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18.02.2026
15:44 Uhr
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Die große Hoffnung des linken Amerika macht mit ihrer Auslandsreise Schlagzeilen. Trotzdem ist die Demokratin sauer: Ihr gehe es darum, den Autoritarismus in aller Welt zu stoppen – und nicht um die Präsidentenwahl 2028.

Alexandria Ocasio-Cortez, US-Kongressabgeordnete der Demokraten, spricht vor 1100 Zuhörern an der TU Berlin. (Foto: Annette Riedl/dpa)
Noch bevor sie zurück in die USA kehrt, möchte Alexandria Ocasio-Cortez etwas klarstellen. Also ruft die Abgeordnete einen Reporter der New York Times (NYT) an. Dieser war extra eingeflogen, um über ihre Auftritte bei der Münchner Sicherheitskonferenz und in Berlin zu berichten, und bei ihm entlädt sie ihren Frust. Zu viele Berichte seien „realitätsfremd“, hätten sich um Nebensächlichkeiten gedreht und das wichtigste Thema übersehen: Weltweit stünden „Demokratien in Flammen“, weil etablierte Parteien rechtspopulistischen Bewegungen nichts entgegensetzen könnten.
Sobald bekannt geworden war, dass die überall als AOC bekannte Ocasio-Cortez an der Münchner Sicherheitskonferenz teilnehmen würde, war in Artikeln spekuliert worden, sie wolle 2028 als Präsidentschaftskandidatin antreten und nun auch außenpolitisch Profil zeigen. Folglich sei sie gefragt worden, ob München das neue New Hampshire sei – eine Anspielung auf jenen Bundesstaat, in dem traditionell die erste Vorwahl stattfindet. Darum gehe es aber nicht, behauptet die 36-Jährige.
Sie sei zur Sicherheitskonferenz gereist, „um Alarm zu schlagen, dass viele dieser Leute in ihren schön gebügelten Anzügen nicht mehr lange dort im Saal sitzen werden, wenn wir nichts gegen die galoppierende Ungleichheit tun“. Darin sieht sie den Hauptgrund für den Zuwachs von Rechtspopulisten und -extremisten. Ihr Gegenrezept, wonach vor allem die linken Parteien die Lebensverhältnisse der Arbeiterklasse verbessern müssten, sei in München gut angekommen.
Dort traf sie laut NYT sowohl SPD-Chef Lars Klingbeil als auch dessen Parteifreund, Umweltminister Carsten Schneider. Dass die 1100 Tickets für ihren Auftritt am Sonntagabend an der Technischen Universität Berlin in etwa einer Stunde vergriffen waren, unterstreicht ihre enorme Popularität. Die verdankt AOC auch den sozialen Medien: Über die Plattformen Instagram, Tiktok, Bluesky, X und Facebook erreicht sie mehr als 36 Millionen Follower.
Politische Gespräche führt sie in Berlin nicht nur mit der SPD. Sie trifft auch Vertreterinnen der Linken, etwa die Berliner Bürgermeisterkandidatin Elif Eralp und Parteichefin Ines Schwerdtner, die entsprechende Bilder auf Social Media verbreitet.
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Ob AOC wirklich von der US-Berichterstattung überrascht war, darüber ließe sich auch spekulieren. Im Repräsentantenhaus sitzt sie seit mittlerweile sieben Jahren, sie war 2020 wochenlang mit dem linken Präsidentschaftskandidaten Bernie Sanders unterwegs und kennt daher die Mechanismen des oft kurzatmigen US-Medienbetriebs gut. Und dass AOC selbst zuspitzen kann, belegt fast jede Äußerung. Der NYT sagt sie etwa: „Es geht hier nicht um Gegner in einer hypothetischen Vorwahl. Meine Gegner sind die Netzwerke, die Orbán, Trump, Milei, Bolsonaro und alle diese Leute verbinden.“
Dass sich AOC neben dem US-Präsidenten mit Staats- und Regierungschefs aus Ungarn, Argentinien und Brasilien anlegt, beweist ihren Ehrgeiz. Es erklärt aber auch andere Reaktionen, die sehr erwartbar waren: Republikaner und konservative Kommentatoren überbieten sich darin, ihre Auftritte niederzumachen. Als „absolute Katastrophe“ bezeichnet ein Politberater ihre Deutschland-Tour beim Sender Fox News, ein anderer Journalist behauptet, die Abgeordnete habe sich „selbst zerstört“. Als Beleg dient ein Video, in dem sie 20 Sekunden braucht, um eine ausweichende Antwort zu einem möglichen Einsatz von US-Soldaten zur Verteidigung Taiwans zu geben.