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17.02.2026
16:55 Uhr
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Die Auseinandersetzung zwischen Elon Musks Autofirma und der IG Metall spitzt sich zu. Die Gewerkschaft wirft dem Werksleiter vor, wahrheitswidrige Aussagen zu tätigen – und zieht vor das Amtsgericht Frankfurt/Oder.

André Thierig, Werksleiter der Tesla Gigafactory Berlin-Brandenburg. (Foto: Sebastian Gollnow/Sebastian Gollnow/dpa)
Der Machtkampf um das Tesla-Werk Grünheide wird nun immer stärker mit juristischen Mitteln geführt. Die IG Metall hat nach eigenen Angaben Strafanzeige gegen André Thierig gestellt, Geschäftsführer von Elon Musks erster Autofabrik in Europa. Die Strafanzeige erfolge wegen übler Nachrede, teilte die Gewerkschaft am Dienstagnachmittag mit. Gleichzeitig beantragte sie beim Amtsgericht Frankfurt/Oder eine Einstweilige Verfügung, die Thierig die weitere Verbreitung angeblich falscher Behauptungen untersagen soll. Thierig erhebe wahrheitswidrig Vorwürfe gegen einen Beschäftigten der IG Metall. Auf eine kurzfristige Anfrage dazu reagierte Tesla zunächst nicht.
Die Strafanzeige ist ein weiterer Höhepunkt in jahrelangen Auseinandersetzungen zwischen Musks Statthaltern in Deutschland und der Gewerkschaft. Die IG Metall kritisiert aus ihrer Sicht schlechte Arbeitsbedingungen in dem Werk. 2024 erklärten mehr als die Hälfte der Teilnehmer an einer Umfrage der Gewerkschaft, wegen ihrer Arbeit regelmäßig an Schmerzen zu leiden. Bei den Betriebsratswahlen Anfang März stellen sich managementnahe Listen ebenso zur Wahl wie die IG Metall, die bisher 40 Prozent der Sitze hält und nun die Mehrheit anstrebt.
Auf einer Sitzung des Betriebsrats am Dienstag vor einer Woche warf ein Mitglied einer managementnahen Liste einem Vertreter der IG Metall vor, heimlich auf seinem Laptop die Sitzung aufzuzeichnen. Der Metaller bestreitet den Vorwurf. Die managementnahe Betriebsratschefin rief die Polizei, die Ermittlungen aufnahm. Werksleiter André Thierig stellte eine mögliche Aufzeichnung durch den Metaller anschließend in einer Mail an die Mitarbeiter als Faktum dar: „Statt seiner Aufgabe (...) nachzukommen, nahm er die Sitzung heimlich mit seinem Computer auf“. Ein solches Aufzeichnen stelle eine Straftat dar. „Als Arbeitgeber ist es unsere Pflicht, dafür Sorge zu tragen, dass Recht und Ordnung in der Gigafactory eingehalten werden“. Deshalb habe man Strafanzeige gegen den Gewerkschafter gestellt.
Die IG Metall sprach vom Versuch, vor den Betriebsratswahlen „einen Skandal zu produzieren“ und reagiert nun selbst mit einer Strafanzeige. Um die Ermittlungen zu beschleunigen und sich besser gegen die von Tesla verbreiteten falschen Vorwürfe wehren zu können, habe der IG Metall-Kollege den Ermittlungsbehörden angeboten, mit seinem Passwort den Laptop für sie zur Durchsicht zu öffnen. „So können die Ermittler sehr schnell erkennen, dass er anders als von Tesla behauptet die Betriebsratssitzung nicht aufgezeichnet hat“.
„Wir werden nicht zulassen, dass Tesla mit diesem Angriff auf die Demokratie im Betrieb durchkommt“, sagte Jan Otto, Bezirkschef der IG Metall. Die Ermittlungsergebnisse sollten möglichst vor der Betriebsratswahl vorliegen. „Dann können sich die Beschäftigten selbst ein Bild machen, wer die Wahrheit und wer die Unwahrheit sagt.“
Die IG Metall klagt über „Knochenjobs“ im Tesla-Werk und strebt jetzt nach der Mehrheit im Betriebsrat, um die Arbeitsbedingungen zu verbessern. Dabei trifft sie auf sehr starke Gegner. Szenen eines Showdowns.
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