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26.05.2026
16:00 Uhr
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Das Angebot an Smart Glasses wächst. Wir haben die Rokid Glasses getestet und zeigen, was Modelle von Meta & Co. können – und wo es Verbesserungsbedarf gibt.

Zu seinem sechsten Geburtstag bekam Silas einen Gameboy geschenkt, was bei ihm eine Leidenschaft für die Tech- und Gaming-Welt entfachte. Mit zwei linken Händen gesegnet, überließ er das Tüfteln anderen mit deutlich mehr handwerklichem Geschick und entschied sich stattdessen, den Weg der schreibenden Zunft einzuschlagen. Nach Zwischenstopps an der Hochschule Mannheim und der Hochschule Pforzheim studierte er 2014 Crossmedia-Redaktion an der Hochschule der Medien in Stuttgart und schloss dort 2018 seinen Bachelor ab. Für seinen Master studierte er 2019 an der Hochschule Offenburg Medien und Kommunikation mit Schwerpunkt Marketing und schrieb nebenher als Freelancer. Seit 2025 arbeitet er für Heise Medien als Redakteur bei Heise Bestenlisten.
Das Angebot an Smart Glasses wächst. Wir haben die Rokid Glasses getestet und zeigen, was Modelle von Meta & Co. können – und wo es Verbesserungsbedarf gibt.
Egal, ob Meta in Kooperation mit Ray-Ban, Rokid oder Even – der Markt der Smart Glasses wächst. Zuletzt sprang auch Google auf den Zug der smarten Brillen auf. Die mit Kameras, Displays und KI ausgestatteten Glasses sollen dabei den Alltag bereichern. Mit ihnen startet man Anrufe, übersetzt Texte, richtet sich Termine ein oder zieht die integrierte KI zurate – das Ganze meist per Stimmaktivierung oder Gestensteuerung auf dem Touchpad.
Die Technologie steckt dabei noch in den Kinderschuhen, und während manche Funktionen wie die Übersetzung gesprochener Sprache in Echtzeit faszinieren, läuft bisher nicht alles rund bei den smarten Gestellen. Für wen Smart Glasses das Richtige sind, was man mit ihnen alles anstellen kann und wie es um die Legalität der Brillen bestellt ist, erklären wir in diesem Ratgeber.
Smart Glasses dienen im Prinzip als Erweiterung des Smartphones. Modelle wie die Rokid Glasses (Testbericht) sind mit Kameras, Lautsprechern und Mikrofonen ausgestattet und projizieren Informationen auf die Brillengläser, ohne dabei das Sichtfeld komplett einzuschränken. Dadurch lässt sich etwa die Navigation via Google Maps auf der Brille einsehen – das Smartphone bleibt währenddessen in der Tasche. Häufig wird für die Projektion die sogenannte Waveguide-Technologie verwendet. Eine ausführliche Erklärung dazu liefern die Kollegen von heise online.
Unterschiede zwischen den smarten Gestellen gibt es dennoch: Die Meta Ray-Ban Wayfarer verzichtet auf ein Display, kommt aber mit Kamera, Mikrofon und KI-Unterstützung. Die Even G2 verzichtet dagegen aus Privatsphäre-Gründen auf die Kamera, ist aber mit Display, Mikrofon und Lautsprechern ausgestattet.
In Kombination mit einer KI können die Brillen Menschen mit Höreinschränkungen den Alltag erleichtern: Je nach Modell erstellen sie in Echtzeit Untertitel zum Gesprochenen und blenden diese auf dem Display ein. Die Rokid Glasses gehen noch einen Schritt weiter und übersetzen ganze Sprachen live – die Übersetzung erscheint direkt im Sichtfeld. Im Ausland kann das eine große Hilfe sein.
Praktischer Nebeneffekt: Man muss dem Gegenüber nicht mehr das Smartphone zum Hineinsprechen vor die Nase halten. Die Mikrofone im Brillengestell nehmen das Gespräch diskret auf.
Dank Verbindungstechnologien wie Bluetooth und WLAN kann man über die Brillen Anrufe entgegennehmen oder Musik vom Smartphone abspielen. Ein wichtiger Dreh- und Angelpunkt ist hier die App-Anbindung. Die App dient nicht nur als Schnittstelle zwischen Smartphone und Brille, sondern bietet Einstellungsmöglichkeiten und potenzielle Firmware-Updates für das Gerät. Zudem finden sich hier auch sämtliche Foto-, Video- und Tonaufnahmen, die man mit den Smart Glasses eingefangen hat.
Idealerweise sollen Smart Glasses durch das Zusammenspiel von KI und der direkten Verbindung zum Smartphone mehr Komfort bieten. Anstatt das Handy aus der Hosentasche zu ziehen, um sich etwas zu notieren, ein Foto zu machen oder einen Anruf zu starten, sagt man die magischen Worte und die KI hört zu und führt aus. Das Foto schießt die im Gestell verbaute Kamera, die Notiz diktiert man in die Mikrofone der Brille und den Gesprächspartner hört man über die Lautsprecher direkt auf Ohrhöhe.
