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25.02.2026
09:36 Uhr
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Mozilla hat KI in Firefox integriert – unter Protest. Nun kommt der Kontroll-Knopf. Wir haben mit dem Firefox-Leiter gesprochen.

Mozilla hat kürzlich einige Personalwechsel in der Führungsebene bekannt gegeben. Ajit Varma ist neu in seiner Rolle als Leiter von Firefox. Wir haben mit ihm über die Zukunft von Browsern im Zeitalter von KI, die Bedeutung von Vertrauen und die Positionierung von Firefox gesprochen.
Was unseren Ansatz wirklich von vielen anderen Browsern unterscheidet, ist, dass wir keine eigenen LLMs entwickeln, die wir dann bewerben müssen. Wir arbeiten mit einigen LLM-Providern, die wir integrieren, ohne aber bestimmte LLMs zu priorisieren. Wenn man sich einige der neueren Browser ansieht, die auf den Markt gekommen sind, oder sogar bestehende Browser, gibt es einen großen Druck zur tiefen Integration der eigenen KI. Edge sieht aus wie eine CoPilot-App. Gemini wird tief in Chrome integriert. Und alle diese Browser erlauben Ihnen nur die Verwendung der einen KI, die ihr Unternehmen entwickelt hat. Bei Firefox hingegen legen wir großen Wert auf Auswahlmöglichkeiten. So wie Sie jede Suchmaschine auswählen können, können Sie auch zwischen mehreren KIs auswählen. Wir geben den Nutzern die Wahl.
Wenn Sie jedoch ein erfahrener Nutzer sind und Ihre eigene KI einbinden oder entwickeln möchten, können Sie diese sogar auch für bestimmte Funktionen in den Browser integrieren. Das ist ein großer Unterschied zwischen uns und anderen Browsern.
Wir möchten den Nutzern klarmachen, dass sie bei Funktionen, die auf KI basieren, selbst entscheiden können, was sie nutzen möchten. Ein Nutzer könnte beispielsweise sagen, dass Übersetzungen für ihn wertvoll sind, er aber keine Zusammenfassungen möchte.
Oder sie können unsere kürzlich eingeführte Funktion „KI-Kontrolle” nutzen. Das ist ein einziger Schalter, mit dem ein Nutzer die gesamten KI-Funktionen ausschalten kann. Wir hören von vielen unserer Nutzenden, dass sie Sorge davor haben, dass wir ihnen die Nutzung von KI aufzwingen werden, aber das ist nicht der Fall. Die Nutzung von KI ist freiwillig, und wir versuchen, so transparent wie möglich zu sein. Nutzende werden vor die Wahl gestellt: Möchten Sie dies nutzen? Und dann versuchen wir auch weiterhin Datenschutzmethoden weiterzuentwickeln. Für Features wie Übersetzungen nutzen wir beispielsweise lokale Modelle und geben nichts an die Cloud weiter.
Wenn alle einen bestimmten Browser verwenden und der Browserhersteller eine KI hat, die er durchsetzen möchte, und diese Browser-KI entscheidet, dass die Welt so aussehen sollte, wie sie es für richtig hält, ist das wirklich schädlich für Menschen, die ihr eigenes Leben leben möchten. Indem man die Möglichkeit bietet, jede beliebige KI oder gar keine KI zu verwenden, können Menschen hoffentlich die für sie richtige Wahl treffen.
Der Schlüssel liegt darin, die Kosten für die Entwicklung von LLMs zu senken. Ich denke, dass wir bereits unterschiedliche Dynamiken sehen. Wenn man sich chinesische Modelle ansieht, sind diese viel kostengünstiger entwickelt worden. Sie destillieren andere Modelle, und die Unternehmen, denen diese Modelle gehören, beschweren sich darüber. Allerdings nutzen all diese Unternehmen genauso das offene Web, um ihre Inhalte zu generieren.
Man könnte sich nun ein Szenario vorstellen, in dem ich jedes Mal, wenn ich einen Artikel lese, ein paar Cent bezahle, egal ob es sich um KI handelt oder wie auch immer ich an den Inhalt komme. Das war allerdings nie wirklich das Wertversprechen, das mit dem Aufkommen von Suchmaschinen einherging. Fox verklagte damals Google mit der Begründung, dass man sich ihre Inhalte nicht kostenlos ansehen dürfe, aber sie hatten keine Wahl, denn wenn sie ihre Inhalte aus Google entfernt hätten, hätten sie so viel Traffic verloren, dass sie sagen mussten: Wir geben euch unsere Inhalte kostenlos.
