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27.05.2026
15:00 Uhr
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Das „KI-Update“ liefert werktäglich eine Zusammenfassung der wichtigsten KI-Entwicklungen.

Eine Studie des MIT und der University of Southern California zeigt eine durch KI ausgelöste Verschiebung in der US-Justiz. Seit ChatGPT verfügbar ist, hat sich die Zahl der Klagen ohne Anwalt an Bundesgerichten fast verdoppelt. Die Quote stieg von rund einem Zehntel auf knapp 17 Prozent. Jede fünfte Klageschrift enthält inzwischen KI-generierten Text. Der Anstieg konzentriert sich auf Fälle mit formelhaften Dokumenten wie Bürgerrechtsklagen oder Zwangsvollstreckungen.
Besonders auffällig ist Vermont: Dort sprangen die Klagen ohne Anwalt von wenigen Dutzend auf über tausend pro Jahr, fast alle gegen die Einwanderungsbehörde. Online-Anleitungen empfehlen, Entwürfe mit Microsoft Copilot zu erstellen und in Vermont einzureichen, weil das Gericht als schnell gilt. Richter Patrick Schiltz nennt die Entwicklung gegenüber der New York Times eine existenzielle Bedrohung. Andere sehen Chancen für besseren Zugang zur Justiz.
Das französische KI-Unternehmen Mistral nimmt den Rechtssektor ins Visier. Seine Modelle sind künftig auch in Harvey nutzbar, einer auf Anwälte zugeschnittenen Plattform, mit der sich etwa umfangreiche Prozessdokumente durchsuchen lassen. Durch die Partnerschaft erhält Mistral Zugang zu mehr als 1500 Kunden in 60 Ländern. Zunächst startet ein Early Access für europäische Kunden, ein breiterer Rollout folgt.
Der Rechtssektor ist textlastig und zahlungskräftig, entsprechend lukrativ. Auch Anthropic hat kürzlich Plug-ins für Claude veröffentlicht, die auf juristische Aufgaben zugeschnitten sind. Die Schattenseiten zeigen sich in zunehmenden Halluzinationen: Rechtswissenschaftler Damien Charlotin zählt in seiner Datenbank knapp 1500 Verfahren, in denen Personen wegen KI-Fehlern sanktioniert wurden. Auch ein Berliner Kammergericht rügte Anfang Mai Anwälte, weil eine KI ein nicht existierendes BGH-Urteil zitiert hatte. Mistral wirbt als europäischer Anbieter mit Open-Weights-Modellen für Datensouveränität.
Das Internet Archive bewahrt mit seiner Wayback Machine Milliarden alter Webseiten. Doch immer mehr große Nachrichtenseiten, darunter die New York Times, The Guardian, Le Monde und El País, sperren den Archiv-Crawler aus. Sie fürchten, dass KI-Unternehmen ihre Inhalte über den Umweg des Archivs für das Training abgreifen. Bislang schützen sich Medien per robots.txt, einer Art freiwilligen Gentlemen’s Agreement, oder durch Paywalls. Die Wayback Machine galt lange als akzeptierte Ausnahme.
Eine US-Analyse von gut 1000 robots.txt-Dateien zeigt, dass fast 400 Seiten den Archiv-Crawler aussperren. Seit Januar ist die Zahl um 50 Prozent gestiegen, Vorreiter sind US-Lokalzeitungen großer Medienhäuser. Eine Lösung ist nicht in Sicht. Es droht ein Archiv des Internets ohne Internetinhalte.
Während das Internet Archive das offene Netz bewahrt, ist arXiv.org eine akademische Plattform für Vorabveröffentlichungen aus Naturwissenschaften und Informatik. Dort tauchen zunehmend erfundene Referenzen auf. US-Wissenschaftler prüften 2,5 Millionen Paper mit 111 Millionen Referenzen. 146.900 Zitate ließen sich keiner Veröffentlichung zuordnen. Vieles waren KI-Halluzinationen, breit über die Arbeiten verteilt, ein Hinweis darauf, dass Autoren KI-Verweise oft ungeprüft übernehmen.
arXiv hat reagiert, ohne KI gänzlich zu verbieten. Autoren tragen die volle Verantwortung, bei Verstößen droht ein einjähriges Veröffentlichungsverbot. Eine Autorin der Studie spricht von einem starken Anstieg falscher Referenzen seit der breiten Einführung großer Sprachmodelle.
Papst Leo XIV. fordert in seiner ersten Enzyklika strenge internationale Richtlinien für den Umgang mit KI. Das Lehrschreiben „Magnifica Humanitas“ mit dem Untertitel „Über die Bewahrung des Menschen im Zeitalter der KI“ gilt als Regierungserklärung seines Pontifikats. Der Papst nennt KI eine mögliche „wertvolle Hilfe“, warnt aber, kleine, einflussreiche Gruppen könnten Informationen, demokratische Prozesse und die Wirtschaft lenken. Beobachter werten das als Spitze gegen US-Tech-Milliardäre.
