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14.02.2026
17:51 Uhr
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Nach 21 Gegentreffern im Jahr 2026 bleibt die Eintracht gegen Gladbach ohne Gegentor. Der HSV macht den Volkspark zur Festung und Schiedsrichterchef Knut Kircher wird zum TV-Kommentator. Das Wichtigste zum Spieltag.

Ansgar Knauff erzielte das 3:0 für die Eintracht. (Foto: Marc Schüler/dpa)
Der FC Bayern lässt sich vom BVB nicht unter Druck setzen, gewinnt gegen Bremen und zieht wieder auf sechs Punkte Vorsprung davon. Alles zu den Münchnern finden Sie hier. Auf anderen Plätzen gab es einen Trainereffekt bei der Eintracht aus Frankfurt zu beobachten, ein wiedererstarktes Leverkusen, ein unbeeindrucktes Hoffenheim – und einen ungewöhnlichen Kommentator beim Sender Dazn. Alle Ergebnisse und die Tabelle finden Sie hier.
Achtung, hier spricht der Chef!
Wie ist das, wenn der Vorgesetzte die Arbeit live im Fernsehen kommentiert? Knut Kircher, Deutschlands Schiedsrichterchef, wagte das Experiment, setzte sich ins TV-Studio des Streamingdienstes Dazn und analysierte unmittelbar die Aktionen seiner Unparteiischen. Konnte das gut gehen? Die erste Situation war unstrittig: Hoffenheims Andrej Kramaric erzielte ein wunderschönes Weitschusstor per Bogenlampe, stand in der Entstehung aber vergleichsweise eindeutig im Abseits – Kircher musste nicht mehr mitteilen, als dass die eingesetzte Halbautomatik funktioniert.
Den eindeutigen Elfmeter für den FC Bayern kommentierte Kircher nicht, dafür zwei Strafstoßsituationen in Hamburg. Kircher äußerte sich in der Halbzeitpause, er sah in der ersten Situationen „eher ein Foul“ am Union-Stürmer Andrej Illic, also entgegen der Entscheidung von Florian Badstübner auch eher Elfmeter. Den gab es dann aber kurz danach, laut Kircher erkannte Badstübner da richtigerweise einen leichten Kopftreffer von Nicolas Capaldo gegen Ilic. In der zweiten Halbzeit gab es auf keinem Feld eine strittige Szene, die Kirchers Einschreiten notwendig gemacht hätte.
Eintracht Frankfurt – jetzt endlich ohne Gegentor!
Gladbach gegen Frankfurt, da war doch was, oder? Richtig, das Hinspiel war ein Fest für Fußballpsychologen. Es dürfte jedenfalls nicht oft vorgekommen sein, dass eine Mannschaft nach 47 Minuten 6:0 führt – und am Ende zumindest als gefühlter Verlierer vom Platz geht. 6:4 nach 6:0 lautete das Ergebnis aus Frankfurter Sicht. Das Unbehagen war damals auch deswegen so groß, weil man ahnte, dass diese Gegentorflut bei der Eintracht keine Laune eines Spiels, sondern systematisch begründet ist. Diese These sollte sich bestätigen.
Unter anderem deswegen ist nun Albert Riera Trainer in Frankfurt, in seinem ersten Spiel bekam er nur ein Gegentor (1:1 bei Union), diesmal war es gar keins. Man halte inne, schreibe mit und staune besonders in Hessen: Frankfurt kassiert kein Gegentor! Das gelang in diesem Jahr nach 21 Gegentreffern in acht Spielen noch nie. Vorn war der schon vergangene Woche gegen Union erfolgreiche Nathaniel Brown der Torschütze, der DFB-Linksverteidiger spielt sich so langsam in WM-Form. Kurz danach wurde Ayoube Amaimouni-Echghouyabs (Spitzname: Jupp) Schuss ins Gladbacher Tor abgefälscht.
Zu beobachten war übrigens ein klarer Trainerwechseleffekt: Gladbach war die eindeutig aktivere Mannschaft, Frankfurt kam zu Hause zunächst auf nur 40 Prozent Ballbesitz – führte aber trotzdem, und erhöhte durch Ansgar Knauff auch noch auf 3:0. Die Borussia hat sich damit in zwei Spielen gegen Frankfurt neun Gegentore gefangen, bewegt sich langsam wieder Richtung Abstiegsplätze, und diesmal gab es auch über den gefühlten Sieger keine Diskussion.
Wer ist der Coach, der die Eintracht wiederbeleben soll? Der Spanier Albert Riera sammelte seine Erfahrung in der Türkei, in Slowenien und Frankreich – und löste bei seinen Klubs oft Tumulte aus.
