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20.02.2026
09:32 Uhr
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BBM Motorcycles liefert einen sehr interessanten Beitrag zum Thema Elektromotorrad. BBM setzt weniger auf große Reichweite als vielmehr auf kurze Ladezeiten.

Elektromotorräder haben sich in Europa bislang noch nicht richtig durchsetzen können, während sie in China und Indien bereits sehr positiv aufgenommen werden. Einen neuen und attraktiven Ansatz liefert die Firma BBM Motorcycles aus Spanien. Dahinter stecken die beiden französischen Brüder Guillaume und Benoit Barras, die bereits Erfahrung im Motorradbau mitbringen, denn sie haben seit 2012 unter dem Label Angry Lane Customs aufsehenerregende Umbauten und Motorrad-Klamotten entworfen. Als Standort wählten sie damals kurioserweise Hongkong.
Alberto Cervetti
Vor geraumer Zeit begannen sie sich für das Thema Elektromotorräder zu interessieren, fanden jedoch nichts auf dem Markt, was ihnen für einen Umbau gefallen hätte: zu schwer, zu wenig Reichweite, zu viel Plastik, zu lange Ladezeiten und keine Seele. Das war die Initialzündung für die Hiro. Die beiden Brüder zogen in die Nähe von Bilbao im spanischen Baskenland, wo sich das Automotive Intelligence Center befindet, ein Cluster von Firmen, die im Automotive-Bereich entwickeln.
BBM
Die Barras-Brüder wollten verschiedene klassische Stilelemente mit modernem Elektroantrieb verbinden. Auf einer Plattform möchten sie zukünftig vier Modelle anbieten: die Hiro Streetfighter, die Hiro Roadster, die Hiro Café Racer und die Hiro Scrambler. Sie basieren alle auf demselben Stahl-Gitterrohrrahmen, der ein wenig an die erste Ducati Monster erinnert. BBM arbeitet für die Motorentwicklung mit dem erfahrenen belgischen Elektromotorrad-Spezialisten Saroléa zusammen. Als Antrieb dient ein 70 kW starker, flüssiggekühlter Elektromotor mit 150 Nm Drehmoment und einer Dauerleistung nicht über 35 kW, damit sie mit Führerschein A2 gefahren werden darf. Die Hiro soll angeblich 190 km/h Höchstgeschwindigkeit erreichen und von null auf 100 km/h in 3,5 Sekunden beschleunigen.
Auffallend ist der große Batterieblock mit Rippen, der 12,96 kWh speichert. Er soll laut Hersteller im City-Modus, der nur 34 kW freigibt, bis zu 225 km Reichweite ermöglichen. Im Mix-City-Modus mit 51 kW sollen es 180 km sein, im Explorer-Modus mit 29 kW 170 km und im Sport-Modus mit voller Leistungsfreigabe noch 125 km. Die BBM Hiro arbeitet mit 360 Volt Betriebsspannung und setzt auf schnelles Laden statt auf riesige Reichweiten. Angeblich soll die Lithium-Ionen-Batterie an einem Schnellladeanschluss in nur 15 Minuten auf 80 Prozent kommen. Sollte es sich dabei um die Angabe 10 bis 80 Prozent handeln, müsste in diesem Fenster im Schnitt mit rund 40 kW geladen werden. Das integrierte AC-Ladegerät bietet bis zu 6,6 kW. Wer an einer 230-Volt-Steckdose lädt, muss zwei Stunden und 40 Minuten warten, um 80 Prozent zu erreichen.
Das Gewicht der Streetfighter beziffert BBM auf 200 kg, was relativ leicht für ein Elektromotorrad wäre. Der Schwerpunkt soll sich durch die Positionierung der Batterie tief unten befinden. Offensichtlich wollen die Brüder Barras der Hiro eine gute Handlichkeit mitgeben, darauf deutet auch der Lenkkopfwinkel von 66 Grad hin. Der Elektromotor ist auf dem Schwingendrehpunkt positioniert und der Endantrieb erfolgt per Kette. So bleibt der Kettendurchhang stets gleich, egal, wie weit das Motorrad einfedert. Von welchem Zulieferer die Federelemente stammen, ist nicht kommuniziert, das hintere Feder-Dämpfer-Bein ist direkt an der Aluminium-Schwinge angelenkt. Die Sitzhöhe beziffert BBM mit 790 mm, wobei sie durch die unterschiedlichen Sitzbänke bei den verschiedenen Ausführungen differieren dürfte.