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21.11.2025
10:01 Uhr
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Wenn Software die letzte Entscheidung über Leben und Tod trifft, haben Bugs tödliche Folgen – beispielsweise im Krankenhaus.

In den bisherigen Kategorien ging es um viele Fehler, die wirtschaftliche Verluste oder Projektkatastrophen ausgelöst haben. Doch es gibt eine Klasse von Softwarefehlern, die weit schwerwiegendere Konsequenzen haben: sicherheitskritische Fehler, die Menschenleben kosten können.
Sicherheitskritische Systeme finden sich überall dort, wo Software unmittelbar mit physischen Prozessen interagiert – in der Luftfahrt, der Medizintechnik, der Automobilbranche, der Bahntechnik und in der Industrieautomation. Wenn hier ein Bug auftritt, sind die Folgen oft irreversibel.
Der Therac-25 war ein medizinischer Linearbeschleuniger, entwickelt zur Strahlentherapie von Krebspatientinnen und -patienten. Die Maschine war eine Weiterentwicklung der Vorgängermodelle Therac-6 und Therac-20, die noch stark auf Hardwaresicherungen und physische Interlocks setzten. Beim Therac-25 verlagerte der Hersteller viele dieser Sicherheitsmechanismen in die Software – eine Entscheidung, die sich als fatal herausstellen sollte.
Zwischen 1985 und 1987 kam es nämlich zu mindestens sechs dokumentierten Strahlenunfällen. Mehrere Patientinnen und Patienten erhielten extrem hohe Dosen, einige starben an den Folgen. Die Ursachenanalyse deckte damals eine Kombination aus Design- und Prozessfehlern auf:
Das Therac-25-Desaster zeigt ein Muster, das sich in vielen sicherheitskritischen Vorfällen wiederholt:
Gegenmaßnahmen sind auch in diesem Fall wieder verhältnismäßig einfach zu ergreifen:
Safety-kritische Fehler entstehen selten durch schlampige Entwicklerinnen oder Entwickler. Häufiger liegt die Ursache in organisatorischem Druck: Termine, Kosten oder das Vertrauen darauf, dass "die Software es schon regelt". Das Problem ist, dass Softwarefehler leise eskalieren, bis sie plötzlich sichtbar und irreversibel werden.
Der Therac-25 ist heute ein Lehrbuchbeispiel dafür, dass man bei sicherheitskritischen Systemen niemals auf formale Sicherheitsmechanismen verzichten darf. Jede vermeintliche Abkürzung in Richtung "rein softwarebasiert" kann hier Menschenleben kosten.
(who)