SZ 18.12.2025
15:30 Uhr

(+) Anhaltende Wirtschaftskrise: Die Superlative werden auch in Bayern weniger


Kriselnde Industrie, schrumpfende Exporte:  Das neue Statistik-Jahrbuch bietet nicht mehr so viele Jubelmeldungen wie früher. Da müssen schon mal die Lebkuchenbäckereien für Spitzenwerte herhalten.

(+) Anhaltende Wirtschaftskrise: Die Superlative werden auch in Bayern weniger
Hier werden noch Topwerte geliefert: 70,3 Prozent aller in Deutschland hergestellten Lebkuchen kommen aus Bayern. Hier ein Bild aus einer Backfabrik in Nürnberg. (Foto: Daniel Karmann/dpa)

Home-Office, also das Arbeiten zu Hause, mag seit der Corona-Pandemie ein Trend in vielen Büroberufen sein. Trotzdem nutzen 75,5 Prozent der abhängig Beschäftigten in Bayern, quer durch alle Branchen und Tätigkeitsfelder, diese Möglichkeit nie; mutmaßlich erklärt sich der Wert dadurch, dass viele Menschen in Produktion, Gewerbe oder Dienstleistungen diese Option schlicht nicht zur Verfügung haben. Dennoch ist der Durchschnittswert im Vergleich zum Jahr 2017 deutlich gestiegen.

Damals waren nur gut neun Prozent aller abhängig Beschäftigten im Home-Office. Von dem Viertel der Beschäftigten, die jetzt daheim arbeitet, betrifft das bei gut der Hälfte aber nur einzelne Arbeitstage. Ein Fünftel dieser Gruppe arbeitet allerdings mittlerweile täglich im Home-Office.

Das ist eine Erkenntnis aus dem statistischen Jahrbuch 2025, das Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) am Donnerstag vorgestellt hat. Das Kompendium des Statistischen Landesamts in Fürth liefert jedes Jahr einen Überblick zu gesellschaftlichen Entwicklungen in Bayern – und auch Daten für Wirtschaft und Arbeit. Der Großteil der Zahlen bezieht sich auf das abgeschlossene Erfassungsjahr 2024, manche Themen werden aber üblicherweise auch ins laufende Jahr hinein fortgeschrieben.

Herrmann nannte das Jahrbuch „eine wichtige Planungs- und Entscheidungsgrundlage“ für die Landespolitik. Die Relevanz statistischer Daten zeigt sich übrigens auch in der Geschichte des Landesamts. Kürzlich hatte die Behörde eine wissenschaftliche Studie dazu vorgestellt, sie reicht von der Gründung über die NS-Diktatur bis in die Anfänge der Bundesrepublik.

Apropos Arbeitswelt: Eine Mehrheit der Pendlerinnen und Pendler bayernweit (63 Prozent) nutzt dafür das eigene Auto. Etwa 14 Prozent wählen öffentliche Verkehrsmittel und rund jeder Zehnte das Fahrrad. In den beiden größten Städten zeigt sich ein anderes Bild, in München nutzen 44 Prozent, in Nürnberg 34 Prozent öffentliche Verkehrsmittel; 17 beziehungsweise 13 Prozent das Fahrrad. Dennoch ist auch das Auto für den Arbeitsweg in den beiden Städten weiterhin recht üblich (in München nutzen es 30 Prozent, in Nürnberg 41).

Auf dem bayerischen Arbeitsmarkt insgesamt gibt es trotz jüngster Krisenmeldungen weitgehend Stabilität. Die Arbeitslosenquote beträgt 3,9 Prozent. Das ist zwar ein Höchstwert im Zehn-Jahres-Verlauf, jedoch die niedrigste Quote in Deutschland (bundesweit 6,1 Prozent). Im Bereich Wirtschaft belegen viele Daten indes klar die konjunkturelle Flaute.

In früheren Zeiten dagegen, vor allem im vergangenen Jahrzehnt, konnte der Innenminister mit dem Jahrbuch oft ein Bild sozusagen der Super-Bayern pinseln; mit immer neuen Rekorden und Bestmarken, auch in der Wirtschaft.

