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19.11.2025
15:08 Uhr
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Qualcomm hat auf einem Presseevent tief unter die Haube des neuen Snapdragon X2 blicken lassen. Zudem waren erste Benchmarks der kleineren Ausbaustufen möglich.

Der Mitte 2024 vorgestellte ARM-Prozessor Snapdragon X öffnete Qualcomm den Zugang zum Markt der Windows-Notebooks. 2026 soll der deutlich stärkere Snapdragon X2 folgen, den Qualcomm im September ankündigte. Nun folgen detaillierte Informationen zu den verbesserten CPU-Kernen (Oryon v3), zum Aufbau des System-on-Chip (SoC) und zur stärkeren Adreno-GPU.
Außerdem durften Fachjournalisten Benchmarks an Prototypen der billigeren Versionen des Snapdragon X2 durchführen.
Der Snapdragon X2 hat wie sein Vorgänger Snapdragon X weiterhin bis zu drei CPU-Cluster, doch in jedem stecken nun sechs statt vormals vier Kerne. Die Kerne selbst entstammen nicht mehr der ersten, sondern gleich der dritten Generation der hauseigenen Oryon-Architektur; die zweite Generation gab es nur im Smartphone-SoC Snapdragon X Elite.
Mit Oryon v3 halten zusätzliche Matrixeinheiten Einzug: Scalable Matrix Extension, SME. Obwohl sie physisch ausgelagert sind und jeder Cluster „nur“ eine Matrixeinheit mitbringt, sind sie logisch nicht als externe Beschleuniger zu sehen. SME-Befehle sind Teil des ARM-Befehlssatzes, und in jedem Thread, der auf einem beliebigen Kern läuft, dürfen solche Befehle anfallen. Lediglich die eigentliche Ausführung findet dann eben woanders statt, wobei die Matrixeinheit ihrerseits multithreaded arbeitet, um alle Kerne des Clusters reihum zu bedienen. Ein weiterer Beleg ist die Tatsache, dass die Matrixeinheit eben mit CPU-Registern hantiert und nicht mit generischen Speicherzugriffen.
Die eigentlichen CPU-Kerne gibt es nun in zwei Ausbaustufen, nämlich als starke Prime- oder effizientere Performance-Variante. Prime sind die besonders starken Kerne, die eine sehr hohe Rechenleistung abliefern, wenn nur ein Kern im Cluster unter Dampf steht: Dann taktet dieser mit bis zu 5,0 GHz. Je mehr Kerne beschäftigt sind, desto geringer der Takt – wenn alle zu tun haben, sind nur noch knapp 4,5 GHz drin. Pro Prime-Cluster gibt es 16 MByte gemeinsamen L2-Cache.
Im Vollausbau hat der Snapdragon X2 satte achtzehn CPU-Kerne in drei Clustern, nämlich in den Elite-Modellen X2E-96-100 und X2E-88-100. Allerdings sind nur zwei der Cluster mit Prime-Kernen bestückt: Der verbliebene hat sogenannte Performance-Kerne. Diese unterstützen den vollen Befehlssatz der großen Brüder, sind aber auf eine höhere Effizienz und einen geringeren Platzbedarf ausgelegt. Diese andere Priorität zieht sich durch alle Bereiche der Architektur: Die Kerne selbst sind weniger breit und tief gebaut, zudem fallen alle Caches kleiner aus. Der gemeinsame L2-Cache pro 6er-Cluster fasst hier beispielsweise nur 12 MByte; jeder Kern kann maximal 3,6 GHz erreichen. Im Gegenzug nimmt jeder davon aber weniger als die Hälfte an Platz eines Prime-Kerns ein.
Wem das irgendwie bekannt vorkommt: AMD verfolgt bei seinen Zen-5-Kernen eine ähnliche Strategie, denn auch dort gibt es kompaktere Varianten (Zen 5c). Auch Mediatek bestückt einige Dimensity-SoCs mit unterschiedlichen Versionen von Kernen gleicher Architektur.
Im Unterschied zu AMD oder auch Intel partitioniert Qualcomm seinen Snapdragon X2 aber anders. Bei Ryzen AI 300 (Strix Point) oder Core Ultra 200H (Arrow Lake) gibt es mehr effiziente als starke Kerne, sodass die effizienteren denn auch bei Last auf allen Kernen einen hohen Anteil an der Multithreading-Leistung haben. Im X2 gibt es hingegen nur einen schwächeren Performance-Cluster, der bei geringer Auslastung die stärkeren Kerne schlafen lässt. Spontane Lastspitzen wie auch anhaltende Rechenlast wuppen hier dann überwiegend die stärksten Kerne.
In konkreten Zahlen: Wir konnten den Cinebench R24 auf einem Prototypensystem mit X2E-96-100 laufen lassen. Das Hilfsprogramm HWinfo bescheinigte jedem der Prime-Cluster dabei gut 18 Watt Leistungsaufnahme, während der Performance-Cluster mit einem Drittel davon auskam. Und ja: Qualcomm hat mit dem Entwickler von HWinfo zusammengearbeitet, sodass dieses Tool nun eben auch bei Snapdragon-Systemen tief unter die Haube gucken kann. Die Unterstützung ist seit Version 8.32 an Bord und funktioniert auch auf Snapdragon-Geräten der ersten Generation – allerdings nicht ganz so granular.