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09.12.2025
16:00 Uhr
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Ein Auto-Display zum Nachrüsten von Carplay und Android Auto – und das sogar mit Netflix und Youtube?

Lukasz beschäftigt sich seit über 15 Jahren als Redakteur mit Smartphones, Apps, Gadgets und Content-Marketing. Seit 2021 arbeitet er für Heise Medien und ist derzeit leitender Redakteur bei Heise Bestenlisten. Der studierte Historiker aus Tübingen begeistert sich sonst für Fitness, Fußball, Fotografie sowie basslastige Musik.
Ein Auto-Display zum Nachrüsten von Carplay und Android Auto – und das sogar mit Netflix und Youtube? Der Ottocast Screenflow hat einiges zu bieten.
Wer ein älteres Auto fährt, muss nicht auf Carplay oder Android Auto verzichten: Mit dem Ottocast Screenflow lassen sich die bekannten Smartphone-Schnittstellen kabellos nachrüsten. Der große Bildschirm wird wie ein Navigationsgerät montiert und verbindet sich anschließend drahtlos mit dem Smartphone.
Ein besonderes Extra: Das Gerät verfügt über ein eigenes System mit zusätzlichen Apps – darunter Netflix und YouTube, die bei Android Auto und Carplay normalerweise gesperrt sind. So lässt sich das Display in Pausen auch zum Streamen nutzen. Wie sich der Carplay-Monitor im Test schlägt und wo seine Schwächen liegen, zeigen wir im Testbericht.
Das Ottocast Screenflow tritt im typischen Look eines Carplay-Displays auf. Der Monitor bietet ein breites Bildformat und mit einer Diagonale von 11,4 Zoll eine großzügige Anzeigefläche. Das Gehäuse besteht aus Kunststoff, ist sauber verarbeitet und zeigt weder scharfe Kanten noch sichtbare Spaltmaße.
Der Bildschirm löst mit 1920 × 720 Pixeln auf und liefert damit eine scharfe Darstellung. Full-HD-Auflösung bietet er zwar nicht, für die Nutzung von Carplay, Android Auto und gelegentliches Video-Streaming im Auto reicht die Bildqualität jedoch aus. Mit 60 FPS bietet die Anzeige eine flüssige Darstellung. Eine automatische Helligkeitsanpassung fehlt. Es gibt zwar einen Tag- und einen Nachtmodus – diesen muss man aber manuell über die Schnelleinstellungen aus drei voreingestellten Helligkeitsstufen (dunkel, mittel oder hell) wählen. Das ist eher unpraktisch, da dies den Fahrer ablenkt.
Auf der Rückseite befinden sich seitlich Anschlüsse für ein AUX-Kabel zur Verbindung mit dem Autoradio sowie ein Videoeingang für eine optional erhältliche Rückfahrkamera. Die Stromversorgung erfolgt über den USB-C-Anschluss per 12‑Volt‑Adapter.
Im Lieferumfang liegt eine Halterung zum festen Aufkleben auf das Armaturenbrett. Sie hält sehr stabil, der große Bildschirm kann in kleineren Fahrzeugen die Sicht beeinträchtigen. Im Test mit einem Opel Adam ragte die Anzeige leicht ins Sichtfeld.
Optional bietet Ottocast für rund 18 Euro (Code: CYBER40) eine Saugnapfhalterung an. Auch Modelle anderer Zubehöranbieter von Amazon passen in der Regel, da die vier Befestigungslöcher auf der Rückseite genormt sind. Damit lässt sich der Monitor flexibler ausrichten und bei Bedarf tiefer positionieren. In unserem Test hielt diese Lösung jedoch vor allem im Sommer nicht zuverlässig im Cockpit.
Die Stromversorgung erfolgt über USB-C. Ein 12-Volt-Adapter liegt bei, der Bildschirm lässt sich aber auch direkt über einen USB-C-Ausgang im Auto oder per Powerbank betreiben. Für Android Auto oder Carplay muss man das Smartphone per Bluetooth koppeln, anschließend baut das Gerät automatisch eine lokale WLAN-Verbindung auf.
Der Screenflow selbst bietet eine eigene Bedienoberfläche auf Basis von Android 13. Nach dem Einschalten startet das System in knapp einer Sekunde und zeigt direkt den Startbildschirm. Das ist beachtlich. Auf dem Startbildschirm erscheinen dann auch die Symbole für Android Auto und Carplay. Die Verbindung steht in der Regel nach etwa 30 Sekunden. Vereinzelt dauert es mehr als eine Minute.
Dank des breiten Bildformats zeigt der Screen standardmäßig bei Carplay und Android Auto eine Navigations-App wie Google Maps zusammen mit einer Musik-App wie Spotify. Auf Wunsch lässt sich diese Carplay- und Android-Auto-Ansicht parallel mit dem Homescreen und weiteren Apps im Splitscreen darstellen.
