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13.01.2026
13:37 Uhr
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Norwegen hat EU-weit die mit Abstand größte Anzahl E-Autos auf ihren Straßen. Den Anfang zu dieser E-Wende schufen die Band a-ha und ein umgebauter Fiat Panda.

Was hierzulande noch für große Diskussionen sorgt, ist in Norwegen bereits vollzogen: 2025 wurden dort kaum noch Fahrzeuge mit reinem Verbrennermotor verkauft. Stattdessen lag der Anteil der Fahrzeuge mit Elektromotor bei den in dem Jahr neu zugelassenen über 90 Prozent.
Doch wie war das möglich? Das liegt auch daran, dass in Norwegen praktisch keine eigene Autoindustrie existiert, der Strom schon lange günstig über Erneuerbare Energie bezogen wird und daher die Diskussionen um den Antrieb viel unideologischer stattfanden. Dennoch brauchte es einen kleinen Schubs.
Die Keimzelle der E-Wende wurde von Teilen der norwegischen Pop-Band a-ha ("Take On Me" "The Sun Always Shines on T.V.") um Sänger Morten Harket und Keyboarder Magne Furuholmen, dem Umweltaktivisten Frederic Hauge sowie dem Architekten Harald Nils Røstvik gelegt. Dazu brauchten sie 1989 einen zum E-Mobil umgebauten Fiat Panda, Hartnäckigkeit und etwas zivilen Ungehorsam.
Røstvik hatte wenige Jahre zuvor Harket kennengelernt. Beide einte der Wunsch, etwas für die Natur und eine bessere Atemluft zu tun. Der Architekt fuhr regelmäßig zur “Tour de Sol“, einem Rennen für Solarfahrzeuge, welches seit 1985 in der Schweiz ausgetragen wurde und Tüftler aus der ganzen Welt zusammenbrachte, um mit solarelektrischen Fahrzeugen ein Rennen auszutragen.
Bereits in den 1980ern war seine Idee, Elektromobilität in Norwegen zu etablieren, was aber sowohl seitens der Behörden als auch von den etablierten Umweltverbänden nicht mitgetragen wurde. Zum einen steckte die Entwicklung von E-Autos noch in den Kinderschuhen, zum anderen interessierten sich die Verbände mehr für den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs.
Mit der Band a-ha und der Umweltorganisation Bellona fand er aber Mitstreiter. Er fuhr 1989 zusammen mit den Bandmitgliedern sowie Frederic Hauge von der Umweltorganisation Bellona in die Schweiz zur Tour de Sol.
Dabei weckte ein privat umgebautes Elektrofahrzeug ihr Interesse: ein Fiat Panda, dessen Rücksitzbank 14 Bleibatterien weichen musste. Zwar bot der kleine Wagen nur zwei Leuten Platz und musste bereits nach 45 Kilometern für mehr als einen Tag an die Steckdose. Als echtes E-Auto war er aber ideal für Pionierarbeit in Norwegen. Sie kauften den weißen Panda und versuchten, ihn in das skandinavische Land zu importieren.
Dabei stand zunächst die Bürokratie im Weg: Für E-Autos war noch keine Möglichkeit vorhanden, ein Fahrzeug einzuführen und anzumelden. Es hatte vorher schlicht noch niemand versucht. Also registrierten sie es als Wohnmobil, da der Panda – wie die Reisefahrzeuge – über eine Propangasheizung verfügte. Danach war das Fahrzeug vor Ort.
Nun begannen sie mit der Lobbyarbeit für E-Mobilität. Sie ärgerten sich über die hohen Gebühren und fuhren, ohne zu bezahlen, durch Osloer Mautstraßen, stellten das Auto bewusst an gebührenpflichtigen Parkplätzen ab und weigerten sich vehement, die auflaufenden Strafen zu begleichen.
Sie argumentierten, dass das Auto keine umweltschädlichen Abgase abgibt und somit mautfrei sein müsste. Sie hatten neben der kostenfreien Nutzung von Mautstraßen und kostenlosen Parkplätzen noch weitere Forderungen: keine Einfuhrsteuer oder Mehrwertsteuer, öffentliche Ladestationen sowie die Erlaubnis, Busspuren zu nutzen.
Das Nichtbezahlen der Strafen führte dazu, dass das Auto beschlagnahmt wurde, um durch den Verkauf die Gebühren wieder reinzuholen. Da sich niemand bei der Auktion für einen solchen Exoten interessierte, konnte der Fiat auf der Auktion für kleines Geld gekauft werden. Es hatte sich sogar gelohnt: Statt 300 norwegische Kronen (heutzutage etwa 57 Euro) Strafe zu berappen, ließ sich das Fahrzeug für 200 norwegische Kronen (etwa 34 Euro inflationsbereinigt) zurückkaufen.
Unterstützer der Idee kauften den Panda und gaben ihn den Aktivisten zurück. Das Katz-und-Maus-Spiel trieben sie laut Røstvik insgesamt 14-mal, bis die norwegische Regierung ein Einsehen hatte. 1996 trat ein Gesetz in Kraft, das Elektrofahrzeugen in Norwegen die kostenfreie Nutzung von Mautstraßen und dem Fährnetz erlaubte.
Außerdem ist noch einiges anders in Norwegen. Zwar existierten in der Pionierzeit des Automobils einige Hersteller (wie Norsk, Fossum oder Troll), die sich allesamt allerdings nur kurz halten konnten und nach wenigen Jahren vom Markt verschwanden. Heute existiert einzig mit dem Elektro-Kleinstwagen Buddy ein Fahrzeug eines norwegischen Herstellers.
Zudem ist Norwegen zwar ein großer Ölförderstaat, aber das meiste Öl wird exportiert. Durch hohe Einfuhrsteuern hat der Staat die Möglichkeit, die Kaufentscheidung zu beeinflussen. Hinzukommt, dass der durch Wasserkraft erzeugte Strom günstig und umweltfreundlich ist. Somit sind die Voraussetzungen anders als zum Beispiel in Deutschland.
Fiat brachte 1990 den Panda Elletra auf den Markt: 9,2 kW Leistung, 70 km/h Höchstgeschwindigkeit bei einer Reichweite von 100 Kilometern und einem Gewicht von 1150 kg. Möglich machten das 12 6-Volt-Bleibatterien.
War dem Panda Elletra aufgrund des Preises und der eher bescheidenen Fahrleistungen kein Erfolg beschieden, entwickelte sich in Norwegen mit der Zeit trotzdem die E-Auto-Debatte nach dem Motto: “The Sun always shine on E“.
(mawi)