Heise 08.07.2026
12:39 Uhr

Sparpläne in der Autoindustrie: VDA für tiefgreifende Reformen


Sparprogramme, Proteste und drohende Werksschließungen: Die Debatte um die Zukunft der Autoindustrie spitzt sich weiter zu. Der VDA sieht weiteren Reformbedarf.

Sparpläne in der Autoindustrie: VDA für tiefgreifende Reformen

Inmitten der Debatte über Sparpläne in der Autoindustrie sieht der Verband der Automobilindustrie weiteren Reformbedarf, unter anderem bei Kosten und Personal. „Die Unternehmen der Automobilindustrie werden mit Blick auf die andauernden und akuten Standortprobleme weitere Reformen und Anpassungen vornehmen müssen“, teilte VDA-Präsidentin Hildegard Müller mit. „Sie stehen vor der Aufgabe, ihre Wettbewerbsfähigkeit und ihr Geschäftsmodell konsequent zu sichern und neu zu gestalten. Dazu gehören Kostendisziplin, leider auch notwendige Personalanpassungen und tiefgreifende Reformen der Geschäftsmodelle.“

Die Entscheidungen seien schwierig und müssten im Dialog mit allen Beteiligten ausgestaltet werden, meinte die VDA-Präsidentin. „Diesen Handlungsbedarf ganz oder in Teilen zu leugnen und die eindeutige Faktengrundlage nicht anzuerkennen, ist keine Option. Es ist kurzsichtig und wegen seiner Konsequenzen unsozial.“ Mit Blick auf Jobs in der Branche sagte Müller, die Realität habe die politischen Ziele und Ansätze überholt und gefährde zunehmend auch Arbeitsplätze. „Die Werke bei Herstellern und Zulieferern werden wir so nicht halten können“, argumentiert Müller. „Wir müssen die Standorte hier auch für ausländische Hersteller öffnen. Mit jedem Werk, das wir hier halten können, halten wir Arbeitsplätze.“

Wachsende Konflikte um Arbeitszeit und Sparprogramme in der Branche wirken sich zunehmend auf die Beschäftigten aus. Bei Volkswagen beispielsweise formiert sich Widerstand: Die IG Metall hat für den 9. Juli zum bundesweiten Aktionstag an allen Konzernstandorten aufgerufen. Am selben Tag findet die VW-Aufsichtsratssitzung statt, auf der über mögliche Einschnitte beraten wird.

Laut Manager Magazin will Volkswagen seinen Sparkurs deutlich verschärfen: Bis zu 100.000 Stellen könnten weltweit wegfallen, doppelt so viele wie bisher geplant. Vier Werken des Volkswagen-Konzerns in Deutschland droht demnach sogar die Schließung: Hannover, Emden, Zwickau und Neckarsulm. Dort könnte die Fahrzeugproduktion bis Ende 2034 auslaufen, berichtet der Spiegel. Am 3. Juli hatten bereits bundesweit Zehntausende Beschäftigte des Autobauers Mercedes-Benz gegen eine geplante Verschärfung des Sparkurses des Unternehmens protestiert.

(mfz)