SZ 15.01.2026
05:07 Uhr

(+) Bundeswehr-Einsatz: Mission Grönland


An diesem Donnerstag startet die Bundeswehr mit zunächst 13 Soldaten einen Einsatz, der Donald Trump Stärke demonstrieren und ihn vom Äußersten abhalten soll. Auch andere Nato-Länder schicken Soldaten - offiziell rein auf „Einladung Dänemarks“.

(+) Bundeswehr-Einsatz: Mission Grönland
Grönland soll sich nach Trumps Wunsch bald in die Liste der gekauften US-Gebiete einreihen. (Archivbild) (Foto: Evgeniy Maloletka/AP/dpa)

Diese Tage können in die Geschichte eingehen, der Nato, Europas und des transatlantischen Verhältnisses. Mit einem Militärtransporter vom Typ A400M machen sich an diesem Donnerstagmorgen 13 Bundeswehrsoldaten auf zur „Mission Grönland“ in die Hauptstadt Nuuk, um mit weiteren Nato-Partnern Donald Trump vom Äußersten abzuhalten: der militärischen Einnahme der zur Dänemark gehörenden größten Insel der Welt. Mithin einem Angriff auf einem alliierten Nato-Partner. Das Jahr 2026 beginnt durchaus rasant.

Grönland hat bei einer Fläche von 2,166 Millionen Quadratkilometern nur 56 000 Einwohner, gilt aber wegen der zunehmend eisfreien Passagen, der Bodenschätze und der Lage als strategisch enorm wichtig. Schon am Rande der SPD-Fraktionsklausur hatte Verteidigungsminister Boris Pistorius deutlich gemacht, dass man ein Zeichen setzen müsse, auch eine eigene Reise nach Grönland schließt der Oberbefehlshaber der Bundeswehr nicht aus.

Und so ist die Pressemitteilung 01/2026 eine nicht ganz alltägliche. Die Worte werden wohl gewogen. Schon der erste Satz ist etwas für Feinschmecker diplomatischer Finessen: „Auf Einladung Dänemarks wird sich Deutschland vom 15. bis 17. Januar 2026 gemeinsam mit weiteren europäischen Nationen an einer Erkundung in Grönland beteiligen.“ Auf Einladung Dänemarks, nicht im Nato-Rahmen, ein wichtiger Unterschied, denn das wäre mit den USA derzeit kaum zu machen. Zugleich setzt man ein klares Stoppsignal an die Vereinigten Staaten, letztlich müssten sie gegen eigene Verbündete militärisch vorgehen. So wird versucht, gemeinsam in Europa, an der Seite Dänemarks, Flagge zu zeigen, gegen die Drohungen. Und man will zeigen, man schützt hier Nato-Gebiet gegen die von Washington unterstellte Gefahr einer russischen oder chinesischen Infiltration.

Ziel sei, „die Rahmenbedingungen für mögliche militärische Beiträge zur Unterstützung Dänemarks bei der Gewährleistung der Sicherheit in der Region zu erkunden, beispielsweise für Fähigkeiten zur Seeraumüberwachung“, teilt das Verteidigungsministerium mit. Das Signal ist klar: Wir stehen an der Seite Dänemarks, Grenzen dürfen nicht mit Gewalt verschoben werden, das Recht des Stärkeren dürfe nicht an die Stelle der Stärke des Rechts treten. Und: Es könnte der Beginn einer durchaus größeren Mission sein, je nach Lage.

Es ist eine Reaktion auf die Drohgebärden von US-Präsident Donald Trump, der die Arktisinsel kaufen oder mit anderen Mitteln unter die Kontrolle der USA bringen will. „Die Vereinigten Staaten brauchen Grönland aus Gründen der nationalen Sicherheit“, ließ der Präsident in einem neuen Beitrag auf Truth Social wissen. Grönland sei lebenswichtig für den Golden Dome, das Abwehrsystem, mit dem die USA über einen großen Raum Raketen und Marschflugkörper abfangen wollen. Die Nato werde „weitaus mächtiger und effektiver, wenn Grönland in den Händen der Vereinigten Staaten liegt“, so Trump. „Alles andere ist inakzeptabel.“

Ein Gespräch der US-Regierung mit den Außenministern Dänemarks und Grönlands, Lars Løkke Rasmussen und Vivian Motzfeldt im Weißen Haus hatte am Mittwoch erneut fundamentale Meinungsverschiedenheiten offengelegt. Die dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen warnte bereits vor einem Ende der Nato - was dann noch einmal ganz andere Debatten zur Folge haben könnte, wie ein eigener europäischer Atomschirm.

Der „Einladung Dänemarks“ schlossen sich weitere Staaten an; laut Schwedens Ministerpräsident Ulf Kristersson werden auch schwedische Militärangehörige an der dänischen Operation teilnehmen. „Einige Offiziere der schwedischen Streitkräfte treffen heute in Grönland ein. Sie gehören zu einer Gruppe aus mehreren verbündeten Ländern. Gemeinsam werden sie die nächsten Schritte im Rahmen der dänischen Übung Operation Arctic Endurance vorbereiten“, betonte Kristersson bei X. Zunächst sollen drei schwedische Stabsoffiziere an der Grönland-Mission teilnehmen.

Auch Frankreich will sich beteiligen, es hat zudem angekündigt, Anfang Februar ein Konsulat auf Grönland zu eröffnen. Ob diese Maßnahmen Donald Trump beeindrucken können, ist ungewiss. Pistorius hatte zuvor betont, es gehe um einen verstärkten gemeinsamen Schutz der arktischen Region um Grönland. „Es geht um Überwachung, es geht um Patrouillen, es geht darum  zu sehen, was passiert unter Wasser, über Wasser und in der Luft. Es geht um - wie gesagt - Aufklärung und es geht um regelmäßiges Üben vor Ort, um zu zeigen, dass wir da sind.“ Auch weitere Möglichkeiten sind denkbar, etwa der Einsatz des Seefernaufklärers P-8A Poseidon.

Man will das aber nicht als Konfrontation gegen die USA verstanden wissen, sondern als Angebot einer intensivierten Zusammenarbeit, dass man helfen will, Grönland und die Arktis abzusichern. Die USA haben wegen eines Abkommens mit Dänemark zudem bereits die Militärbasis Pituffik Space Base auf Grönland, sie dient für ihr Weltraum- und Raketenwarnsystem. Aber auch Pistorius hat Russland vorgeworfen, die Arktis zu militarisieren und alte Militärbasen in der Region wieder auszubauen. Eine strategisch wichtige Meerenge im Nordatlantik ist die Giuk-Lücke, begrenzt durch Grönland, Island und Großbritannien.

Der Vorsitzende des Verteidigungsausschusses des Bundestags, Thomas Röwekamp, begrüßte den Einsatz von Bundeswehrsoldaten in Grönland. „Unabhängig von der Debatte mit und in der US-Administration ist klar, dass die Nato die Verteidigungsfähigkeiten in der Arktis verstärken muss“, sagte der CDU-Politiker der „Süddeutschen Zeitung“. „Dazu kann die Bundeswehr einen wichtigen militärischen Beitrag leisten und bringt bereits Erfahrungen aus bisherigen Übungseinsätzen mit.“ Deshalb sei es richtig, dass man mit den Nato-Partnern und in Absprache mit Grönland und Dänemark Vorbereitungen für eine Verstärkung treffe.

Donald Trump will Grönland unter seine Kontrolle bringen – mutmaßlich auch wegen Rohstoffen. Doch was gibt es auf der Insel wirklich zu holen? Fragen an Maximilian Korges, Lagerstättenforscher der Universität Potsdam.

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