FAZ 21.01.2026
09:57 Uhr

wohnungsmarkt frankfurt: Mietshäuser geraten wieder unter Druck


In den vergangenen Jahren wurden in Frankfurt nur wenige Mietwohnungen in Eigentumswohnungen umgewandelt. Das könnte sich 2026 ändern.

wohnungsmarkt frankfurt: Mietshäuser geraten wieder unter Druck

Die Krise auf dem Immobilienmarkt ist weiterhin spürbar. Gerade einmal 150 Neubaueigentumswohnungen sind im vergangenen Jahr in Frankfurt verkauft worden. Das sind zwar mehr als 2023, aber weniger als 2024. Die Unterschiede sind jedoch gering. Seit drei Jahren liege die Zahl der Transaktionen bei Neubauwohnungen auf einem historischen Tiefstand, sagte Christine Helbach, Vorsitzende des Gutachterausschusses für Immobilienwerte, bei der Vorstellung der Daten für 2025. Nach Auswertung aller Kaufverträge, die Notare dem Gutachterausschuss vorlegen müssen, ergibt sich für Neubauwohnungen ein mittlerer Quadratmeterpreis von 7840 Euro, rund sechs Prozent mehr als 2024. Damit ist das Niveau von 2020 wieder erreicht, nachdem es in der Zwischenzeit eine leichte Delle gegeben hatte. Die höchsten Preise wurden in Bornheim, Kalbach und im Gallus erzielt. Für weniger als 7000 Euro je Quadratmeter konnte man in Bergen-Enkheim noch eine Wohnung kaufen. Die teuerste Wohnung wechselte für 6,9 Millionen Euro den Eigentümer. Rechnet man Neubau und Bestand zusammen, ergibt sich für Frankfurt ein Durchschnittspreis von 5630 Euro, zwei Prozent mehr als 2024. „Viele können sich die Preise nicht leisten“, sagte Marcus Gwechenberger (SPD), Dezernent für Planen und Wohnen. Kaufinteressenten weichen auf kleinere Wohnungen aus und sehen sich verstärkt auf dem Gebrauchtmarkt um.  Bestandswohnungen sind im Schnitt um mehr als 2000 Euro günstiger als Angebote in neuen Häusern. 2359 Verkäufe registrierte der Gutachterausschuss 2025. Das ist eine Steigerung um vier Prozent gegenüber 2024. Sogar der zehnjährige Mittelwert wurde überschritten. Bei den Preisen gibt es eine starke Spreizung. So kosteten die beliebten Altbauwohnungen, die vor 1950 errichtet wurden, in Rödelheim im Schnitt 3630 Euro je Quadratmeter, im Nordend hingegen 6490 Euro, im Westend sogar 8330 Euro. Wieder höhere Rendite möglich Gerade in den zentralen Stadtteilen kamen solche Angebote noch vor einigen Jahren in großer Zahl durch den Verkauf ehemaliger Mietwohnungen auf den Markt. Doch das Geschäftsmodell, Mehrfamilienhäuser aufzukaufen und aufzuteilen, ist weitgehend zum Erliegen gekommen, seit die Landesregierung die Umwandlung von Miet- in Eigentumswohnungen 2022 erschwert und damit die Renditechancen für Investoren geschmälert hat. Während 2019 im gesamten Stadtgebiet noch mehr als 1000 solcher Umwandlungen gezählt wurden, waren es 2025 weniger als 200. Auch die sogenannten Ertragsfaktoren für Mehrfamilienhäuser sind in der Folge gesunken. Gab es 2021 noch Fälle, bei denen Mietshäuser zum Vierzigfachen der jährlichen Mieteinnahmen verkauft wurden, hat sich dieser Wert mittlerweile beim Faktor 22,5 eingependelt. Helbach vermutet, dass die Zahlen wieder steigen werden, da die Genehmigungspflicht für Umwandlungen Ende 2025 ausgelaufen ist. Gwechenberger hält es für wünschenswert, dass die Städte weiterhin die Möglichkeit haben, Mietwohnungen zu schützen. Denn Eigentumswohnungen seien wegen der hohen Preise und der Zinsbelastung nur schwer zu finanzieren. Erst in einigen Jahren könnten sie wieder erschwinglich werden, wenn Reformen zur Senkung der Baukosten wirken und der von der Bundesregierung beschlossene Bauturbo schnellere Genehmigungen ermöglicht. Helbach rechnet damit, dass die Auswirkungen frühestens in ein bis zwei Jahren zu spüren sein werden. Der Baudezernent setzt außerdem darauf, dass die in den vergangenen 15 Jahren stark gestiegenen Grundstückspreise wieder ein normales Maß erreichen. Zum 1. Januar hat der Gutachterausschuss neue Bodenrichtwerte festgelegt. Bei Grundstücken für Geschosswohnungsbau hat eine Auswertung der Kaufverträge zwar einen Rückgang von bis zu 15 Prozent ergeben. Betroffen seien aber in erster Linie bessere und damit auch teurere Lagen. In anderen Gebieten seien oft nur wenige Veränderungen festzustellen. Auch bei Gewerbegrundstücken gibt es unterschiedliche Entwicklungen. Während Flächen für einfaches Gewerbe um bis zu fünf Prozent teurer wurden, verzeichnet der Gutachterausschuss bei Grundstücken für Bürogebäude im Bankenviertel Abschläge von etwa zehn Prozent. Verkauft wurden Gewerbeimmobilien im vergangenen Jahr allerdings kaum. Beim Umsatz verzeichnet der Gutachterausschuss einen Einbruch um fast 60 Prozent auf 260 Millionen Euro. Damit ist sogar der von der Finanzkrise geprägte Wert von 2009 unterschritten worden.