Das Konzept wirkt stimmig, ist momentan aber noch nicht 100 Prozent ausgereift. Im Falle der Rokid Glasses fallen etwa die schwache Kameraqualität sowie die Verzögerungen der KI bei der Bearbeitung von Anfragen auf. Haben die Brillen keinen Internetzugang, sind bestimmte Funktionen nur noch eingeschränkt nutzbar, etwa die Anzahl verfügbarer Sprachen zur Übersetzung.
Generell steckt die Technologie der kommerziellen Smart Glasses noch in den Kinderschuhen. Die Brillen werden zwar immer ausgereifter, ein wirkliches Must-have stellen sie unserer Meinung bislang aber nicht dar. Wie bereits angerissen, profitieren vor allem Menschen mit Höreinschränkungen von Smart Glasses mit Display und KI, da diese teilweise in der Lage sind, gesprochene Inhalte zu transkribieren und den Text auf die Brillengläser zu projizieren.
Für alle anderen bieten sie aufgrund der KI-Integration in gewisser Hinsicht Komfort, da man über die Sprachsteuerung und dank integrierter Kamera und Mikrofone diverse Smartphone-Funktionen auf die Brille auslagern kann. Die Möglichkeit, Anrufe direkt über das Gestell annehmen zu können und Memos sowie Kalendererinnerungen über das Display angezeigt zu bekommen, ist praktisch. Da bei vielen der heutigen Smart Glasses die Technologie bislang nicht so weit ist, dass am Ende dabei ein rundes, frustfreies Produkt herauskommt, dürften vor allem technikbegeisterte Early Adopter hier die Zielgruppe sein.
Wer gerne sein Leben mit anderen über Social Media teilt, freut sich indes über die beinahe augenblickliche Foto- und Videofunktion der Brillen. Per Knopfdruck oder Sprachbefehl startet die Aufnahme und man läuft nicht Gefahr, den flüchtigen Moment zu verpassen, weil man erst sein Smartphone aus dem Nebenzimmer oder der Hosentasche kramen muss. Allerdings kommen die Brillen bezüglich Aufnahmequalität nicht an ein Smartphone heran, weswegen man für Urlaubsbilder doch besser das Handy oder eine vollwertige Kamera verwendet.
XR steht für Extended Reality und beschreibt den Versuch, die reale Welt durch digitale Inhalte anzureichern und so zu erweitern. Unter diesen Oberbegriff fallen die Technologien Mixed Reality, Augmented Reality und Virtual Reality, die die Erweiterung der Realität auf unterschiedliche Arten erreichen.
XR-Glasses sind also das Werkzeug der Realitätserweiterung. Streng genommen passen nicht alle Smart Glasses in diese Kategorie, da nicht alle von ihnen mit Displays ausgestattet sind, um virtuelle Inhalte auf die reale Welt zu legen. Dennoch verwenden Hersteller häufig gerne den Begriff XR-Glasses, um die eigenen Produkte zu bewerben.
Unter die Kategorie der XR-Glasses fallen auch Brillen, die vorrangig als alternatives Display fungieren. Diese Brillen werden per Kabel mit dem PC, Tablet, Notebook, Gaming-Handheld oder Smartphone verbunden und bilden dann über Bildschirme in der Brille die Inhalte ab. Ein Beispiel dafür ist die Meizu Starv View (Testbericht).
Bei Augmented Reality werden virtuelle Inhalte auf die reale Welt gelegt. Im Museum kann das etwa ein Informationstext sein, der beim Erfassen mit der Smartphone-Kamera auf dem Smartphone-Display neben dem Ausstellungsstück erscheint. Spiele wie Pokémon Go bedienen sich ebenfalls Augmented Reality, um die Monster im Stadtpark oder auf der heimischen Couch erscheinen zu lassen.
Einen Schritt weiter geht die Mixed Reality. Sie erweitert das Ganze um eine interaktive Ebene, mit virtuellen Inhalten kann man jetzt auch interagieren. Virtuelle Bauklötze, die ins Wohnzimmer projiziert werden, können beispielsweise jetzt mit der Hand bewegt und neu angeordnet werden. Eine digitale Vase, die auf der realen Fensterbank erscheint, fällt durch Anstupsen mit der Hand zu Boden und zerbricht.
Das wohl bekannteste Mixed-Reality-Headset dürfte die Microsoft Hololens sein. Die Technologie ist allerdings bislang nicht so weit verbreitet wie Augmented oder Virtual Reality und aktuell nicht massentauglich.
VR-Headsets wie das HTC Vive Pro 2 oder Meta Quest 3 sollen vollständige Immersion erzeugen. Anders als Smart Glasses blenden sie die reale Welt weitestgehend aus, um den Träger in die virtuelle Welt eintauchen zu lassen. Der Nutzer soll sich fühlen, als wäre er Teil des Spiels. Um das zu erreichen, sind VR-Headsets technisch deutlich stärker aufgestellt. Sensoren, Prozessoren und Kameras müssen hier einiges mehr leisten, um die rechenintensiven Videospiele so akkurat wie möglich auf dem Display des Headsets wiederzugeben und die Position des Kopfs, der Hände und des Körpers präzise einzufangen.
