Der Vorstoß dürfte seit Wochen in der Planung gewesen sein. Politisch ist er jedenfalls längst vorbereitet, und der Zeitpunkt nun ist wohl strategisch gewählt. Gut zehn Monate vor den anstehenden Neuwahlen in Israel hat Premier Benjamin Netanjahu den Versuch begonnen, sich seiner größten innenpolitischen Bürde zu entledigen: des Vorwurfs der Bestechlichkeit im Amt. Seit fünf Jahren zieht sich gegen ihn ein Korruptionsprozess vor dem Bezirksgericht in Jerusalem hin, an diesem Dienstag sollte Netanjahu erneut vor Gericht vernommen werden. Die Vorwürfe und das Verfahren haben das Land zutiefst gespalten. Am Sonntag reichte Netanjahu bei Staatspräsident Isaac Herzog offiziell ein Gnadengesuch ein, präventiv und ohne eine Schuld einzugestehen.
