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06.01.2026
18:10 Uhr
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Zehntausende Berliner Haushalte sind am Wochenende plötzlich ohne Strom. Die Behörden gehen von einem linksextremistischen Anschlag aus. Nun schalten sich Deutschlands oberste Strafverfolger ein.

Nach dem Brandanschlag auf die Stromversorgung in Teilen Berlins hat die Bundesanwaltschaft die Ermittlungen übernommen. Es bestehe unter anderem der Verdacht der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung, der verfassungsfeindlichen Sabotage, der Brandstiftung und der Störung öffentlicher Betriebe, erklärte die oberste deutsche Strafverfolgungsbehörde zur Begründung. Zuletzt hatte die Berliner Generalstaatsanwaltschaft ermittelt.
Berlins Innensenatorin Iris Spranger ist froh, dass die Bundesanwaltschaft die Ermittlungen übernommen hat. „Wir sprechen von einem linksterroristischen Anschlag auf unser Stromnetz, hochkonspirativ vorbereitet und mit erheblicher krimineller Energie ausgeführt“, sagte die SPD-Politikerin der Deutschen Presse-Agentur. „Das ist ein Angriff auf unsere Sicherheit. Lebensgefahr für ältere Menschen und vulnerable Gruppen wurde als Kollateralschaden von den Tätern in Kauf genommen.“
Nach dem Brandanschlag an einer Kabelbrücke am Teltowkanal waren am Samstagmorgen im Südwesten Berlins 45 000 Haushalte und 2200 Unternehmen ohne Strom. Am Dienstag, Tag vier des Blackouts, waren noch rund 25 500 Haushalte und 1200 Geschäfte und Firmen nach Angaben des Betreibers ohne Strom. Bis Donnerstagnachmittag sollen wieder alle Betroffenen versorgt werden.
Kerzenlicht, Stromgeneratoren und Erinnerungen an ganz dunkle Zeiten: Wie es sich anfühlt, wenn in der Großstadt plötzlich das Selbstverständliche nicht mehr funktioniert.
Seit Sonntag stand für Politik und Behörden fest, dass es sich um einen politisch motivierten Anschlag handelt und Linksextremisten dahinterstehen. Ein bei den Behörden eingegangenes Bekennerschreiben mutmaßlicher Linksextremisten sei authentisch, so die Berliner Innensenatorin Iris Spranger (SPD). In einer Pressekonferenz sprach sie – wie zuvor auch Bürgermeister Kai Wegner (CDU) – von „Linksterrorismus“. Die Täter hätten bewusst und wissentlich in Kauf genommen, dass Menschen zu Schaden kämen.
Das lange Bekennerschreiben der sogenannten „Vulkangruppe“ trägt die Überschrift „Den Herrschenden den Saft abdrehen“. Darin steht unter anderem: „In der Gier nach Energie wird die Erde ausgelaugt, ausgesaugt, verbrannt, geschunden, niedergebrannt, vergewaltigt, zerstört.“ Das Gaskraftwerk in Lichterfelde sei „erfolgreich sabotiert“ worden. „Stromausfälle waren nicht Ziel der Aktion, sondern die fossile Energiewirtschaft.“Die „Vulkangruppen“ sollen seit 2011 vor allem in Berlin und Brandenburg immer wieder Brandanschläge auf wichtige Punkte der öffentlichen Infrastruktur begangen haben, wie das Bundesamt für Verfassungsschutz schreibt. Der Berliner Verfassungsschutz ordnet sie dem gewaltorientierten, anarchistischen Spektrum der linksextremistischen Szene zu.
In Bekennerschreiben würden wechselnde Namen verwendet, die sich auf isländische Vulkane wie Grímsvötn, Katla oder Ok beziehen. Hintergrund sei vermutlich der Ausbruch des Vulkans Eyjafjallajökull, der 2010 den Flugverkehr in Europa wochenlang störte. Die genaue Zahl der Anschläge der Gruppen ist nicht bekannt. 2024 hieß es, den Sicherheitsbehörden seien bislang elf strafbare Tatkomplexe bekannt, zu denen sich die Gruppen seit 2011 bekannt hätten. Später kamen weitere hinzu.
Wie konnte es zum großflächigen Stromausfall im Südwesten Berlins kommen? Und warum sind noch immer Zehntausende von der Stromversorgung abgeschnitten? Ein Baustellenbesuch.
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