Heise 02.09.2026
10:56 Uhr

Erste Sonde zu anderem Stern soll 2029 starten – und 80.000 Jahre unterwegs sein


Zwar hat die Menschheit schon Sonden aus dem Sonnensystem geschickt, aber keine fliegt zu einem anderen Stern. Das soll sich noch in diesem Jahrzehnt ändern.

Erste Sonde zu anderem Stern soll 2029 starten – und 80.000 Jahre unterwegs sein

Eine gemeinnützige Organisation aus den USA will noch vor Ende des Jahrzehnts die erste Sonde zu einem anderen Stern schicken und damit auch das sogenannte Fermi-Paradox beleuchten. Die Fermi Explorer Mission zu Alpha Centauri soll den Auftakt zur Besiedlung der Milchstraße darstellen. Laut ihrer Ankündigung gehen die Verantwortlichen davon aus, dass die erste interstellare Sonde bis zu ihrer Ankunft in etwa 80.000 Jahren überholt werden wird. Bei ihrer Ankunft würde sie dann von Menschen erwartet. Die Sonde soll ein Kilogramm an Nutzlast mitnehmen, wer sich an der Finanzierung beteiligt, soll eigene Initialen, den Namen oder gar einen Gegenstand mitschicken dürfen. Die geplante Flugroute stammt von einem KI-System und benötigt merklich weniger Treibstoff.

Das jetzt unter anderem mit einem Video vorgestellte Konzept, erinnert an das Projekt Breakthrough Starshot, das vor mehr als zehn Jahren präsentiert wurde. Vollmundig angekündigt wurde damals, dass winzige Nano-Raumschiffe an Sonnensegeln auf 20 Prozent der Lichtgeschwindigkeit zu Alpha Centauri beschleunigt werden, wo sie nach nur 20 Jahren ankommen sollten. Was sie dort bei ihrem extrem kurzen Durchflug an Daten gesammelt hätten, wäre vier Jahre später auf der Erde empfangen worden. Auch weil der israelische Milliardär Yuri Milner nicht einmal ansatzweise die zugesagten 100 Millionen US-Dollar bereitgestellt hat, wurde das Projekt aber vor einem Jahr still und heimlich beerdigt. Die Fermi Explorer Mission hat nun ganz andere Pläne, übernimmt aber den anvisierten Stern.

Die auf 80.000 Jahre angelegte Fermi Explorer Mission soll jetzt lediglich 15 Millionen US-Dollar kosten, das Geld soll von Privatleuten eingesammelt werden, die sich im Gegenzug auf der Nutzlast verewigen können. Es wäre die bislang mit Abstand längste Mission der Menschheitsgeschichte, vor 80.000 Jahren hat der anatomisch moderne Mensch noch nicht einmal Europa, den größten Teil Asiens, Australien und den Doppelkontinent Amerika erreicht. In dem Werbevideo für die Mission wird die Sonde während ihres Flugs von zahlreichen Raumschiffen der Menschen überholt und schließlich bei Alpha Centauri von einer gigantischen Ringwelt erwartet. In dem Film geht es aber noch weiter und der Flug wird nur als Auftakt zur Besiedlung der Milchstraße und schließlich weiterer Galaxien verkauft.

Mit dem Namen und dieser Vision verweisen die Verantwortlichen auf das sogenannte Fermi-Paradox. So wird ein von dem Physiker Enrico Fermi formulierter Widerspruch bezeichnet, der im Kern darauf verweist, dass wir keine außerirdischen Zivilisationen finden, obwohl diese augenscheinlich zahlreich sein sollten. Dafür gibt es verschiedene Erklärungsansätze, die von der Fermi Explorer Mission in drei Kerngedanken zusammengefasst werden: Entweder ist menschenähnliche Intelligenz im Universum außergewöhnlich selten, oder es gibt sie aus irgendeinem Grund immer nur äußerst kurz. Sollte sie doch häufig sein, mache sie möglicherweise absichtlich nicht auf sich aufmerksam, oder kann das nicht.

Mit dem Start der ersten Sonde, die gezielt einen anderen Stern ansteuert, könne die Menschheit nun zum ersten Mal beweisen, dass es für intelligente Spezies nicht unmöglich ist, ihre jeweils nächsten Sterne zu erreichen. Weiterhin könne man beweisen, dass sich nicht alle Spezies bewusst dafür entscheiden, ihren Heimatstern nie zu verlassen. Im Ergebnis würde das darauf hindeuten, dass intelligentes Leben im Universum wirklich extrem selten ist oder ein „Großer Filter“ dafür sorgt, dass es nicht lange durchhält. Beides würde Konsequenzen dafür haben, wie wir hier auf der Erde weiterleben, meint das Team. Entweder müssten wir unsere Rolle als „Hüter des Bewusstseins“ viel ernster nehmen, oder wir müssten uns stärker auf eine mögliche Katastrophe vorbereiten.

Auf die historische Reise möchten die Verantwortlichen Botschaften mitschicken, darunter eine Kopie der Golden Records der Voyager-Sonden. Dem Magazin Technology Review hat das Team erzählt, dass sie ein Jahr lang keinen Weg gefunden haben, die Mission für den geplanten Preis von 15 Millionen US-Dollar zu realisieren. Die Rettung kam demnach von einem speziellen KI-System, das eine neuartige Route ermittelt hat. Auf der soll die interstellare Sonde demnach viermal an der Sonne Schwung holen und ihr dazu näher kommen als der Merkur. Die Solarpaneele könnten deshalb kleiner bleiben und das Raumfahrzeug leichter. Selbst wenn nun alles nach Plan läuft, sei man aber „ziemlich zuversichtlich, dass wir nicht als Erste dort ankommen werden“, erklärt Philip Johnston, der Präsident der Fermi Explorer Mission noch.

Fermi Explorer Mission

(mho)