SZ 07.12.2025
14:18 Uhr

(+) Bildband über NRW: Ein neues Land an Rhein und Ruhr


Ein eindrucksvoller Bildband zeigt, wie die Menschen im neu gegründeten Nordrhein-Westfalen anpackten für eine bessere Zukunft.

(+) Bildband über NRW: Ein neues Land an Rhein und Ruhr

Im kommenden und übernächsten Jahr gibt es einige deutsche 80. Geburtstage zu feiern. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs zimmerten die Westalliierten aus dem riesigen Preußen und zahllosen Groß- und Kleinländern ohne große Rücksicht neue Länder zusammen. Das größte davon entstand am 23. August 1946 im Westen. „Nordrhein-Westfalen! Ein neuer Begriff, ein neues Land! Mit seiner Gründung hat sich der Westen des Reiches in einer staatsrechtlich neuen Form konsolidiert“, hieß es in einer Broschüre der neuen Regierung in Düsseldorf. Und obwohl hier sehr selbstbewusste rheinische, westfälische und später lippische Landstriche miteinander verbunden wurden, entwickelte sich rasch ein Zusammenhalt und föderales Eigengewicht. „Wir wollen an Rhein und Ruhr eine humane Demokratie aufbauen“, fügte Rudolf Amelunxen, der erste Ministerpräsident, mit Aufbruchspathos hinzu.

Als eine Art verfrühtes Geburtstagsgeschenk an die Westfalen und Rheinländer hat der Kölner Greven-Verlag jüngst den Bildband „Aufbruch ins Wirtschaftswunder“ vorgelegt, in dem viele Menschen zu sehen sind, die hart am Wiederaufbau des zerstörten Landes arbeiten. Die Bilder stammen von den damals berühmten (und heute weitgehend vergessenen) Fotografen Paul Wolff (1887–1951) und Alfred Tritschler (1905–1970), aus deren Frankfurter Agentur Zehntausende Fotos überliefert sind. Die beiden waren vor allem im Auftrag von Industrieunternehmen unterwegs und setzten die Arbeit in der Textil-, Kohle- und Stahlbranche ästhetisch und mit gutem Blick fürs Detail und Dramatik in Szene.

Die zahllosen Aufnahmen bestechen durch große Schärfentiefe und zeigen trotz der Inszenierung Menschen voller Tatendrang, die die zwölf Jahre NS-Diktatur hinter sich lassen wollen. Gezeigt werden aber weder Trümmerlandschaften noch eine echte Auseinandersetzung mit den NS-Verbrechen. Anhand von Aufnahmen aus den Jahren 1928 bis 1939 lässt sich vielmehr erkennen, dass Wolff und Tritschler ihre Arbeitsweise auch während der NS-Zeit nicht änderten. Helge Matthiesen, Chefredakteur des General-Anzeigers in Bonn, ist es vorbehalten, das Werk der Fotografen behutsam in den Zeitkontext einzuordnen und die Bilder als Quellen richtig zu deuten. Auf diese Weise entsteht – auch für Nicht-Nordrhein-Westfalen – eine gut lesbare Einführung in das Entstehen des neuen Landes an Rhein und Ruhr. Für Matthiesen erklären die Fotos „nicht zuletzt, was der Schlüssel zum Erfolg Nordrhein-Westfalens war: Arbeit und eine Politik nah an den elementaren Bedürfnissen der Menschen“.

In dem Fotoband versammelt sich Tradition und Moderne, 1950er-Jahre-Biedermeier und fröhliche Zukunftserwartung, Kohlenstaub und volle Schaufenster. Man sieht sogar viele Menschen, die Spaß an der Arbeit haben. Und ein Schub Fröhlichkeit, selbst gestellt, kann in diesen Tagen ja nicht schaden, auch wenn es nicht für ein neues Wirtschaftswunder reichen dürfte.

Und schon wieder ein neuer Kulturkampf: Im Ruhrgebiet behaupten sie, die Currywurst erfunden zu haben. Und was ist mit Berlin, Hamburg, Bückeburg? Quatsch mit Soße, sagen die Duisburger – und sie haben Beweise.

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