Heise 23.07.2026
06:45 Uhr

Cyberattacken auf Landesverwaltung nehmen weiter zu


Cyberangriffe nehmen in Sachsen-Anhalt deutlich zu: Im ersten Halbjahr meldet die Landesverwaltung mehr als doppelt so viele Vorfälle wie zuvor.

Cyberattacken auf Landesverwaltung nehmen weiter zu

Die Zahl der erfassten IT-Sicherheitsvorfälle in der Landesverwaltung in Sachsen-Anhalt hat sich im ersten Halbjahr 2026 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum mehr als verdoppelt. Besonders häufig registrierten die Behörden Phishing-Angriffe sowie sogenannte DDoS-Attacken, bei denen Internetseiten oder Server durch massenhafte Anfragen überlastet werden.

Wie das Ministerium für Infrastruktur und Digitales auf Anfrage mitteilte, wurden in den ersten sechs Monaten dieses Jahres 30 IT-Sicherheitsvorfälle erfasst. Im Vorjahreszeitraum waren es 14.

Von den 30 Vorfällen entfielen 16 auf Phishing-Angriffe, zwei auf DDoS-Attacken und zwei auf Systemeinbrüche; hinzu kamen neun Fälle von Diebstahl oder Verlust von IT-Hardware.

Bereits im vergangenen Jahr hatte die Zahl der IT-Sicherheitsvorfälle in der Landesverwaltung deutlich zugenommen. Phishing-Angriffe und DDoS-Attacken gehörten auch damals schon zu den häufigsten Vorfällen. DDoS-Angriffe träten seit einigen Jahren besonders während der Ferienzeiten auf und richteten sich zunehmend auch gegen Kommunen, teilte das Ministerium mit. Demnach nutzten Angreifer die Ferienzeit gezielt aus. Viele Beschäftigte seien nicht im Dienst, wodurch Behörden personell dünner besetzt seien.

Im vergangenen Sommer hatte eine Attacke der prorussischen Hackergruppe „NoName057(16)“ das Landesportal und mehrere Internetseiten von Ministerien zeitweise beeinträchtigt. Auch 2023 gab es bereits solche Angriffe. Deshalb gelte in den Sommermonaten eine „erhöhte Alarmbereitschaft“. Phishing-Mails und betrügerische Anrufe würden durch neue Technologien zudem immer professioneller und schwerer zu erkennen.

Die registrierten Vorfälle führten nach Angaben des Ministeriums bislang lediglich zu kurzzeitigen Einschränkungen oder Ausfällen von wenigen Stunden. Betroffen gewesen seien vor allem einzelne gestohlene Geräte sowie zeitweise die Erreichbarkeit von Internetauftritten nach DDoS-Angriffen.

Unabhängig davon registrierte auch das Landeskriminalamt (LKA) im ersten Halbjahr 2026 eine leichte Zunahme der Cybercrime-Fälle im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Besonders häufig würden Privatleute beim Kauf oder Verkauf über Online-Plattformen betrogen. Ein hohes Fallaufkommen hätten außerdem Phishing-Angriffe, bei denen Kriminelle mit gefälschten E-Mails oder Nachrichten an Passwörter und andere sensible Daten gelangen wollten.

Bei Unternehmen verursachten nach Angaben des LKA vor allem Ransomware-Angriffe die größten Schäden. Dabei werden Daten verschlüsselt und erst gegen Lösegeld wieder freigegeben.

Zudem beobachteten die Ermittler eine Zunahme von Fake-Shops, betrügerischen Stellenangeboten sowie Betrugsmaschen, bei denen Kriminelle zunehmend KI-generierte und täuschend echt wirkende Nachrichten einsetzen.

(dmk)