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05.06.2026
09:35 Uhr
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Audi unternimmt den Versuch einer Flucht nach vorn. Der Sportwagen Nuvolari, der seine eigene Basis in den Schatten stellt, soll bei der Imagepolitur helfen.

Audi hat derzeit nicht gerade das, was man umgangssprachlich einen Lauf nennt. Der Absatz stockt, und in der ersten Formel-1-Saison gelang zwar gleich im ersten Rennen mit Platz neun ein Achtungserfolg, dem allerdings bislang keine weiteren folgten. Dennoch ziehen die Verantwortlichen das Engagement in der Königsklasse immer wieder als Vorbild für den Nuvolari heran, der jetzt als seriennaher Prototyp gezeigt wurde. Ab dem kommenden Jahr soll eine auf 499 Stück limitierte Auflage folgen, deren Plug-in-Hybrid 736 kW, also 1001 PS leistet. Der Preis legt nahe, dass es um ein reines Prestigevorhaben ging.
Teile seiner technischen Basis teilt sich der Audi Nuvolari mit dem Lamborghini Temerario, optisch aber war Audi um Zurückhaltung bemüht. Auf ein Alu-Gerüst setzt Audi fast ausschließlich carbonfaserverstärkten Kunststoff. Das Ziel ist klar: Das Gewicht soll gering, die Torsionssteifigkeit hoch sein. Ein solcher Aufbau ist bei Audi neu, extrem teuer und wird deshalb kaum in größerem Umfang in einem anderen Serienmodell so kommen. Der Nuvolari wurde mit großzügigem Budget geplant und soll 590.000 Euro kosten.
Der Sportwagen bekommt eine aktive Aerodynamik, die von der Formel 1 inspiriert sei, schreibt Audi. Im Nuvolari geht das allerdings sehr viel weiter, als es aktuell in der Königsklasse des Motorsports erlaubt ist. Dort kann der Fahrer unter bestimmten Voraussetzungen den Heckflügel verstellen, um eine höhere Endgeschwindigkeit zu erreichen. Der Nuvolari-Fahrer kann wählen, ob er selbst den Heckspoiler in eine seiner drei Positionen fährt oder einer Steuerung überlässt, wann der Spoiler in welche Lage rückt.
Die Bremsscheiben messen an der Vorderachse 42, hinten 41 cm im Durchmesser. Sie bestehen aus einer Langfaser-Carbonstruktur und sollen auch bei härtester Beanspruchung standhalten. Vorn werden sie von zwei Zehnkolben-Festsätteln in die Zange genommen, hinten reichen Vierkolben-Sättel. Vorrangig verzögert wird allerdings über die Rekuperation, schließlich ist der Nuvolari ein Plug-in-Hybrid.
Die Steuerung funktioniert natürlich auch in beide Richtungen. Vier Motoren erlauben ein gezieltes Torque-Vectoring sowohl beim Bremsen wie auch beim Beschleunigen. Die Antriebseinheiten verteilen das Drehmoment gezielt in Längs- und Querrichtung. Erstaunlicherweise arbeiten die Dämpfer nicht adaptiv. Dafür gibt es fünf unterschiedliche Fahr-Modi, von denen einer sogar eine gewisse Strecke rein elektrisch ermöglichen soll. Über Balanced, der für den Alltag gedacht ist, gibt es drei Verschärfungen: Dynamic, Dynamic Plus und Track Mode.
An der Vorderachse sind zwei Axialfluss-Elektromotoren eingebaut, die jeweils 110 kW leisten. Die bietet auch der dritte E-Motor, der an der Hinterachse zwischen Getriebe und Verbrenner sitzt. Trotz dreimal 110 kW übernimmt weiterhin der Benziner die Hauptlast. Verbaut ist ein aufgeladener V8 mit vier Litern Hubraum, der 588 kW beisteuert. Das maximale Drehmoment liegt bei 730 Nm. Gedreht werden kann bis 10.000/min, was diesseits des Motorsports eine enorme Herausforderung ist. Schließlich muss die Ventilsteuerung mit diesem Tempo zurechtkommen, was vor allem beim Schließen der Auslassventile einiges an Know-how erfordert haben muss.
Selbstverständlich ging es bei der Antriebsentwicklung nicht um Dinge wie Verbrauch oder eine nennenswerte elektrische Reichweite. Die schmale Batterie, die in der Mitte des Unterbodens platziert wurde, hat einen Energiegehalt von 7,3 kWh. Die Ladeleistung nennt Audi bei der Präsentation des seriennahen Prototypen ebenso wenig wie die E-Reichweite. Stattdessen geht es um die Performance. Die Höchstgeschwindigkeit liege bei mehr als 350 km/h, und aus dem Stand sollen 200 km/h nach 6,8 Sekunden erreicht sein. Für den Sprint auf 100 km/h reichen 2,6 Sekunden, schreibt Audi. Damit übertrifft er den Lamborghini Temerario wie schon bei der Systemleistung ein wenig. In der Praxis hat das keinerlei Relevanz. Doch darum geht es in diesem Segment auch nicht mehr: Es entzieht sich ohnehin jeglicher Rationalität.
(mfz)