SZ 11.01.2026
12:32 Uhr

(+) Basketball in der NBA: Nach Zoff mit Doncic: Dennis Schröder für drei Spiele gesperrt


Wer hat wen provoziert? Der deutsche Basketball-Weltmeister und der Slowene geraten in einer Partie aneinander. Schröder ist danach derart in Rage, dass er dem Lakers-Profi laut NBA in den Katakomben auflauert – und bestraft wird.

(+) Basketball in der NBA: Nach Zoff mit Doncic: Dennis Schröder für drei Spiele gesperrt

Die Tabelle lügt nicht, deshalb lohnt ein Blick auf den Stand in der NBA. Der ist wichtig, um die Umstände dieses Vorfalls um Dennis Schröder zu verstehen. Der Kapitän der deutschen Basketball-Welt- und Europameister spielt seit einem halben Jahr in der US-Profiliga bei den Sacramento Kings und die sind, man muss es konstatieren, eine ziemliche Katastrophe: Acht Siege bei 30 Niederlagen, Liga-Schlusslicht nach knapp der Hälfte der Saison, es ist eine verlorene Spielzeit für Schröder. Seinen Platz in der Startformation hat der 32-Jährige verloren, es gab Phasen, da traf er in mehreren Spielen so schlecht wie noch nie in seinem 13. Jahr in den USA.

Sein Klub wird regelrecht vermöbelt, er trifft keinen einzigen Wurf: Dennis Schröder ist nach dem EM-Titel mit dem Nationalteam in eine Krise geraten – es vertieft sich ein Problem, das seine gesamte NBA-Karriere prägt.

All das hat das Selbstverständnis dieses ehrgeizigen Profis aus Braunschweig angekratzt – wie sich jetzt zeigt. Wie sonst ließe sich erklären, dass sich Schröder bei einer Partie gegen die Los Angeles Lakers eine Privatfehde mit seinem Gegenspieler Luka Doncic leistet, die ihm nun eine Sperre von drei Partien einbringt? An diesem Wochenende machte die Liga den Vorfall amtlich, als sie verkündete, dass Schröder nach dem Spiel versucht haben soll, einen anderen Spieler zu vermöbeln.

„Der Vorfall ereignete sich etwa 40 Minuten nach der 101:125-Niederlage der Kings gegen die Lakers am 28. Dezember in der Crypto.com Arena“, heißt es in einer Pressemitteilung, die sich beinahe wie ein Polizeibericht liest. Schröder habe den betreffenden Akteur aus dem gegnerischen Team „in einem Arena-Flur aufgesucht und die Konfrontation initiiert“. US-Medienberichten zufolge musste Lakers-Center DeAndre Ayton, ein Kerl von 2,13 Metern Länge, auf dem Parkplatz dazwischen gehen, um einen etwas ungleichen Boxkampf zwischen Schröder (1,85 Meter) und Doncic (2,03 Meter) zu verhindern. Erst dann habe Sicherheitspersonal die Streithähne getrennt und den aufgebrachten Schröder in den Teambus eskortiert.

Der Deutsche muss damit in den folgenden Partien gegen Houston und die New York Knicks zuschauen. Zusätzlich entgeht ihm ein pikantes Wiedersehen mit den Lakers und Doncic, sowie eine Menge Geld, denn: Wer gesperrt ist, erhält in der NBA kein Gehalt. Die Strafe liegt in Schröders Fall demnach bei 291 807 Dollar – eine Summe, die er bei einem Jahressalär von 14,1 Millionen Dollar freilich verkraften kann. Er selbst wollte sich auch auf Anfrage der Deutschen Presseagentur dpa bisher nicht zu den Umständen äußern, einiges dürfte sich dennoch selbst erklären.

Die Sache mit Doncic hatte nämlich bereits auf dem Spielfeld ihren Lauf genommen. Da hatten sich beide ein heftiges Wortgefecht geliefert und es wird schwer zu klären sein, wer eigentlich angefangen hatte. Möglicherweise basiert der Zoff darauf, dass Schröder in der Hitze des Spiels von Doncic verspottet wurde. Auf TV-Bildern und Aufnahmen vom Spielfeldrand ist zu sehen und zu hören, wie Schröder bei einem Freiwurf seines Teams im Vorbeigehen mit dem Slowenen aneinander gerät. Doncic soll in Richtung des Weltmeisters gefrotzelt haben, dass dieser nur rede und er sich wünsche, „du würdest zuschlagen“. Beide kennen sich auch aus vielen Duellen mit ihren Nationalteams, meist hatte Schröder sportlich das bessere Ende für sich, wie zuletzt im EM-Viertelfinale.

In der Zwischenrunde trifft Deutschland erst auf Georgien - dann wartet Slowenien mit Luka Doncic, dem besten Spieler des WM-Turniers. Und das deutsche Team hat noch eine Rechnung offen.

Doch die NBA ist eine andere Kategorie, hier spielen Egos und der sogenannte „Trashtalk“ eine größere Rolle. Und der ewige Schiedsrichter-Einflüsterer Doncic gilt als Meister der Provokation. Seinen Kommentar beantwortete Schröder offenbar prompt: „Komm nach hinten. Ich bin nicht der Typ, mit dem man nur redet. Ich mach’ dich platt.“ Überliefert ist per Video auch, wie Doncic seinen Kontrahenten auf dem Parkett damit aufzog, dass der sich in seiner Zeit bei den Lakers einen vermeintlichen 84-Millionen-Dollar-Vertrag entgehen ließ. Dass ihm dieser 2021 unterschriftsreif vorlag, hat Schröder selbst immer wieder abgestritten – hartnäckig hält sich aber die Version der Geschichte, dass Schröder damals zu hoch gepokert hatte und noch mehr forderte, woraufhin die Lakers ihr Angebot zurückzogen. „Du hättest den Vertrag unterschreiben sollen, Baby“, rief Doncic ihm nun klar hörbar zu. Eine Stichelei, die Schröder sichtlich in Rage brachte – und in Verbindung mit den vielen Niederlagen (zuletzt sieben in Serie) wohl die Kontrolle verlieren ließ.

Sein Temperament hat Schröder auf dem Spielfeld oft geholfen, er gilt als Energiebündel. Als einer, der schnell Feuer fängt und daraus Kraft fürs Basketballspielen ziehen kann. Abseits des Parketts hat er sich über die Jahre zum ruhigen Familienmenschen entwickelt, als er als Kapitän der DBB-Basketballer ist er längst eine deutsche Sportgröße und gilt vielen als Vorbild. 2024 durfte er die deutsche Fahne bei Olympia in Paris tragen.

Schröder wirkte geläutert nach wilderen Tagen – von Zwischenfällen wie jenem im Jahr 2017 vor einer Shisha Bar in Brookhaven im Bundesstaat New York: Da war er als Profi der Atlanta Hawks schon einmal in eine Schlägerei verwickelt gewesen und wegen Körperverletzung festgenommen worden. Eine Überwachungskamera hatte den Vorfall gefilmt, Schröder sagte später: „Jeder macht Fehler. Ich muss versuchen, daraus zu lernen.“ Für einen erneuten Lernprozess hat er nun ein paar Tage Zeit. Er darf erst am 17. Januar wieder spielen, wenn es gegen die Washington Wizards geht.

Er hat es vom Skateboarder im Prinzenpark in Braunschweig zum Basketballer in die NBA gebracht. Für den EM-Sieg des deutschen Nationalteams war er entscheidend. Über einen Sportler mit verblüffendem Werdegang.

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