Wer die zusätzlichen Apps auf dem Homescreen nutzen will, muss zuvor einen WLAN-Hotspot über das Smartphone bereitstellen und das Display damit verbinden. Wer möchte, kann über den Videoeingang auch eine Rückfahrkamera anschließen. Aufgrund des hohen Montageaufwands haben wir das im Test allerdings nicht ausprobiert.
Ab Werk sind Apps wie Netflix, YouTube, Tiktok und Youtube Music vorinstalliert. Zudem steht ein eigener App-Store des Herstellers bereit, der jedoch nicht den vollen Umfang des Google Play Store bietet. Im Test funktionierte das problemlos – Internetverbindung und Handyempfang vorausgesetzt. Nach der Anmeldung mit dem eigenen Konto ließen sich Netflix- und Youtube-Inhalte direkt auf dem Bildschirm abspielen.
Wichtiger Hinweis: Wer während der Fahrt Videos oder Streaming-Dienste nutzt, riskiert nicht nur eine gefährliche Ablenkung, sondern auch ein Bußgeld: Laut § 23 Abs. 1a StVO ist das Bedienen von Geräten mit Display während der Fahrt verboten.
Für die Tonübertragung gibt es drei Möglichkeiten: Per AUX-Kabel, kabellos per Dual-Bluetooth oder FM-Transmitter, wenn das Fahrzeug weder AUX-Eingang noch Bluetooth hat. Der FM-Transmitter im Display sendet das Audiosignal per Funk an das Radio. Dazu wählt man am Ottocast Screenflow eine freie Frequenz und stimmt das Autoradio darauf ab. Die Klangqualität ist etwas schwächer als per Kabel oder Bluetooth und anfälliger für Störungen, wenn nahegelegene Radiosender auf derselben Frequenz senden.
Sowohl bei der Verbindung per AUX-Kabel als auch über den FM-Transmitter funktioniert die Lenkradfernbedienung nicht für die Titelauswahl. Lediglich die Lautstärke kann man damit steuern. Im Display selbst ist zudem ein Lautsprecher integriert, der jedoch nur einen dünnen und wenig überzeugenden Klang bietet.
Der Screenflow unterstützt Dual-Bluetooth. Damit kann das Gerät gleichzeitig eine Verbindung zu Smartphone und Autoradio halten. Im Test mit einem Opel Adam wurde der Screenflow zunächst nicht vom Autoradio erkannt – vom Display aus ließ sich die Verbindung dagegen problemlos herstellen. Wichtig ist dabei, dass das Bluetooth des Opels auf „sichtbar“ gestellt wird, damit die Kopplung funktioniert. Bei dieser Lösung funktioniert dann auch die Lenkradfernsteuerung zur Auswahl des nächsten Titels.
Weder über den FM-Transmitter, Bluetooth noch per AUX-Kabel überzeugt die Klangqualität gänzlich. Podcasts wirken stellenweise blechern und neigen leicht zur Übersteuerung. Ein Equalizer zur individuellen Klanganpassung fehlt. Der interne Speicher beträgt 32 GB. Zusätzlich gibt es einen microSD-Slot, über den sich Audio- und Videodateien direkt abspielen lassen.
Bei Ottocast kostet der Screenflow derzeit 120 Euro. Mit dem Code TS20 sinkt der Preis auf 96 Euro. Mit Saugnapfhalterung liegt der Preis dann bei 104 Euro.
Hinweis: Auch wenn die Ware aus deutschen Lagern versendet wird, hat der Hersteller seinen Sitz in China. Beim Kauf können daher abweichende Bedingungen von den in der EU üblichen Verbraucherschutzrechten gelten – etwa bei Gewährleistung, Widerruf oder Käuferschutz.
Der Hersteller bietet eine 30‑Tage‑Rückgabemöglichkeit an, die jedoch mit zusätzlichen Versandkosten verbunden sein kann. Für Transportversicherung und Garantie fallen teils weitere Gebühren an.
Der Ottocast Screenflow bringt Android Auto und Carplay kabellos in ältere Fahrzeuge. Das große, helle Display startet schnell und lässt sich einfach einrichten. Ein besonderer Pluspunkt ist die Möglichkeit, Netflix und Youtube per App direkt über das System zu nutzen – Funktionen, die andere Nachrüstlösungen meistens nicht bieten.
In kleineren Fahrzeugen kann der Bildschirm jedoch die Sicht auf die Fahrbahn einschränken. Eine alternative Halterung fehlt, und im Test zeigten sich einzelne Schwächen: Android Auto startete im Test mitunter verzögert, die Audioausgabe musste häufig erneut manuell gewählt werden, eine automatische Helligkeitsregelung fehlt bedauerlicherweise.
Wer Android Auto oder Carplay nachrüsten und zugleich Streaming-Funktionen nutzen möchte, findet im Ottocast Screenflow aber eine passende Lösung mit Alleinstellungsmerkmal.