Im Laufe des Lebens hat die Sehnsucht zwei Richtungen. Wenn man jung ist, sehnt man sich nach dem, was noch kommen wird. Wenn man älter wird, sehnt man sich nach dem, was nicht mehr kommen wird. Was hätte kommen können. Die zweite, erwachsene Sehnsucht ist trostloser als die erste, weil sie nicht mehr mit Hoffnung, sondern nur noch mit Wehmut verbunden ist. Das allgemeine Dogma lautet: Es gilt sie zu verwalten, zu ertragen, zu überwinden. Danach kommt, hört man, im Erfolgsfall die Phase der späten Zufriedenheit, bevor es dann an den letzten, großen Verwaltungsakt geht: das Sterben. Jene, die sich in ihren unerfüllten Sehnsüchten und in der Verbitterung über geplatzte Illusionen einrichten, anstatt sie abzuschütteln, gelten eher als gescheitert.
