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12.01.2026
14:45 Uhr
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Dreimal in einer Woche musste der Baywa-Aufsichtsrat tagen. Am Ende war Vorstandschef Frank Hiller seinen Job los. Über die Hintergründe gibt es mehrere Versionen.

Tischaufsteller mit dem Baywa-Schriftzug: Immer neue Querelen erschüttern das Münchner Unternehmen. (Foto: Carsten Hoefer/dpa)
Es waren markige Worte, die Frank Hiller Ende November über die Vergangenheit des Agrar- und Handelskonzerns Baywa fand. „Es ging dem Management nicht um die Firma, sondern nur um sich selbst“, sagte er über seine Vorgänger an der Spitze des Unternehmens. Diese hätten einfach „keinen guten Job gemacht“ und die Baywa in eine schwere Krise manövriert. Mitte 2024 stand der völlig überschuldete 20-Milliarden-Euro-Konzern nach einer beispiellosen Expansion kurz vor der Pleite, die Banken zogen die Notbremse, seitdem wird saniert.
Inzwischen sind Hiller und sein Job als Konzernchef selbst Geschichte. Ende vergangener Woche berief der Aufsichtsrat unter der Leitung von Gregor Scheller den Vorstandsvorsitzenden mit sofortiger Wirkung ab. Hiller war nicht einmal ein Jahr im Amt. Die Ablösung lief alles andere als reibungslos. Der Aufsichtsrat traf sich in der vergangenen Woche zu drei Sitzungen, am Dienstag, am Donnerstag und am Freitag, erst dann gab es eine Entscheidung. Dabei war die Trennung von Hiller angeblich seit Monaten unter dem Codenamen „Aufzug“ vorbereitet worden, aber offenbar nicht gut.
Über die Hintergründe der überraschenden Personalie kursieren mehrere Versionen. So sei es offenbar immer wieder zu Unstimmigkeiten und Streitereien zwischen Hiller und der für die Sanierung zuständigen Vorstand Michael Baur gekommen. Dieser war von der Beratungsfirma Alix Partners zur Baywa gekommen und von den Banken eingesetzt worden, um das Unternehmen wieder auf Kurs zu bekommen. Die Chemie zwischen den beiden sei schon lange gestört gewesen.
Vorgeworfen wird Hiller zudem, dass er keine Strategie für die Baywa nach dem Ende der Sanierung entwickelt habe. Zuletzt hatte Hiller verkündet, dass die Baywa bis 2028 ein „modernes Handelshaus in den Bereichen Agrar und Bau“ werden soll, mit einem dann mehr als halbierten Umsatz von zehn Milliarden Euro. Das hat den beiden großen Anteilseignern, der Bayerischen Raiffeisen-Beteiligungs-AG (BRB) und der Raiffeisen Agrar Invest AG (RAI) aus Österreich, offenbar nicht gereicht. Sie wollten Konkreteres.
Gleichzeitig, so berichten Insider, habe Hiller die Aufklärung der Baywa-Krise und ihre Verantwortlichkeiten offenbar zu sehr vorangetrieben. Das habe wohl einigen im Aufsichtsrat nicht gepasst. Kein Wunder, denn am Ende geht es auch um deren Rolle bei dem Debakel, auch ein geplanter Umbau des Aufsichtsrats kommt derzeit nicht voran. Immer wieder hatte Hiller, der zuvor Chef des Maschinenbauers Deutz war, öffentlich Klarheit über die Hintergründe der Krise und eine neue Kultur gefordert. Die Baywa selbst hat eine Unternehmensberatung aus Frankfurt damit beauftragt, die Vorgänge zu untersuchen. Dazu werden seit langem Interviews mit Beteiligten geführt und alles geprüft. Ergebnisse liegen aber immer noch nicht vor. Einen Bericht soll es erst zur kommenden Hauptversammlung im Sommer 2026 geben, hieß es Ende November.
Seit dem vergangenen Sommer ermittelt auch die Staatsanwaltschaft München in der Sache, vorerst gegen ehemalige Baywa-Vorstandsmitglieder. Es geht darum, ob die Lage der Baywa geschönt dargestellt wurde. Brisant: Betroffen davon ist auch Marlen Wienert, sie ist immer noch Mitglied im Vorstand, ihr Vertrag wurde sogar gerade erst verlängert. Wienert ist unter anderem für das gesamte Marketing zuständig und damit auch für das Wiederherstellen des guten Rufs der Baywa. Für sie gelte die Unschuldsvermutung, heißt es.
Künftig werde es keinen Vorstandsvorsitzenden mehr geben, teilte die Baywa nun weiter mit. Die Aufgaben Hillers werden auf die anderen drei Vorstände verteilt, neben Sanierer Baur und Wienert ist das Finanzvorstand Matthias Rapp. Hiller werde erst Ende Juli auch offiziell aus dem Unternehmen ausscheiden. Eigentlich hatte Hiller einen Drei-Jahresvertrag, der noch bis Anfang 2028 gelaufen wäre. Über die Höhe einer eventuellen Abfindung gibt es keine Informationen. Die Baywa musste zuletzt hart sparen und hatte viele Stellen abgebaut.
Zuletzt gab es Rückschläge beim Umbau des Münchner Krisenkonzerns, der Umsatz bricht ein. Auch die Aufarbeitung der Probleme kommt kaum voran. Und die Staatsanwälte ermitteln.
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