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20.11.2025
11:52 Uhr
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Jeeps erster Elektro-Geländewagen soll eine Durchsetzungsfähigkeit wie klassische Offroader bieten. Das "Recreational Vehicle" lässt sich großteils entblättern.

Stellantis plant, sich in den USA wieder fast vollständig mit Verbrennungsantrieben aufzustellen. Bevor die den Klimawandel leugnende Regierung die E-Auto-Förderung kappte, hat die Konzernmarke Jeep im Hinblick auf eine Elektrifizierung des Individualverkehrs in den USA ein aus europäischer Sicht bemerkenswert nischiges, für die USA aber durchaus erfolgversprechendes Elektroauto entwickelt. Der Geländewagen Reckon soll kommendes Jahr verkauft werden.
Jeep stellt damit sein erstes batterieelektrisches Geländefahrzeug vor. Der viertürige Jeep Recon zeigt zwar in etwa das Format eines Jeep Wrangler, ist aber kein klassischer Offroader mehr. Dennoch soll er im Gelände eine vergleichbare Durchsetzungsfähigkeit bieten. Wie der Wrangler ist er – vornehmlich fürs US-Publikum – auch als "Recreational Vehicle" gedacht und kann auf motorisierten Wanderungen vollkommen auf Durchzug schalten: Alle vier Türen sollen mit wenigen Handgriffen abnehmbar, das Dach weit zu öffnen sein.
Stellantis
Eine Eigenart der Elektrifizierung sind die extremen abrufbaren Leistungs- und Drehmomentwerte. Bis zu 478 kW und maximal 840 Nm stehen zur Verfügung, die Motoren haben eine Leistung von je 250 kW. Damit könnte man auf der Straße in etwa 3,6 Sekunden auf 100 km/h erreichen. Im Gelände ist man hingegen langsam unterwegs. Dass dort geringere Leistungen auch für extreme Klettereinlagen vollkommen ausreichend sind, haben Geländeautos wie der Willys MB, also der erste "Jeep" von 1941 mit seinen 45 kW oder der Land Rover von 1947 mit seinen 39 kW hinreichend bewiesen.
Bei einer Motorisierung wie im Recon zählt also umso mehr, dass der Leistungsüberschuss von der Elektronik so geschickt verwaltet wird, dass alle vier Räder auch bei schlechtem Grip maximalen Vortrieb erreichen, statt haltlos durchzudrehen. Interessanterweise setzt das Antriebskonzept trotz der kräftigen Motoren auf eine mechanische Geländeübersetzung von 15:1 im hinteren und 13:1 im vorderen Antriebsmodul. Mit den 33-Zoll-Traktionsreifen der aufpreispflichtigen Moab-Ausstattung ergibt sich eine für Geländewagen typische Bodenfreiheit von rund 23 cm, Böschungswinkel von 34 Grad vorn und 34,5 Grad hinten sowie ein Rampenwinkel von 23,5 Grad. Mit den serienmäßigen 265/70 R18 All-Terrain-Reifen fallen alle Werte natürlich etwas kleiner aus.
Elektronisch assistiert kann damit selbst der ungeschickteste Bleifuß in herausfordernden Passagen eine Durchsetzungsfähigkeit erleben, die ihm auch mit den besten klassischen Geländewagen bisher verwehrt blieb. Was natürlich nicht heißen soll, dass ein solches Auto, mit Bedacht bewegt, nicht zu vergleichbaren Leistungen fähig wäre. Gegenüber dem Jeep Reckon hat es mit zwei Starrachsen eine überlegene Fahrwerksbeweglichkeit, Grundlage für eine überlegene Traktion.
Der elektrische Reckon hingegen setzt vor allem aus Gründen der Gewichtsersparnis und wegen der Integration seiner Antriebsmodule eine vordere Doppelquerlenker- und eine hintere Mehrlenkeraufhängung ein. Sie bedingen auf stark verworfenem Terrain zwar früher die Traktionsgrenzen der entlasteten Räder. Dafür können aber die Antriebs- und sogar Bremskräfte nur durch die E-Maschinen radindividuell so fein in Echtzeit geregelt werden, wie das an einem herkömmlichen Auto kaum möglich ist. Daher darf man schon vor ersten Probefahrten davon ausgehen, dass sich insgesamt beide Antriebskonzepte nur wenig nehmen werden. Der Reckon hätte also das Zeug, den klassischen Jeep Wrangler (Geländetest) mit seinen beiden Starrachsen zu beerben, falls genügend Kunden es so wollen.