SZ 11.02.2026
16:39 Uhr

(+) Bayerische Schlösserverwaltung zieht Bilanz: Volles Haus im Welterbe-Schloss


Entgegen vielen Befürchtungen sind die Besucherzahlen in Bayerns Königsschlössern 2025 trotz frischen Unesco-Titels nur leicht gestiegen. Das hat einen pragmatischen Grund.

(+) Bayerische Schlösserverwaltung zieht Bilanz: Volles Haus im Welterbe-Schloss

Das Welterbe liegt ein bisschen abseits der üblichen Routen durch das alte Europa. Von Elmau zum Beispiel sind es gute drei Stunden hinauf zum Königshaus am Schachen – zu Fuß und durchgängig bergauf bis auf 1866 Meter Seehöhe im Wettersteingebirge. Mountainbiker fahren ebenfalls hinauf, aber von denen steigen manche auf bestimmten Passagen auch lieber vom Rad. Die Saison reicht zudem nur von Juni bis Anfang Oktober – und doch sind in dem Jagdhaus von Märchenkönig Ludwig II. im vergangenen Jahr um ein gutes Drittel mehr Besucher angekommen als 2024. In absoluten Zahlen waren es zwar nur knapp 9100, aber dort droben am Schachen hat Bayerns Finanzminister Albert Füracker (CSU) trotzdem den womöglich größten Effekt des neuen Welterbe-Titels für Ludwigs Königsschlösser ausgemacht.

Denn dort, wo die Leute leichter hinkommen, ist sowieso schon immer Hochbetrieb – und was das Welterbe betrifft, so waren nicht wenige Menschen der Meinung, dass die Schlösser jenen von der Unesco im vergangenen Juli verliehenen Titel ohnehin längst getragen hatten. Auf Schloss Neuschwanstein etwa, wo 2025 knapp 1,1 Millionen Besucher gezählt wurden und damit nur unwesentlich mehr als im Jahr davor. Ähnlich war es im Schloss Herrenchiemsee mit seinen rund 309 000 Besuchern.

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Dabei waren die Befürchtungen mancherorts groß gewesen, dass die Schlösser als Welterbe von zusätzlichen Touristen regelrecht überrannt werden könnten. In der Gemeinde Schwangau zu Füßen von Neuschwanstein hatte es deswegen 2023 einen Bürgerentscheid über die Welterbe-Bewerbung geben, 56 Prozent der Einwohner waren damals dafür.

Doch viel mehr Besucher könnten es in Neuschwanstein ohnehin kaum mehr werden, sagte der neue Präsident der Bayerischen Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen, Hermann Auer, am Mittwoch bei seiner ersten Jahresbilanz. Auer und Füracker verwiesen darauf, dass man die maximale Größe der Besuchergruppen zuletzt begrenzt habe – aus Respekt vor dem eigenen kulturellen Erbe und auch, um den Besuchern ein gutes Erlebnis zu bieten. Vor der Corona-Pandemie waren in manchen Jahren mehr als eineinhalb Millionen Besucher in Neuschwanstein.

Linderhof als das vierte der neuen Welterbe-Schlösser verzeichnete von 2024 auf 2025 den größten Zuwachs, nämlich von gut 353 000 Besuchern auf rund 418 000. Das führt Füracker, der als Finanzminister auch für die freistaatlichen Schlösser und Seen zuständig ist, aber nicht auf den Unesco-Titel zurück, sondern auf die Wiedereröffnung der berühmten Venusgrotte nach zehnjähriger Sanierung. 170 000 Menschen waren seither in der Grotte, für die es auch separate Tickets gibt.

Diese Sanierung hat den Freistaat über alle zehn Jahre hinweg knapp 60 Millionen Euro gekostet. Allein im vergangenen Jahr hat die Schlösserverwaltung nach eigenen Angaben rund 58 Millionen Euro in ihre Immobilien investiert, also in bayernweit 45 Schlösser, Burgen und Residenzen, 27 historische Gartenanlagen und 21 Seen.

Für das laufende Geschäft hat die Schlösserverwaltung 2025 demnach etwa 104,3 Millionen Euro ausgegeben, bei Einnahmen von 93,1 Millionen, die überwiegend aus dem Ticketverkauf stammen. Das sind um 9,4 Millionen Euro mehr als im Vorjahr und laut Füracker auch mehr als je zuvor. Und doch reichen diese Einnahmen nur für 88 Prozent der laufenden Ausgaben ohne Baumaßnahmen.

Füracker und Auer zeigten sich mit dieser Quote aber äußerst zufrieden. Denn die Schlösser, Burgen und Residenzen im Land trügen „auch alle dazu bei, dass Bayern eine weltbekannte Marke ist“, sagt Füracker. Die positiven Auswirkungen auf den Tourismus und auf die bayerische Wirtschaft seien jedenfalls „immens“, aber zugleich „schwer monetär zu ermitteln“.

Das Wort „Besuchermagnet“ fällt ohnehin oft, wenn der Finanzminister über Bayerns Schlösser spricht. Zu diesen zählten – jeweils mit leichten Zuwächsen – auch 2025 die Würzburger Residenz mit 365 000, die Nürnberger Kaiserburg mit 190 000, das Münchner Residenzmuseum mit 560 000 und die Befreiungshalle in Kelheim mit 121 000 Besuchern. Einen Rückgang von 403 000 auf 366 000 Gäste verzeichnete Schloss Nymphenburg in München.

Besonders großes Wachstum gab es dafür anderswo, etwa bei der Bavaria an der Münchner Theresienwiese um 24 Prozent auf 24 000, bei der Walhalla nahe Donaustauf um elf Prozent auf 203 000 oder in der Willibaldsburg oberhalb von Eichstätt um 21 Prozent auf 45 000. Im Schloss in Neuburg an der Donau haben sich die Besucherzahlen von 2024 auf 2025 sogar mehr als verdoppelt und lagen bei mehr als 32 000. Allerdings dürften sie sich 2026  wieder ungefähr halbieren, denn in Neuburg hängen die Besucherzahlen entscheidend vom alle zwei Jahre stattfindenden Schlossfest ab.

Insgesamt haben 2025 rund 5,11 Millionen Menschen eines der freistaatlichen Schlösser besucht, 92 000 mehr als 2024. Dies ist laut Auer die dritthöchste Besucherzahl in den vergangenen 20 Jahren – und dass es nicht die allerhöchste überhaupt ist, liege an den selbst auferlegten Besucherbeschränkungen in Neuschwanstein.

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