Manche Modelle, etwa die Meta Quest, funktionieren dabei vollkommen eigenständig sowie kabellos und benötigen potenziell keinen PC, um die Spiele zu starten. Andere Modelle werden per Kabel mit dem PC verbunden. Aktuelle Smart Glasses mit Displays arbeiten zudem meist nur mit einer monochromen Darstellung. Im Falle der Rokid Glasses und der Even G2 werden Texte und Grafiken in Grün dargestellt, während die Displays von VR-Headsets natürlich das gesamte Farbspektrum bedienen müssen.
Vollwertige Smart Glasses mit Display, Kamera und KI-Funktion sind nicht günstig. Modelle wie die Rokid Glasses (Testbericht) schlagen mit 569 Euro zu Buche. Etwas preiswerter wird es, wenn man auf das integrierte Display verzichten kann. Die Ray-Ban Meta Wayfarer kommen ohne Bildschirmprojektion, sind dafür mit aktuell 419 Euro aber auch 150 Euro günstiger. Ähnlich aufgestellt ist hier die Oakley Meta HSTN mit derzeit 439 Euro.
Die Razer Anzu bieten zwar weder Kamera noch Display, dafür aber immerhin noch Lautsprecher, Mikrofon, Touchsteuerung und Sprachassistent-Unterstützung zum Preis von etwa 60 Euro.
Zum Veröffentlichungszeitpunkt dieses Ratgebers ist das Tragen von Smart Glasses in Deutschland nicht verboten. Die BfDI (Bundesbeauftragte für den Datenschutz und die Informationsfreiheit) äußert allerdings Bedenken hinsichtlich der Verletzung der Privatsphäre und möglicher Datenschutzverstöße.
Fakt ist, dass Smart Glasses mit einer Kamerafunktion in der Regel mit einer LED ausgestattet sind, die zu leuchten beginnt, wenn eine Aufzeichnung stattfindet. Das soll alle sich im Sichtfeld der Brille befindlichen Personen auf die Videoaufnahme hinweisen. Fehlt diese LED oder wurde sie eigenmächtig manipuliert, um diesen Indikator auszuhebeln, gilt die Kamera als versteckt und ihr Einsatz ist somit streng verboten.
Das Ganze gilt aber nicht zwangsläufig auch für reine Audioaufnahmen. Hier bleiben Mitmenschen im Dunkeln, wenn sie nicht nahe genug am Träger stehen und die Stimmansage über die Lautsprecher der Brille hören. Hinzu kommt, dass es den aufgezeichneten Personen nicht ohne Weiteres möglich ist, über die Weiterverarbeitung der personenbezogenen Daten zu bestimmen. Sie haben keinen Überblick darüber, ob und auf welchen Servern Video-, Foto- und Audiodaten landen und zu welchem Zweck sie weiterverarbeitet werden.
Generell greift auch bei Videoaufnahmen mit Smart Glasses das Recht am eigenen Bild, wirklich strafrechtliche Konsequenzen aufgrund heimlicher Aufnahmen mit den Brillen gibt es bisher aber nicht, wie die Kollegen von heise online berichten. Die derzeitige Gesetzeslage bezieht sich hier vorrangig auf blickgeschützte Orte wie das eigene Zuhause.
Smart Glasses wollen den Alltag bereichern – dank KI, Mikrofon und Kamera. Sie übersetzen Texte und Gespräche in Echtzeit, nehmen Anrufe entgegen, speichern per Sprachbefehl ein Memo oder blenden über ein integriertes Display die nächsten Kalendertermine ein.
Die Einsatzmöglichkeiten sind vielfältig, doch der versprochene Komfort scheitert oft an halbgarer Technik. Die Aufnahmequalität bleibt mittelmäßig, Software und KI arbeiten nicht immer reibungslos zusammen – aus unserer Sicht sind die Brillen daher bisher nicht massentauglich. Echtes Potenzial zeigt die Technologie aber dort, wo sie wirklich helfen kann: etwa bei der Unterstützung hörgeschädigter und höreingeschränkter Menschen.
Hinzu kommen Fragen rund um Datenschutz und Privatsphäre. In Deutschland sind Smart Glasses derzeit zwar erlaubt, dennoch greifen sie in die Privatsphäre Dritter ein und werfen datenschutzrechtliche Probleme auf. Je nachdem, wie sich die Technik weiterentwickelt, ist ein Verbot in Zukunft nicht ausgeschlossen.
Zusammengefasst sind Smart Glasses – auch wegen des Preises – aktuell vor allem etwas für Technikbegeisterte und Early Adopter, die Spaß daran haben, eine junge Technologie auszuprobieren.
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