Hätten die Unternehmen damals Nein gesagt und verlangt, dass man für diese Inhalte bezahlt, weil man Werbung auf der Grundlage des Werts dieser Inhalte schaltet, und man diese Einnahmen teilen muss, sähe die Welt heute ganz anders aus. Es gäbe viel mehr Journalismus und viel weniger soziale Medien, Doomscrolling und Blasen, wie sie derzeit existieren. Ich hoffe, dass es mit KI neue Modelle gibt – was definitiv möglich ist, wenn Menschen oder Unternehmen das fördern. Aber leider sieht es nicht so aus, als würde es in diese Richtung gehen.
Wenn man sich ChatGPT, Facebook, YouTube oder sogar Google ansieht, dann war deren Aufkommen erst möglich, weil man ohne Gatekeeper darauf zugreifen konnte. Wenn der Gatekeeper nun ein Unternehmen ist, das mit Ihnen konkurriert, kann ich Ihnen garantieren, dass es keine Möglichkeit für Wettbewerb geben wird. Und weniger Wettbewerb bedeutet meist schlechtere Produkte für die Nutzer.
Mit KI können Sie auf Inhalte zeigen und sagen: Wie kann ich diese Seite so gestalten, dass sie meinen Bedürfnissen entspricht? Man kann sich die Zusammenfassung ansehen. Ich kann mir einen Inhalt ansehen und sagen: Entferne politische Voreingenommenheit aus dem Inhalt oder gib mir eine alternative Sichtweise. Anstatt jeden Tag aufzustehen und nach Jobs zu suchen, kann ich Bots erstellen, die mir helfen, die Aufgaben zu erledigen. Und hier geht es darum, dass der Browser nicht mehr nur zum Surfen dient, sondern darum, wie man jemandem hilft, das zu erreichen, was er erreichen möchte.
Es wird verschiedene Oberflächen geben, so wie Mobiltelefone aufkamen und die Menschen anfingen, Apps statt Browser zu verwenden. Und ich denke, dass es sprachgesteuerte Geräte geben wird, vielleicht auch Brillen.
Aber ich denke auch, dass dadurch sichtbar wird, dass Inhalte im Internet überhaupt erst mal bereitgestellt werden müssen. Wenn dieses Wirtschaftsmodell nicht existiert, existiert auch das nicht, was die KI überhaupt erst möglich gemacht hat, nämlich all die Daten, mit denen sie trainiert wird.
Wir schauen uns alle Foren an, wir schauen uns alle Rückmeldungen unserer Nutzer an, und wenn unsere Kunden überhaupt keine KI wollen, dann werden wir diesen Weg gehen. Wenn sie eine Wahlmöglichkeit wünschen, werden wir diesen Weg einschlagen. Und im Moment betrachten wir die Wahlmöglichkeit als das, was die Menschen unserer Meinung nach wollen.
Wir haben viele Dinge in Firefox eingebaut, um Vertrauen zu stärken. Wir haben Container entwickelt, die alle Daten wirklich voneinander trennen und sicherstellen, dass nichts weitergegeben wird. Wir haben unsere Synchronisierung so aufgebaut, dass sie Ende-zu-Ende-verschlüsselt ist. Aber wir haben es nie geschafft, unseren Nutzern all diese Dinge gut zu erklären. Wir haben sie gefragt: Ist es schwierig, sich bei Firefox anzumelden? Das wird von vielen mit Ja beantwortet. Denn: Wir verlangen Passwörter und Passkeys, um sicherzustellen, dass alle Daten verschlüsselt sind und niemand Zugriff darauf hat. In den nächsten Monaten werden wir versuchen, diese Funktionen stärker hervorzuheben, aber auch neue Funktionen einführen, wie beispielsweise eine integrierte VPN-Funktion, die Webtraffic über einen Proxy-Server leitet und es Nutzern ermöglicht, ihre IP-Adressen zu verbergen.
Ein weiterer Punkt ist: Firefox gehört einer gemeinnützigen Organisation, und wir versuchen nicht, den Shareholder-Value zu optimieren, sondern den besten Browser zu entwickeln, um den besten Nutzwert zu erzielen. Das bedeutet, dass wir Features, die nachhaltigen Umsatz bedeuten, immer mit einem besseren Nutzererlebnis abwägen.