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21.07.2026
09:52 Uhr
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„Desktop Explorer“ lässt Spieler die rätselhaften Geheimnisse eines alten Computers entdecken. Ein minimalistisches, aber extrem forderndes Mystery-Abenteuer.

Die Idee ist so einfach wie genial: ein blanker Bildschirm, ein Betriebssystem aus längst vergessenen Zeiten und zahlreiche Rätsel, eines verzwickter als das andere. Das Entwicklungsstudio Recurring Dream bezeichnet „Desktop Explorer“ als Interface Mystery Adventure und setzt auf minimalistische Präsentation bei maximal fordernden Rätseln. Ein Fest für Fans von Spielen wie „The Return of the Obra Dinn“ oder „Blue Prince“.
Erstmal einloggen. Dann – nichts. Ah, wir müssen erstmal das titelgebende Programm installieren. Ein kleiner Helfer namens „Pizarro“ meldet sich unten rechts in der Ecke, gibt Tipps. Offensichtlich sollen wir ein paar Rätsel aus dem Programm lösen, um Passwörter zu finden. Aber kaum haben wir den ersten Schritt überstanden, verschwimmt der Bildschirm. Eine Art Monster erscheint in ein paar Screenshots und redet mit uns. Was ist hier los?
heise medien
In der Hintergrundgeschichte muss die Enkelin den alten Computer ihres Großvaters entrümpeln. 1990er Jahre OS, zunächst kein Internet und nur die nötigsten Programme installiert. Ein einfaches Zeichenprogramm, eine Art Notepad und später eine Lupe mit nützlichem Farbfilter sollen bei der Lösung der Rätsel helfen. Durch Tagebucheinträge erfahren die Spieler von einer Familientragödie und dunklen Geheimnisse. Ein bisschen SF, ein bisschen Horror und sogar ein paar Jump Scares erwarten neugierige Spieler.
Einfach ist das nicht. „Desktop Explorer“ ist von der ersten Minute an eine rätselhafte und sperrige Spielerfahrung. Ein Tutorial wäre nützlich. Das, was da ist, wurde auf das Wesentliche reduziert. Die Rätsel ähneln einer Art Gamebook. Zuerst geht es durch eine Höhle, später im „Resident Evil“-Stil durch ein geheimnisvolles Haus. Wir müssen Zahlen kombinieren, Hinweise auf den Bildern finden. Manchmal gibt es auch versteckte Files im Ordner, im Source Code finden sich Tipps. Jedes Detail ist enorm wichtig und ohne sehr gute Englischkenntnisse sollte man sich nicht einloggen.
Das Entwicklungsstudio reizt das Thema spielerisch aus. Dateien können komprimiert werden, um eine Waage auf dem Bildschirm zu beeinflussen, ein Text wird durch die Bildschirmgröße so vergrößert, dass plötzlich ein neues Bild entsteht. Wenn es heißt „die Zeit zu verändern“ ist es wörtlich zu nehmen. Ähnlich wie bei „Blue Prince“ empfiehlt sich ein Spickzettel, auf dem die Spieler Hinweise und Passwörter notieren.
Um die einzelnen Aufgaben zu lösen und Passwörter für den Spielfortschritt zu finden, müssen die Spieler immer um die Ecke denken. Eine geradlinige Lösung gibt es kaum. Auch wirkt es im ersten Moment absurd, wenn wir bei der Aufgabe durch eine Höhle stolpern, aber zur Lösung des Rätsels einzelne Screenshots übereinanderlegen müssen. In seiner verzwickten und originellen Art sind alle Rätsel aber logisch aufgebaut.
Die Präsentation lässt stilecht alte Computerzeiten aufleben. Aus heutiger Sicht öffnen sich die Fenster quälend langsam und der Mauszeiger ruckelt träge über das Bild. Ein CRT-Filter sorgt für die typische Wölbung alter Röhrenmonitore und der Computerassistent „Pizarro“ erinnert an „Clippy“. Wer sich auf diesen ungewöhnlichen Rätseltrip in das Computerzeitalter der 1990er Jahre einlässt, wird einige Stunden unterhalten und gefordert. Ganz abhängig davon, wie schnell die grauen Zellen arbeiten.
Nach „Blue Prince“ dürfen sich Spieler in „Desktop Explorer“ wieder auf ein knackiges Mystery-Abenteuer freuen, das selbst erfahrene Genre-Fans ordentlich fordert. Die Rätsel sind schwierig, aber originell und die Präsentation ist stilecht alten Computerzeiten nachempfunden.
Was wir uns gewünscht hätten: Gnade mit Anfängern. Warum kein Tutorial, das sanft in die Spielmöglichkeiten einführt? „Desktop Explorer“ lässt schon nach wenigen Spielminuten den Schwierigkeitsgrad enorm ansteigen. Das kann zu Frust führen. Schade, damit könnten einige Spieler eines der originellsten und cleversten Rätselabenteuer der letzten Jahre verpassen.
„Desktop Explorer“ ist für Windows und macOS erschienen. Es kostet ca. 20 €. USK nicht geprüft. Für unser Angespielt haben wir ein paar Stunden die Windows-Version gespielt.
(dahe)