Besonders deutlich äußert sich der Papst zu autonomen Waffensystemen: Maschinen dürften nicht über Leben und Tod entscheiden, KI müsse „entwaffnet“ werden. Auch vor Fake News und Ausbeutung in Rechenzentren und Chipfabriken warnt er. Kommentatoren sehen den Versuch, ethische Leitplanken zu setzen, bevor staatliche Regulierung greift.
China weitet die Ausreisebeschränkungen für KI-Fachkräfte aus. Wer an fortgeschrittener KI arbeitet und als strategisch wichtig gilt, muss Auslandsreisen genehmigen lassen. Das berichtet Bloomberg. Betroffen sind Start-up-Gründer sowie Mitarbeiter von Alibaba und DeepSeek. Neu ist, dass nun gezielt die Privatwirtschaft ins Visier gerät.
Auslöser war der Streit um das Start-up Manus: China untersagte dessen Übernahme durch Meta, CEO und Chefforscher durften das Land während der Prüfung nicht verlassen. Peking behandelt KI-Kompetenz zunehmend als strategische Ressource. Die Auflagen sollen Wissensabfluss verhindern, könnten aber genau jene Fachkräfte vertreiben, die das Land dringend braucht.
US-Präsident Trump hat die Unterzeichnung einer Verordnung zur Prüfung neuer KI-Modelle kurzfristig verschoben. Sie hätte Bundesbehörden, darunter NSA, Cyber Office und Finanzministerium, ermöglicht, Modelle vor ihrer Veröffentlichung zu untersuchen. Vergleichbare Vereinbarungen bestehen bereits mit Google, Microsoft und xAI. Hintergrund waren Cybersicherheitsrisiken durch leistungsstarke Modelle wie Anthropics Claude Mythos, das vom Hersteller selbst als zu gefährlich eingestuft wird.
Trump begründete den Rückzieher damit, dass die Regelung die Spitzenposition der USA gefährde und den Vorsprung vor China schmälere. Laut Politico hatte Tech-Investor David Sacks kurz vor der Unterzeichnung auf Trump eingewirkt.
Die Universal Music Group hat eine neue mehrjährige Lizenzvereinbarung mit TikTok geschlossen. Sie baut auf der Einigung von 2024 auf, mit der ein langer Streit über Vergütung und KI-Schutz endete. Im Mittelpunkt stehen nun KI-Schutzrechte für Künstler. Beide Seiten verpflichten sich, nicht autorisierte KI-generierte Songs konsequent zu entfernen, damit die Erträge bei menschlichen Urhebern landen. Auch die technische Zuordnung von Werken zu Künstlern soll besser werden.
Parallel hat Universal eine Vereinbarung mit Spotify getroffen. Der Streaming-Dienst darf generative KI-Musikmodelle einführen, sofern Künstler zustimmen. Abonnenten sollen so eigene Stücke per KI erzeugen können, basierend auf Universal-lizenzierten Werken und Stimmen.
Anthropic meldet, dass sein Modell Claude Mythos die Unit-Distance-Vermutung von Paul Erdős widerlegen konnte, ein Ergebnis, das OpenAI erst vor wenigen Tagen als Meilenstein präsentiert hatte. Das Problem aus der kombinatorischen Geometrie ist seit 1946 offen. Anthropic-Ingenieur Sholto Douglas schreibt auf X, Mythos liefere einen hübschen, einfachen Beweis. Das Team setzte mehrere isolierte Claude-Instanzen parallel ein.
Mathematiker Daniel Litt bezeichnet das Ergebnis als etwas weniger gelungen als bei OpenAI. Google Deepmind meldete kürzlich, dass sein System AlphaProof Nexus neun weitere Erdős-Probleme gelöst habe.
Y-Combinator-Gründer Paul Graham liest keine E-Mails, die mit KI geschrieben wurden. Y Combinator ist einer der bekanntesten Startup-Investoren der Welt und war früh an OpenAI beteiligt. Graham berichtet, immer mehr Gründer schrieben ihn in einem unnatürlichen, journalistischen Stil an. Solche Mails lese er nicht zu Ende; es fühle sich an, als werde man belogen.
Grahams Haltung deckt sich mit der Forschung. Eine Untersuchung der Ohio State University zeigt, dass Empfänger KI-Nachrichten als unaufrichtig werten. Eine Befragung von über 1000 US-Beschäftigten lieferte ähnliche Ergebnisse: Etwa die Hälfte hält Absender solcher Inhalte für weniger fähig und zuverlässig.
Gespräche mit Spielfiguren verliefen bisher meist über vorgefertigte Dialogbäume, sind starr und vorhersehbar. Im Spiel „Fabula Rasa“ reagieren Nicht-Spieler-Charaktere dank KI dynamisch. Der Spieler erwacht in einem Kerker und muss auf einem mittelalterlichen Marktplatz Figuren für sich gewinnen, damit sie beim König ein gutes Wort einlegen. Erzählt man, man sei als Journalist wegen Gerüchten über den König verurteilt worden, fragt eine Bardin nach Behauptungen und Zeugen, bevor sie ein Lied daraus improvisiert.
Technisch kombiniert das Spiel mehrere Modelle: Claude steuert die Dialoge, ElevenLabs die Sprachsynthese, ChatGPT fungiert als „KI-Regisseur“.
(mali)