Rückkehrer des Tages
Gut, streng genommen ist Ermedin Demirovic schon länger wieder zurück. Aber als er vergangenes Jahr von Oktober bis Dezember dem VfB verletzt fehlte, da wurden die Ängste des Stuttgarter Trainers Sebastian Hoeneß Wirklichkeit. Denn ohne den im Sommer verkauften Nick Woltemade hatte Hoeneß plötzlich keinen sogenannten echten Stürmer mehr im Kader. Auch wenn Deniz Undav dieser Darstellung womöglich wortreich widersprechen und sich ebenfalls als Angreifer mit allen Qualitäten bezeichnen würde. Undav lieferte, aber im Winter holte der VfB dann trotzdem noch den Stürmer Jeremy Arevalo aus Santander. Doch bislang werden dessen Dienste noch nicht benötigt, denn Demirovic ist wieder voll da. Er traf schon vor zwei Wochen gegen Freiburg zum Sieg, diesmal erzielte er zwei Tore beim 3:1 gegen Köln. Der VfB bleibt mit sehr gutem Punkteschnitt an den Champions-League-Plätzen dran.
Ist Leverkusen gegen St. Pauli die vorhersehbarste Partie des deutschen Fußballs?
Jedenfalls kam schon das DFB-Pokal-Duell Anfang Februar beim 3:0-Sieg der Leverkusener ohne größere Spannungsmomente aus, auch die Wiederholung im Rahmen der Bundesliga war eine eindeutige Geschichte. Ein Eigentor von St. Paulis Torhüter Nikola Vasilj (von der Latte gegen den Po, von da ins Tor) und ein Kopfball von Patrik Schick entschieden das Spiel praktisch schon nach 14 Minuten, Edmond Tapsoba und Ernest Poku erzielten das 3:0 und 4:0 in Halbzeit zwei.
St. Paulis Mini-Aufschwung nach dem Heimsieg gegen den VfB Stuttgart ist damit schon wieder vorbei. Bayer-Trainer Kasper Hjulmand hat dagegen mit nun fünf Siegen aus sechs Spielen seine Mini-Krise mit zuvor drei Niederlagen nacheinander rechtzeitig vor den Champions-League-Playoffs gegen Olympiakos Piräus überwunden. Einziges schlechtes Omen: Die bisher letzte Niederlage gab es gegen – richtig – Olympiakos.
Haben die Bayern Hoffenheim gebrochen?
Nein. Trotz des 1:5 in der vergangenen Woche in München bleibt die TSG das nach Dortmund beste Rückrundenteam. Zwar stand Andrej Kramaric bei seinem Traumtor direkt zu Beginn des Spiels im Abseits, seine Mannschaft war aber schon in Halbzeit eins das dominierende Team. Nach Wiederanpfiff verwandelten Fisnik Asllani mit dem Rücken und Ozan Kabak einen Kopfball zum 2:0. Vor allem das zweite Gegentor dürfte Freiburgs Trainer Julian Schuster geärgert haben – wenn der Gegner nach einer Ecke am kurzen Pfosten an den Ball kommt, ist das eigentlich immer die Schuld der Verteidiger.
Zudem sind in dieser Woche auch die Chancen gestiegen, dass die TSG erstmals den WM-Torhüter stellt. Bundestrainer Julian Nagelsmann hat sich im Rahmen der Nations-League-Auslosung zur Situation im DFB-Tor geäußert, und Oliver Baumann war, wenn man so will, der Gewinner dieses Statements. Gegen Freiburg bot Baumann keinen Grund, ihm nicht zu vertrauen.
Bei der Nations-League-Auslosung gewährt Julian Nagelsmann einen Blick in seine WM-Planungen. Auf einigen Positionen hält er den Kader offen – im Tor legt er sich aber nahezu fest.
Der Volkspark wird zur Festung
19 seiner nun 25 Punkte hat der HSV zu Hause geholt, zuletzt gar einen besonders glänzenden gegen den FC Bayern. Das Volksparkstadion im Westen der Stadt wird immer mehr zum Faktor dieser ersten Bundesligasaison nach der jahrelangen Zweitliga-Katharsis.
Trotz der Union-Führung nach Strafstoß (Leopold Querfeld, siehe ganz oben) drehten Ransford-Yeboah Königsdörffer und Capaldo das Spiel, Derrick Köhn traf per Freistoß für Union nur die Latte. Kurz darauf entschied Königsdörffer das Spiel trotz des Anschlusstreffers von Ilic für den HSV. Polzin, ehemals übrigens Co-Trainer beim HSV unter dem jetzigen Union-Trainer Steffen Baumgart, ist damit seit fünf Spielen ungeschlagen.
In einem überzeugenden Spiel schlägt Dortmund Mainz 05 mit 4:0 und bleibt weiter am FC Bayern dran.
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