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15.06.2026
18:54 Uhr
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Statt linker Slogans zeigt die Bremer Buchhandlung seit dem Wochenende Zitate des Kulturstaatsministers auf der Fassade. Nun dürfte der staatlichen Förderung nichts mehr im Wege stehen.

Die Bremer Buchhandlung „Golden Shop“ hat den Buchhandlungspreis nicht bekommen, weil zu ihr „verfassungsschutzrelevante Erkenntnisse“ vorlagen, genau wie zur Buchhandlung „Zur schwankenden Weltkugel“ in Berlin und zur „Roten Straße“ in Göttingen. Worin die konkret bestanden, hat weder der Verfassungsschutz noch Kulturstaatsminister Wolfram Weimer bislang verraten. Doch im Fall des „Golden Shops“, so haben Weimer wie auch Abgeordnete von CDU und CSU wiederholt gesagt, sei die Sache klar. Ein Laden, der die Aufschrift „Deutschland verrecke bitte“ auf seiner Fassade trage, könne ja wohl unmöglich Staatsgelder von Deutschland erhalten.
Dass dieser Spruch einen antifaschistischen Hintergrund hat und außerdem vom Bundesverfassungsgericht für grundgesetzkonform befunden wurde, machte für die Wächter des guten politischen Geschmacks keinen Unterschied.
Nun hat der „Golden Shop“ den Spieß umgedreht. Am Wochenende hat der Laden seine eigene Fassade verhüllt. Hinter einem Banner, das eine Replik der gelben Fassade zeigt, nur dass sie diesmal statt mit linken Slogans mit ausgewählten Bonmots des Kulturstaatsministers bemalt ist.
Theaterpreis? Nö. Musikpreis? Nö. Ein Jahr im Amt und viele, viele Absagen: Welche Termine der Kulturstaatsminister wahrgenommen hat – und welche nicht.
Die Geschäftsführerin des Ladens, Ausma Zvidrina, berichtet, sie habe dafür drei einschlägige Werke Weimers durchgearbeitet: „Das Konservative Manifest“, „Sehnsucht nach Gott“ und natürlich Weimers Debüt, den Lyrikband „Kopfpilz“, den Weimer 1986 mit Anfang 20 im Selbstverlag publizierte. Aus diesem Heftchen stammt der nun hüfthoch an der Fassade zu lesende Vers: „Morgen, Rentner, wird’s was geben / morgen kommt der Sensenmann. / Morgen, Rentner, stirbt das Leben, /Morgen, Alter, bist Du dran.“
Weimer hat die Inhaberinnen der Läden des Extremismus bezichtigt, was ihm ein Gericht inzwischen untersagt hat. Doch die außergerichtliche Rache der Geschäftsführerin Zvidrina ist äußerst milde ausgefallen. Statt des vergleichsweise braven Rentnergedichts hätte sie sich auch für eines entscheiden können, wo Eiterbeulen platzen, Brüder gefressen oder Säuglinge „ersäuft“ werden. Lediglich die beunruhigenden Worte „Fleischreiben“ und „Lieberschleim“ haben noch auf die Fassade gefunden.
Auch sonst fehlen die harten Weimer-Dicta hier, die sofort nach seinem Ruf nach Berlin die Runde machten: die Sorge um die unsichere „Fortdauer des eigenen Bluts“ oder die „biologische Selbstaufgabe“ Europas. Stattdessen hat Zvidrina eher pompös klingende Null-Sätze herausgesucht: „Die biologische Verschiedenheit zwischen Mann und Frau ist dem Religiösen keine Frage individueller Wahlfreiheit.“
Dazu kommen einige Statements aus der Debatte um den Buchhandlungspreis, so diese Drechselarbeit des Hobbykantianers W. W.: „Die Kategorie der Freiheit und die Kategorie der Förderung sind zwei ganz unterschiedliche Dinge.“ Ganz offensichtlich war es Zvidrina zu billig, Weimer vorzuführen, was nicht schwer gewesen wäre. Stattdessen demonstriert sie, wie absurd sein Herumreiten auf ein paar gepinselten Slogans ist.
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