Heise 29.05.2026
11:08 Uhr

Bericht: Apple setzt zur WWDC voll auf lokale KI-Modelle


Dank Google-Gemini-Hilfe will Apple seine On-Device-KI stärken. Bei der kommenden Entwicklerkonferenz stehen wohl die Fähigkeiten von Apple Silicon im Zentrum.

Bericht: Apple setzt zur WWDC voll auf lokale KI-Modelle

Bislang gelten die Möglichkeiten von Apple Intelligence als eher mau – Apples Kombination aus lokalen Sprachmodellen und Private Cloud Compute (PCC) liegt bei den Ergebnissen konstant hinter dem, was modernere Systeme wie ChatGPT oder Claude leisten. Dennoch wird Apple den Kurs auch mit seiner neuen Google-Gemini-Partnerschaft weiter fortsetzen. Das berichtet der IT-Newsdienst The Information aus dem Silicon Valley. Apple werde On-Device-KI-Modelle erneut nach vorne stellen und das Cloud-Thema in den Hintergrund rücken, auch wenn der Konzern plant, Googles Serverinfrastruktur mitzunutzen.

Apple sieht die lokalen Modelle offenbar weiterhin als Werbeargument in Sachen Datenschutz. Laut The Information will der iPhone-Hersteller seine Erfahrung im Bau der eigenen Apple-Silicon-Chips in den Vordergrund stellen, die mittlerweile seit 16 Jahren existieren (begonnen einst beim iPhone, nun in allen wichtigen Geräten vorhanden). Apple Silicon gibt dem Konzern demnach den Vorteil, auf Smartphones, Macs und sogar Computeruhren gute On-Device-Modelle zu nutzen.

Vom schlechten Ruf von Apple Intelligence bei der Nutzerschaft will Apple durch Google-Hilfe wegkommen: Der Konzern darf laut Vertrag mit dem Internetriesen dessen große Gemini-Modelle nutzen, um lokale Varianten zu trainieren – mittels Destillation. Ob das wirklich zu einer starken Qualitätsverbesserung führt, bleibt abzuwarten. Apple sei zudem auf der Suche nach kleineren KI-Firmen, die sich auf das Thema spezialisiert haben, so The Information unter Berufung auf informierte Personen. Dazu gehört etwa die Firma Liquid AI aus Cambridge, die sich auf die Modellskalierung spezialisiert hat.

Die Strategie, On-Device-Modelle zu bewerben, nutzt Apple schon lange – und wiederholt diesen Punkt häufig auch gegenüber Medien und Politik. Für Nutzer ist das relativ transparent, da man prüfen können soll, ob PCC verwendet wird oder nicht. Aber auch PCC wurde so implementiert, dass Apple die Daten nicht sieht. Beobachter gehen davon aus, dass dies auch bei der Nutzung von Googles Servern für die großen Gemini-Modelle der Fall sein wird.

Lokale Modelle sollen unter anderem der lange überfälligen Renovierung der Sprachassistentin Siri dienen. Allerdings sollen „Teile“ davon auch auf Google-Servern laufen. Apple soll intern erlaubt haben, dass unter anderem das Confidential Computing von Nvidia zum Einsatz kommt. Apple hatte sich beim großen KI-Ausbau mit der Schaffung von Rechenzentren, für die Google, Meta & Co. neben den KI-Spezialisten wie Anthropic und OpenAI viele, viele Milliarden ausgegeben haben, stark zurückgehalten. Die Rate an „Capex“, also Investitionsausgaben, lag im vergangenen Jahr bei Apple nur bei 12,72 Milliarden US-Dollar, während Meta 72 Milliarden in die Hand nahm – die Summe ist mittlerweile noch deutlich angeschwollen. Der Analyst Richard Kramer von Arete Research schätzt, dass die Gesamtzahl der Apple-Geräte im Markt, wenn sie für lokale KI verwendet würden, rund 50 Milliarden Dollar an Rechenkapazität ausmachen, so The Information.

(bsc)