Heise 15.07.2026
17:59 Uhr

Europäisches Know-how bleibt europäisch: EssilorLuxottica übernimmt Lynx


Das Pariser VR-Start-up Lynx gehört jetzt EssilorLuxottica. Was könnte der weltgrößte Brillenkonzern und Metas Smart-Glasses-Partner mit dem Know-how vorhaben?

Europäisches Know-how bleibt europäisch: EssilorLuxottica übernimmt Lynx

Schon seit einigen Wochen kursieren Gerüchte, dass der französisch-italienische Optikriese EssilorLuxottica den Pariser VR-Brillenhersteller Lynx übernommen hat. Nun hat Gründer und CEO Stan Larroque heise online die Übernahme bestätigt.

„Das gesamte geistige Eigentum, die Vermögenswerte und der Großteil des Teams gehen nun vom Start-up auf den Großkonzern über, und es könnte einige Monate dauern, bis der Betrieb wieder reibungslos läuft, vorbehaltlich aller erforderlichen rechtlichen Genehmigungen“, schreibt Larroque.

Auch wenn der Weg in diesen acht Jahren nicht geradlinig gewesen sei, betrachtet Larroque es als Erfolg, dass das von ihm gegründete Unternehmen mit den Ressourcen eines Großkonzerns weiterbestehen könne und noch dazu in Frankreich. Der 31-jährige Larroque selbst wird den Übergang nicht begleiten, er wechselt in eine Führungsrolle beim französischen Drohnenhersteller Parrot.

Lynx steckte seit geraumer Zeit in finanziellen Schwierigkeiten und konnte das für diesen Sommer geplante Mixed-Reality-Headset Lynx-R2 nicht mehr auf den Markt bringen. Das Gerät sollte ursprünglich Android XR basieren, doch Google beendete die Partnerschaft aus bislang unbekannten Gründen. Nachdem ein Sanierungsverfahren gescheitert war, ordnete ein örtliches Handelsgericht im März die Abwicklung des Unternehmens an. EssilorLuxottica trat dann offenbar als Käufer auf.

Der Konzern hat die Übernahme nach unserem Kenntnisstand bislang nicht bestätigt. Unabhängig davon bleiben viele Fragen offen. Allen voran, ob Lynx in seiner bisherigen Form tatsächlich weiterbestehen wird und, falls nicht, was der weltgrößte Brillenhersteller mit dem Know-how vorhat. Denn Lynx entwickelte in erster Linie Mixed-Reality-Headsets, keine Smart Glasses.

Dass Lynx-R2 jetzt doch noch erscheint, ist unwahrscheinlich. Die technische Expertise dürfte vielmehr in die Forschung und Entwicklung einer potenziellen AR-Brille einfließen, da es bei Bewegungserfassung und Umgebungswahrnehmung Überschneidungen zwischen beiden Gerätekategorien gibt. Zu dieser Deutung würde auch EssilorLuxotticas Partnerschaft mit Applied Materials passen, aus der unter anderem gemeinsam entwickelte Waveguides hervorgehen sollen. Mit beiden Schritten baut der Brillenkonzern wertvolle Kompetenzen auf, die seine technologische Abhängigkeit von Meta langfristig verringern könnten.

Stan Larroque vermarktete die Lynx-Headsets stets als europäische Alternative zu einem von Meta dominierten Markt. Der versöhnliche Aspekt des Scheiterns: Mit der Übernahme durch EssilorLuxottica geht das in acht Jahren aufgebaute europäische Know-how nicht verloren und bleibt dem Standort Europa erhalten.

(tobe)