78-Jährige steht inmitten seiner Tannen, die er noch bis zum 24. Dezember verkaufen will. Der harzige Duft um ihn herum kommt vornehmlich von den edlen Nobilis-Tannen. Man erkennt sie nicht nur an ihrem Geruch, sondern auch am etwas unregelmäßigen Wuchs.
Seit 61 Jahren ist Richard Wolf im Weihnachtsbaum-Geschäft. Sein Sohn André, 51, steht seit 32 Jahren an seiner Seite. Seit Mitte November sind sie hier auf der Theresienwiese. „Der Markt ist nicht gut kalkulierbar“, sagen die beiden. Es laufe aber auch dieses Jahr nicht schlecht mit dem Verkauf. Man mag ihre Auskunft kaum glauben, angesichts der Baumdichte hier nur wenige Tage vor Heiligabend. 60 bis 80 Stück, davon 98 Prozent Nordmann-Tannen, hätten sie durchschnittlich pro Tag losgebracht, erzählen die beiden.
Zum Beispiel an Helga und Tanja, Mutter und Tochter, die sich gerade eine solche ausgesucht haben. Sie werden den Baum mit Kugeln schmücken, die sie über die Jahre von Reisen aus London und den USA mitgebracht haben. „Das ist Familientradition, daran halten wir fest“, sagt die Tochter. Die Tanne ist nicht ganz zwei Meter groß. Knapp 70 Euro haben die Frauen dafür bezahlt.
Deutschlandweit werden in diesem Jahr wieder etwa 22 Millionen Weihnachtsbäume verkauft werden, schätzt Richard Wolf. Exakte Zahlen gebe es nicht. Die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald geht auf ihrer Webseite von 23 bis 25 Millionen Bäumen aus, die jährlich allein in deutschen Wohnzimmern aufgestellt werden. Doch nicht nur dort steht das Symbol für Weihnachtsgemütlichkeit. Die Familie Wolf und auch Mitbewerber Steven Hämmerle, der sich „Christbaumdealer“ nennt, beliefern zudem Firmen, Praxen, Kanzleien, und das immer früher vor dem ersten Advent. „Liefern, aufstellen, schmücken und wieder abholen“, dieser Service sei lukrativer als der Einzelverkauf an Privatleute.
Der letzte Samstag vor Weihnachten lässt sich auf der Theresienwiese schleppend an. An fehlenden Parkmöglichkeiten, worüber sich der Einzelhandel oftmals mokiert, kann es hier nicht liegen. Doch nur wenige Autos stehen am Mittag vor dem eingezäunten Terrain der vier Firmen auf der Ostseite des großen Platzes. Das ist eigentlich ungewöhnlich. Richard Wolf gibt sich dennoch zuversichtlich. „Wir werden die Bäume schon noch loskriegen“, sagt er. Was übrig bleibt, wird klein gehäckselt und als Bodenbelag für Gärten- und Parkanlagen genutzt.
Steven Hämmerle, 38, ist weit weniger optimistisch. Auch er ist schon lange im Christbaum-Geschäft, hat es von seiner Großmutter übernommen. Der gebürtige Münchner erzählt, dass er schon als Bub hier mitgeholfen habe. Deshalb hänge er an dem Platz. Vor fünf Jahren habe er noch 19 Verkaufsstände an verschiedenen Orten gehabt, aber das rentiere sich nicht mehr. Auch bei ihm sieht es noch aus wie in einem Wald. Er sitzt in seinem mobilen Büro in einem Container und wirkt frustriert. Immer wieder mal steige er aufs Dach hoch, um sich einen Überblick zu verschaffen. Er denkt, dass weit mehr als 1000 Bäume hier noch auf Abnehmer warten. Bis einschließlich Sonntag will er durchhalten, dann geht’s ans Zusammenräumen. Von den schönsten Bäumen werden die Zweige abgehackt und für Grabgestecke verwendet. Und dem Tierpark Hellabrunn wird er auch wieder Bäume spenden.
Warum verkauft Hämmerle nur noch bis Sonntag? „Ich tue mir das nicht an, dieses Feilschen in den letzten Tagen. Dann kommen Leute und wollen einem zehn Euro in die Hand drücken.“ Das mache ihn wütend. Er findet, dass die Christbäume ohnehin viel zu günstig seien. Ein zwei Meter hohes Exemplar muss zehn Jahre wachsen, regelmäßig in Form geschnitten und gedüngt werden. Dazu kommt der Transport. Die meisten Weihnachtsbaumplantagen liegen im Spessart, in Tirol oder Dänemark.
Riesige Konkurrenz für die kleineren Händler sind die Baumärkte, Möbelhaus- oder Einzelhandelsketten. Sie bieten Christbäume zu Dumpingpreisen an, teilweise um die 20 Euro. Für sie sind sie Lockmittel, um andere Waren zu verkaufen.
Doch Konkurrenten sind auch die künstlichen Bäume. Steven Hämmerle bietet eine Luxusausführung mit Nadeln aus Spritzguss, drei Meter hoch, für 399 Euro an. Weniger wertige, aber um einiges günstigere Exemplare gibt es bei Obi, Bauhaus oder Hagebaumarkt, die mit ein paar Klicks ins Haus kommen.
Ob die dann nachhaltiger sind als echte Bäume? Die Floristin Linda Hopf weiß, dass viele Leute darüber nachdenken. Sie betreibt den Blumenladen „Lindahlia“ in der Plinganserstraße. Das Symbol des Nadelbaumes stehe nach wie vor für Weihnachten und sei den Leuten wichtig, sagt sie. Aber der könne auch im Miniformat oder aus einem anderen Material sein. Sie bietet kleine Fichten und Tannen in Töpfen an, die nicht mal kniehoch sind. Außerdem Varianten aus Filz, aus Moos und Zapfen gestaltet oder aus Keramik. Viele ihrer Kunden haben in ihren Stadtwohnungen einfach keinen Platz mehr für traditionelle Bäume.
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