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23.09.2026
16:19 Uhr
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Jürgen Klopp war als Vereinscoach ziemlich genervt von der Nations League. Und auch wenn er seine Ansicht revidiert hat: Seine früheren Bedenken hat er nicht vergessen, wie sein erster Kader zeigt.

Jürgen Klopp beim Abschlusstraining in Herzogenaurach vor dem Nations-League-Spiel in Amsterdam.
Alexander Hassenstein/Getty Images
Die Nations League der Uefa wurde von den Koryphäen des deutschen Fußballs bereits verdammt, als es noch mehr als vier Jahre bis zum ersten Match im neuen Wettbewerb dauern sollte. Der Bundestrainer Jogi Löw befürchtete, die Länderliga werde den terminlichen Spielraum für Testspiele gegen große Gegner einengen, der DFL-Präsident Reinhard Rauball beklagte vorausschauend „unzumutbare Belastungen“, und der Coach von Borussia Dortmund stellte sarkastisch fest, er habe „zu Hause kein Freudenfest angezettelt“, das sportliche Personal sei mal wieder „in keiner Sekunde gefragt worden“, was es von der Einführung eines weiteren Wettbewerbs halte.
Viereinhalb Jahre später, im Oktober 2018, saß der damalige BVB-und aktuelle FC-Liverpool-Trainer bei einem Pressetermin und machte abermals Stimmung gegen das Uefa-Projekt. Seine besondere Verachtung drückte Jürgen Klopp dadurch aus, dass er wiederholt vom „Nations Cup“ sprach, und was er von diesem hielt, das hat er nicht mit vornehmen Worten getarnt: Dieses neue Dingsda sei „der sinnloseste Wettbewerb in der Welt des Fußballs“, erklärte Klopp mit einer Gewissheit, als ob er einen wissenschaftlichen Befund zum König-Fahd-Pokal oder zum Fuji-Cup wiedergäbe.
Was den Trainer des FC Liverpool vor acht Jahren an der Nations League störte: dass er nun nicht mehr wie bei Testspielen mit den Nationaltrainern verhandeln könnte, den einen oder anderen seiner viel belasteten Profis zu schonen. Geht leider nicht, sagten ihm dann die Kollegen: „Ich bin selbst unter Druck. Es gibt jetzt diese Nations League.“
Die Ironie der Vorgeschichte seines Debüts als Bundestrainer war Jürgen Klopp selbstverständlich bewusst, als er in der vorigen Woche den Kader für seine erste Länderspielreihe vorstellte. „Man lernt relativ schnell von ‚ich finde die Nations League nicht so dolle‘ bis ‚ich liebe die Nations League‘“, erklärte er seine Bekehrung vom Ungläubigen zum Glaubenden. „Ich bin einfach froh, dass wir jetzt da sind, dass wir spielen“, stellte er fest, und es sei ihm lieber, „es geht um was.“
Jogi Löw war 2018 beim Start der neuen Serie zwar ein wenig von seiner Skepsis abgerückt, aber bis er bereit war, in der Nations League einen relevanten Wettbewerb zu erkennen, verging eine komplette Spielrunde. Deutschland wäre in Löws Verantwortung aus der Eliteklasse der Nationen abgestiegen, hätte die Uefa nicht plötzlich das System geändert. Erst Julian Nagelsmann coachte sein Team 2024 resolut in die K.-o.- und schließlich in die Finalrunde.
Auch wenn er seine frühere Ansicht reformiert hat – seine Bedenken aus der Zeit als Coach des FC Liverpool hat Klopp nicht vergessen. Der Großraum-Kader für die vier Länderspiele dient ihm nicht nur als Gelegenheit, möglichst viele Spieler kennenzulernen. Er ist auch das Resultat der Rücksichtnahme auf die Bedürfnisse der Trainerkollegen in den Klubs. Bloß wie sich die Ergebnisse in der Nations League auf die Qualifikation zur Europameisterschaft auswirken könnten, hat Klopp noch nicht durchschaut. Das müsse man ihm „abschließend noch erklären“. Man habe ihn aber schon „darauf hingewiesen. Im Idealfall spielen wir gut, das habe ich verstanden“, sagte Klopp.
Die Playoffs im kommenden Frühjahr erreicht seine Nationalelf, wenn sie nach den Hin- und Rückspielen gegen die Niederlande, gegen Griechenland und Serbien als Gruppenerster oder -zweiter abschließt. Mehr braucht er erst mal nicht zu wissen, den passenden Vorsatz hat er allemal gefasst. „Wir wollen alle vier Spiele gewinnen“, sagte Klopp und ließ den Satz klingen, als sei er selbstverständlich.
Ein Geschenk zum Debüt haben die Terminplaner der Uefa ihm nicht gemacht: Die Niederlande, den ersten Gegner, ordnete Jürgen Klopp in der Kategorie „bretthart“ ein. Auch Löw war zum Einstand im neuen Wettbewerb mit seinem Team nach Amsterdam gefahren. Dort gab es für die Nationalelf eine durchaus blamable 0:3-Niederlage, und als Spieler des Spiels wurde Virgil van Dijk vom FC Liverpool ausgezeichnet. Am Mittwoch hieß van Dijk seinen ehemaligen Vereinscoach mit zweideutigen Grüßen willkommen: „Ich freue mich, ihn zu treffen“, sagte er, „aber ich hoffe, wir können dafür sorgen, dass er sein erstes Spiel als Nationaltrainer verliert.“
Unter Jürgen Klopp ist vieles neu im Nationalteam, auch im Tor. Der frühere DFB-Torwarttrainer Andreas Köpke spricht über das Ende der Neuer-Ära und die Qualitäten der möglichen Nachfolger.
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