„Auch im laufenden Jahr bleibt der wirtschaftliche Aufschwung in Bayern leider aus“, teilte Herrmann am Donnerstag mit. „Deutschland steckt wirtschaftlich in einer ernsten Lage.“ Das Produktionsvolumen ist in den ersten neun Monaten 2025 um 2,4 Prozent zurückgegangen. Im investitionsstärksten Wirtschafts­zweig Bayerns, der Automobilindustrie, ist ein Rückgang von 6,5 Prozent festzustellen.

Von Januar bis September nahmen auch die Exporte gegenüber dem Vorjahreszeitraum erneut ab, um 0,9 Prozent. Erfreulich sei aber, sagte Herrmann, dass der Auftragseingang – „ein Frühindikator für die künftige Entwicklung“ – 2025 bislang ein Plus von 2,2 Prozent aufweist.

Ordentliche Zahlen kommen aus dem Tourismus. 2025 meldeten die Beherbergungsbetriebe bis einschließlich September 89,5 Millionen Übernachtungen – „der Freistaat behält damit seine Spitzenposition und stellt gut ein Fünftel aller Gäste und Übernachtungen in ganz Deutschland“, resümierte Herrmann. Der Trend gehe übrigens „zu einem individuell gestalteten Urlaub“, zu sehen an Zuwächsen bei Ferienwohnungen und Campingplätzen.

Zum Stichtag 31. Dezember 2024 lebten in Bayern 13,25 Millionen Menschen. Damit ist die Bevölkerungszahl in den vergangenen zehn Jahren um mehr als eine halbe Million (4,4 Prozent) gestiegen, im Jahr 2024 um etwa 72 500 Personen; durch Zuzug aus dem In- und Ausland. Bei der natürlichen Bevölkerungsentwicklung hält eine Tendenz seit 2022 an: Die Todesfälle übersteigen die Geburten.

Bayern könnte im Jahr 2042 bei der Marke von 14 Millionen Einwohnern landen, besagen Langzeit-Prognosen des Statistikamts. Doch nicht alle Regionen verzeichnen einen Bevölkerungszuwachs, die Staatsregierung versucht mit verschiedenen Maßnahmen, das Wachstum weg von den überhitzten Ballungsräumen zu lenken.

Nach Berechnungen des Landesamts für Statistik wird der Freistaat im Jahr 2042 an der Marke von 14 Millionen Einwohnern kratzen. Doch nicht alle Regionen sind im Aufwind, die Staatsregierung will das Wachstum weg von überhitzten Ballungsräumen lenken.

Die Zuwanderung aus dem Ausland ist 2025 deutlich gesunken. Von Januar bis September lag der sogenannte Wanderungssaldo aus dem Ausland – also Zuzüge minus Fortzüge, ob freiwillig oder unfreiwillig – bei 22 600 Personen. Das ist ein Rückgang von fast 58 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

„Die Zahlen belegen eindrucksvoll die Trendwende im Bereich der Migration“, sagte Herrmann. Zuletzt hatte auch Ministerpräsident Markus Söder (CSU) regelmäßig betont, dass die Zuwanderungspolitik der neuen Bundesregierung erste Ergebnisse zeige. Er sprach von „einer bayerischen Handschrift“. Auch 2024 war die Fluchtbewegung aus der Ukraine noch immer sehr relevant bei der Zuwanderung, sie beträgt etwa ein Drittel des besagten Saldos.

Ganz ohne Superlative geht es auch bei der Vorstellung dieses Jahresbuchs nicht. Mit Blick auf das Weihnachtsfest hob Herrmann eine besondere Spitzenposition Bayerns hervor: „Wir sind und bleiben mit großem Abstand das Land der Lebkuchen.“ 2024 wurden in Bayern knapp 57 000 Tonnen davon produziert, das seien 70,3 Prozent aller in Deutschland hergestellten Lebkuchen.

Bayerns CSU-Innenminister Joachim Herrmann warnt in der Diskussion um das Stadtbild vor Übertreibung – und betont die positiven Seiten von Migration.

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