FAZ 27.11.2025
15:12 Uhr

überfordert in Champions League: Die Eintracht ist der Königsklasse nicht gewachsen


Die Eintracht spielt so, als hätte sie Angst vor den Gegnern, die sie unbedingt treffen wollte. Das 0:3 in der Champions League gegen Bergamo erschwert den weiteren Saisonverlauf erheblich.

überfordert in Champions League: Die Eintracht ist der Königsklasse nicht gewachsen

Tausende Minuten dauert eine Fußballsaison, in fünf kann sie enden. Zwischen der 60. und der 65. Spielminute schoss Bergamo am Mittwochabend drei Tore gegen die Eintracht. Und die Frankfurter, die an diesem Abend die große Möglichkeit hatten, sich auf die Play-off-Plätze der Champions League zu schieben, schauten ratlos zu. Es war nicht das erste Mal in dieser Saison, und es zeigt: Die Eintracht ist der Königsklasse nicht gewachsen. In der vergangenen Saison kämpften sich ihre Spieler durch die Winde von Kiel und die Hitze von Freiburg, um gegen die besten Teams in Europa zu spielen. Jetzt ergeben sie sich, wehrlos. Ihre 0:3-Niederlage gegen Atalanta war bereits die dritte deutliche, zuvor hatten die Frankfurter jeweils 1:5 gegen Liverpool und Atlético Madrid verloren. Jetzt heißt es: Der wichtigste Wettbewerb sei die Bundesliga. Das wäre schade. Denn wieso kämpft ein Klub ein Jahr in dieser Liga um die Chance, sich auf höchstem Niveau zu messen? Die Eintracht hat das vorgemacht, als sie sich sonntags gegen Fürth schonte, um donnerstags Barcelona in der Europa League zu schlagen. Das fanden viele seltsam. Es war aber im besten Sinne sportlich. Es ist paradox, monatelang für eine Chance zu kämpfen, um sie dann verstreichen zu lassen. Nach vier Spielen ohne Sieg steht die Eintracht auf Platz 28 der Tabelle, die die Punkte der Mannschaften aufführt. In einer anderen Rangliste ist sie Erster: der Tabelle, die die Fouls und Karten zählt. Es gibt keine fairere Mannschaft in der Champions League als die Frankfurter Eintracht. So spielt eine Spitzenmannschaft. Nicht ein Team, das den Meister von England (Liverpool) oder Spanien (Barcelona) herausfordern will. Oder den Europa League-Sieger 2024, Bergamo. Diesem Team fehlt ein Kopf Atalanta wirkte in der ersten halben Stunde in Frankfurt zahm. Dann schienen die Italiener zu merken: Hier gewinnen wir mit wenig Aufwand. Über die rechte Seite der Frankfurter griffen sie an, wie vor ihnen schon die anderen Teams in der Königsklasse. Niemand stoppte sie, auch nicht durch ein taktisches Foul. In der Bundesliga zeigte sie dieses Zweikampfverhalten auch schon, vor allem nach Gegentreffern, zuletzt am Wochenende in Köln. Trainer Dino Toppmöller bemängelte am Mittwoch, die Gier habe gefehlt. Auch das ist keine neue Kritik. Nach einem Champions-League-Spiel aber wirkt sie befremdlich. Seine Mannschaft war in dieser Saison nervös, als der Trainer versuchte, sie in ihrem Spiel zu stärken, indem er ihr einen Offensivspieler gab und einen Verteidiger nahm. Und dann, als zwei, drei entscheidende Spieler wegfielen, wie am Mittwoch. Rasmus Kristensen fehlte aus privaten Gründen, Torjäger Jonathan Burkardt verletzte sich an der Wade, da stand es noch 0:0. Dann fielen die drei Gegentore, und es war zu sehen: Diesem jungen Team fehlt ein Gerüst, und ein klarer Kopf. Der alternde Mario Götze ist es nicht, auch Kapitän Robin Koch spielt und spricht verunsichert. Kevin Trapp steht mittlerweile in Paris im Tor, Sebastian Rode kommentiert die Spiele von der Tribüne. Was er sieht, ist eine mutlose Mannschaft. Eine, die in fünf Minuten ein Spiel verliert, das ihr noch nachhängen könnte. Und eine, die nicht spielt, als hätte sie ein Jahr um diese Chance gekämpft. Sondern so, als hätte sie Angst vor den Gegnern, die sie unbedingt treffen wollte.