SZ 29.01.2026
13:18 Uhr

(+) Börse: Minus 16 Prozent: SAP-Aktie fällt ins Bodenlose


Europas größter Softwarekonzern hat schon länger zu kämpfen. Jetzt verkaufen die Anleger nach den jüngsten Zahlen massiv die Aktie – und SAP ist nicht mehr wertvollstes Unternehmen Deutschlands.

(+) Börse: Minus 16 Prozent: SAP-Aktie fällt ins Bodenlose

Der Verfall der Aktie von Europas größtem Softwarehersteller SAP beschleunigt sich. An diesem Donnerstag ist das Papier nach der Vorstellung der Geschäftszahlen deutlich nach unten gegangen, zeitweise lag das Minus am Mittag bei mehr als 16 Prozent. Die Anleger verkauften scharenweise. Es ist der größte Kurssturz seit mehr als fünf Jahren. Seit dem Rekordhoch der SAP-Aktie vor knapp einem Jahr summiert sich der Verlust damit auf rund 40 Prozent. Der Rückgang ist umso besorgniserregender, als sich die Börsen insgesamt gut entwickeln. SAP war immer das wertvollste deutsche Unternehmen, das Gewicht im Deutschen Aktienindex (Dax) ist hoch. Der SAP-Kurseinbruch zieht deshalb den gesamten Dax ins Minus. Jetzt liegt Siemens bei der Gesamtbewertung vor SAP.

Der Grund für den Absturz ist, dass das im baden-württembergischen Walldorf ansässige Unternehmen einräumen muss, dass das wichtige Geschäft mit Cloud-Anwendungen deutlich langsamer wächst als gedacht. Zwar hat SAP den Umsatz in diesem Geschäftsfeld im letzten Quartal des vergangenen Jahres sogar um 26 Prozent gesteigert, das war aber nicht so viel wie erhofft.

Der ‍Auftragseingang für den Cloud-Bereich legte dagegen deutlich zu. „Damit ‌haben wir eine solide Basis, um beschleunigtes Wachstum bis 2027 zu erreichen“, sagte ⁠Vorstandschef Christian Klein. Für das Gesamtjahr 2026 stellte das Unternehmen Cloud-Umsätze um die 26 Milliarden Euro in Aussicht. Weiterhin kündigte SAP einen Aktienrückkauf im Volumen von bis zu
zehn Milliarden Euro an, um den Aktienkurs zu stabilisieren.

Einen Wachstumsschub verspricht sich SAP von der Diskussion um eine größere Unabhängigkeit Europas im Technologiesektor. Wegen der geopolitischen Spannungen interessierten sich Kunden zunehmend für europäische Cloud- und Software-Angebote, sagte Finanzchef Dominik Asam. Der Gewinn von SAP insgesamt werde voraussichtlich bei etwa zwölf Milliarden Euro liegen, heißt es vom Unternehmen. Diese ⁠Werte überträfen die bisherigen Markterwartungen leicht, schrieb Armin ⁠Kremser, der Analyst der DZ Bank.

Der aktuelle Kursrutsch der Aktie ist eine Fortsetzung eines länger anhaltenden Abschwungs. Dahinter steht die Befürchtung, dass mithilfe künstlicher Intelligenz (KI) Funktionen der SAP-Firmensoftware relativ einfach nachgebildet werden können. Dies könnte den Preis für Produkte des Konzerns drücken. Wegen dieses Risikos halte er SAP-Papiere weiterhin für überbewertet, sagt Kremser. SAP-Chef Christian Klein zufolge ist bislang kein Kunden-Exodus zu beobachten. „Wir verlieren keine Aufträge wegen KI“, sagte er. Das Gegenteil sei der Fall.

Asam verwies auf den zunehmenden Anteil an Großaufträgen. Diese schlügen sich nur teilweise in den Orderbüchern nieder, weil ihr Volumen meist über die Laufzeit steige. Aufträge staatlicher Institutionen tauchten mitunter gar nicht auf, weil sie gesetzlich vorgeschriebene Kündigungsklauseln enthielten. ‍Zudem sei die Umsetzung derartiger Vorhaben komplex, vor allem wenn ‌sie souveräne Cloud-Angebote beinhalteten.

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