SZ 28.01.2026
13:21 Uhr

(+) Banken und Finanzen: Frankfurter Staatsanwaltschaft durchsucht Deutsche Bank


Erneut eine Razzia bei Deutschlands größtem Geldhaus: Es geht um den Verdacht von Geldwäsche im Zusammenhang mit dem russischen Oligarchen Roman Abramowitsch – ausgerechnet einen Tag vor der Bilanzpressekonferenz.

(+) Banken und Finanzen: Frankfurter Staatsanwaltschaft durchsucht Deutsche Bank

Auch wenn die großen Skandale womöglich der Vergangenheit angehören: Die Deutsche Bank erregt weiterhin in regelmäßigen Abständen das Interesse der Staatsanwaltschaft. Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung durchsuchten Ermittler der Frankfurter Behörde am Mittwoch unter anderem die Zentrale des größten deutschen Geldhauses in Frankfurt und die Niederlassung in Berlin – ausgerechnet einen Tag vor der Bilanzpressekonferenz, bei der der langjährige Vorstandschef Christian Sewing den höchsten Gewinn seit vielen Jahren präsentieren will.

Dem Vernehmen nach geht es erneut um mögliche Verfehlungen in der Geldwäschebekämpfung, diesmal im Zusammenhang mit einem prominenten früheren Kunden der Bank: dem seit März 2022 in der EU sanktionierten russischen Milliardär Roman Abramowitsch. Nach SZ-Informationen soll die Deutsche Bank eine oder mehrere Geldwäscheverdachtsmeldungen zu Firmen des Oligarchen verspätet an die Behörden abgegeben haben.

Ein Sprecher der Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Wirtschaftsstrafsachen Frankfurt bestätigte, dass die Behörde gemeinsam mit dem Bundeskriminalamt gegen unbekannte Verantwortliche und Mitarbeiter der Deutschen Bank ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Geldwäsche und in Zusammenhang stehender weiterer Vorwürfe nach dem Geldwäschegesetz führe. Die Deutsche Bank habe in der Vergangenheit Geschäftsbeziehungen zu ausländischen Gesellschaften unterhalten, die im Rahmen von weiteren Ermittlungen wiederum im Verdacht stünden, selbst zum Zwecke der Geldwäsche eingesetzt worden zu sein.

Zur weiteren Aufklärung des Sachverhaltes sei ein Durchsuchungsbeschluss des Amtsgerichts Frankfurt an den Standorten der Deutschen Bank in Frankfurt am Main und Berlin vollstreckt worden. Zum Hintergrund der Geschäftsbeziehungen, der über die Deutsche Bank erfolgten Transaktionen und deren Umfang sowie zu den Gesellschaften selbst, könnten keine weiteren Angaben gemacht werden. Ein Sprecher der Deutschen Bank bestätige die Maßnahme, wollte sich aber zu weiteren Fragen nicht äußern. Die Bank arbeite vollumfänglich mit der Staatsanwaltschaft zusammen. In Konzernkreisen hieß es, die Untersuchungen der Staatsanwaltschaft bezögen sich auf Transaktionen aus den Jahren 2013 bis 2018. Die Bank wollte dies nicht kommentieren. An der Börse gaben die
Aktien des Geldhauses rund drei Prozent nach.

Banken sind verpflichtet, verdächtige Zahlungen unverzüglich an die zuständigen Behörden zu melden; unterbleibt dies, drohen empfindliche Bußgelder. In dem besagten Fall geht es offenbar sowohl um Zahlungen, die über eine russische Korrespondenzbank an die Deutsche Bank gelangten, als auch um eine frühere Geschäftsbeziehung mit Firmen von Abramowitsch selbst.

Die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt ermittelt früheren Medienberichten zufolge seit geraumer Zeit auch gegen Abramowitsch. Auf Medienanfragen hatte die Behörde 2025 bestätigt, dass sie ein Ermittlungsverfahren „gegen einen 58-jährigen Unternehmer aus der Russischen Föderation“ wegen des Verdachts einer Straftat nach dem Außenwirtschaftsgesetz führt. Wie die Generalstaatsanwaltschaft auf Anfrage mitteilte, ist ein solches Verfahren weiterhin aktuell.

Abramowitsch hat laut der EU-Sanktionsliste sein Vermögen auch dank seiner engen Verbindungen zum russischen Präsidenten gesichert und musste in der Folge seiner Sanktionierung Anteile am Londoner Fußballklub FC Chelsea zum Verkauf freigeben. Laut einem Bericht der Plattform OCCRP ermitteln auch die Behörden in Jersey gegen den Oligarchen – wegen des Verdachts der Geldwäsche. Auf Anfrage teilte dessen Medienanwalt mit, seinem Mandanten seien keine Ermittlungen deutscher Behörden in dieser Angelegenheit bekannt. „Herr Abramowitsch hat stets im Einklang mit den geltenden nationalen und internationalen Gesetzen und Vorschriften gehandelt. Jede gegenteilige Behauptung ist falsch sowie rufschädigend“.

Die Deutsche Bank musste in den vergangenen Jahren mehrfach Bußgeld wegen verspäteter Geldwäscheverdachtsmeldungen zahlen. Die Probleme in der Geldwäschebekämpfung waren zeitweise derart gravierend, dass die Finanzaufsicht Bafin von 2018 bis Ende 2024 sogar einen Sonderbeauftragten zur Kontrolle der Fortschritte geschickt hatte. Der letzte bekannte Fall ist ein Bußgeld in Höhe von sieben Millionen Euro, das die Deutsche Bank wegen Transaktionen eines Onkels des syrischen Machthabers Baschar al-Assad zahlen musste, bei denen die Bank als durchleitende Bank (Korrespondenzbank) agierte. Das Institut akzeptierte das Bußgeld und erklärte, der Onkel sei zu keinem Zeitpunkt Kunde der Bank gewesen.

Die neuen Ermittlungen sind auch eine erste Bewährungsprobe für Simone Kämpfer, die neue Chefjustiziarin der Deutschen Bank, früher Partnerin der Großkanzlei Freshfields und ehemalige Staatsanwältin und Strafverteidigerin. Zuletzt beriet sie Unternehmen bei Freshfields in Compliance-Fragen und internen Ermittlungen, etwa in „Me Too“-Fällen.  Erst im Sommer hatte die Bank auch ihre Abteilung gegen Finanzkriminalität umgebaut und erneut den Konzern-Geldwäschebeauftragten ausgetauscht, ähnlich wie die Position des Chefjustiziars gilt dieser Posten seit Jahren als Schleudersitz.

Anmerkung: Eine frühere Version des Artikels wurde um weitere Stellungnahmen ergänzt.

Mit einem neuen Gesetz will die Bundesregierung Geldwäsche eindämmen. Doch das kann nur der Anfang sein. Was wirklich hilft, um den Kampf gegen die Unterwelt zu gewinnen.

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