SZ 19.11.2025
15:17 Uhr

(+) Bin Salman in Washington: Der Kronprinz hebt ab


Donald Trump sichert dem saudischen Thronfolger hochmoderne „F-35“-Jets zu. Das weckt in Israel Ängste, weil der Deal die militärische Vormachtstellung des Landes in der Region gefährden könnte.

(+) Bin Salman in Washington: Der Kronprinz hebt ab
Die F-35 setzt derzeit den Goldstandard bei Kampfflugzeugen: israelische Jets dieses Typs bei einer Übung in der Negev-Wüste. . (Foto: Tsafrir Abayov/AP)

In Israel sind Militärs und Sicherheitsexperten besorgt, dass der jüdische Staat seine Vormacht gegenüber den arabischen Staaten einbüßen könnte. Denn US-Präsident Donald Trump und der saudische Thronfolger Mohammed bin Salman haben sich gerade darauf geeinigt, dass das Königreich 48 F-35-Kampfjets kaufen wird. Die von Lockheed-Martin entwickelte F-35 ist keine gewöhnliche Militärmaschine: Sie setzt derzeit den Goldstandard bei Kampfflugzeugen.

In den vergangenen Jahrzehnten galt die ungeschriebene Regel, dass Israel dank modernster amerikanischer Waffen militärisch stets über einen „qualitativen Vorsprung“ in der Region verfügt. Die Israelis selbst fliegen die F-35. Dass ein möglicherweise irgendwann feindlich gesinnter arabisch-muslimischer Staat über ähnliche Luftkriegsfähigkeiten verfügen könnte, beunruhigt sie. Dies steht laut israelischen Medien auch in einem Positionspapier der Luftwaffenführung, das an die eigene Regierung ging.

Die Gefahr ist allerdings keine unmittelbare, sondern eine mittelfristige: Wie bei fast allen spektakulären außenpolitischen Schritten Trumps ist deren Umsetzung nicht garantiert. Bei diesem US-Präsidenten geht es oft nur um Absichtserklärungen oder vage und weit in die Zukunft gerichtete Vereinbarungen. Gerade die Lieferung von Kampfflugzeugen hat einen jahrelangen Vorlauf – bei der F-35 wird mit sieben Jahren gerechnet. In dieser Zeit könnte das Programm unter einem neuen US-Präsidenten modifiziert oder sogar eingestellt werden.

Bei den vereinbarten US-Waffenlieferungen an Saudi-Arabien wird zudem eine Rolle spielen, ob das Königreich die von Trump geforderte Normalisierung der Beziehungen zu Israel vorantreibt und den sogenannten „Abraham Accords“ beitritt. Wenn Riad die Aussöhnung mit dem jüdischen Staat weiter von der Gründung eines Palästinenserstaats abhängig macht, könnten die USA den Vollzug der Waffenlieferungen schnell auch als Druckmittel nutzen. Wie wichtig Trump die Beziehungen zu Saudi-Arabien nimmt, zeigt sich aber auch daran, dass er den arabischen Staat „einen bedeutenden Nicht-Nato-Partner der USA“ nannte.

In Israel wurde vonseiten des Militärs früh vor dem F-35-Geschäft gewarnt. Würde ein arabischer Nachbarstaat ebenfalls die F-35 fliegen, könnte er in Hinblick auf die Luftkriegsfähigkeit gleichziehen, heiß es in dem Positionspapier.  Den „qualitativen Vorsprung“ Israels gegenüber anderen Nahost-Staaten sicherte eben unter anderem der US-Jet.

Die Israelis fliegen ihn seit Langem. Sie haben seit neun Jahren eine eigene, besonders leistungsfähige Version des US-Kampfjets in Betrieb. Israels Luftwaffe verfügt derzeit über 45 dieser F-35 Adir. 30 weitere sollen beschafft werden. Als Tarnkappenjet der fünften Generation ist das amerikanische Mehrzweck-Kampfflugzeug nicht nur Jäger und Bomber. Die hoch computerisierte F-35 dient auch als fliegende Aufklärungsstation. Sie spürt die gegnerische Luftabwehr in der Tiefe des Raums auf und schaltet sie aus. Zugleich koordiniert der Jet den Einsatz und Angriff nachfolgender Flugzeuge. So war der erfolgreiche Einsatz der israelischen Luftwaffe im jüngsten Nahost-Krieg gegen Iran angeblich vor allem den F-35-Jets zu verdanken, die Irans Luftabwehr zerstörten. Danach konnten israelische Flugzeuge anderen Typs weitgehend ungefährdet über Iran operieren.

Bei alledem gilt aber: Die Saudi-Araber werden derzeit kaum einen Krieg gegen Israel im Sinn haben. Die Golfstaaten sehen vor allem im Nachbarn Iran einen potenziellen Gegner, die Beziehungen zur Islamischen Republik sind seit Jahrzehnten volatil. Daher will Riad seine Luftwaffe auf Stand bringen. Und es geht den Saudis nicht nur um Kampfflugzeuge. Sie wollen zudem fast 300 Panzer in den USA kaufen.

Was die Israelis neben den geplanten Lieferungen amerikanischen Hightech-Kriegsgeräts ebenfalls beunruhigen dürfte: Die USA und das Königreich haben nun auch ein Abkommen über die zivile Nutzung von Kernenergie beschlossen. Das Weiße Haus erklärte, das Abkommen mit Saudi-Arabien bilde „die rechtliche Grundlage für eine jahrzehntelange und viele Milliarden schwere Partnerschaft“, bei der aber „strenge Nichtverbreitungsstandards gelten“.

Kronprinz bin Salman als der De-facto-Machthaber will sein Land wirtschaftlich modernisieren und die Abhängigkeit sowohl vom Verkauf als auch von der Eigennutzung fossiler Rohstoffe reduzieren. Offenbar setzt das Königreich nun im Mix mit Solarenergie auch auf die friedliche Nutzung von Atomkraft.

Die Israelis werden bei geplanten Nuklearprogrammen der Staaten in der Region aber sofort hellhörig: wegen der Gefahr der militärischen Nutzung und des Baus von Atombomben. Das libysche und das syrische Nuklearprogramm hatten sie vor Jahrzehnten schon in der Anfangsphase zerbombt. Weit bedeutender aber waren und sind die iranischen Bemühungen um eigene Nuklearfähigkeiten, die inzwischen sehr weit fortgeschritten sind.

Im jüngsten Nahost-Krieg hatte Israels Luftwaffe daher zusammen mit US-Langstreckenbombern das angeblich friedliche Atomprogramm der Iraner attackiert und in Teilen zerstört. Es dürfte aber trotz der Angriffe weiterhin halbwegs funktionieren. Auch das iranische Nuklearprogramm war ursprünglich mit US-Hilfe ins Leben gerufen worden. Es begann lange vor der Islamischen Revolution. Ende der Fünfzigerjahre des vergangenen Jahrhunderts startete der damals regierende Schah das Programm mit amerikanischer Unterstützung.

Der persische Monarch war enger politischer und militärischer Partner Washingtons. Nach dem Sturz des Schahs 1979 führte die Mullah-Regierung das Atomprogramm ohne die USA fort. Und sie verlieh ihm nach Expertenmeinung eine geheime Militärkomponente. Dies befeuerte den Dauerkonflikt mit Israel und führte am Ende zum israelisch-amerikanischen Angriff im Sommer 2025.

US-Präsident Donald Trump empfängt den saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman mit höchsten Ehren und großem Brimborium im Weißen Haus – und behauptet, sein Gast habe vom Mord an dem Journalisten Khashoggi nichts gewusst.

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