FAZ 30.01.2026
14:13 Uhr

neues Abkommen: Umfassender Waffenstillstand in Syrien


Die Führung in Damaskus und die kurdisch dominierten Syrischen Demokratischen Kräfte haben sich auf ein Abkommen geeinigt. Die Milizen sollen demnach in den syrischen Staat integriert werden.

neues Abkommen: Umfassender Waffenstillstand in Syrien
Umarmung mit letzter Kraft: Alexander Zverev gratuliert fair Carlos Alcaraz. (Foto: William West/AFP)

Die Führung in Damaskus und die kurdisch dominierten Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) haben ein umfassendes Waffenstillstandsabkommen geschlossen. Das teilte sowohl die kurdische Autonomieregierung im Nordosten Syriens als auch die amtliche syrische Nachrichtenagentur SANA mit. Das Rahmenabkommen sehe die schrittweise Integration militärischer Kräfte, also der SDF-Milizen und der Verwaltung, in den syrischen Staat vor. Das Militär beider Seiten soll sich demnach von den Kontaktlinien zurückziehen. Die Sicherheitskräfte des Staates sollen in die bislang kurdisch kontrollierten Städte Hassakeh und Qamishli einrücken. Offenbar wurde eine Kompromissformel für die militärische Integration der SDF gefunden. Es soll eine Division der Streitkräfte aus drei SDF-Brigaden formiert werden. Eine Brigade aus der kurdischen Stadt Kobane soll in eine Division des Gouvernorats Aleppo eingegliedert werden. Zugleich zitierte SANA eine Regierungsquelle mit den Worten, die Eingliederung der Soldaten erfolge „auf individueller Basis“. Die Konfliktparteien hatten lange damit gerungen, ob die SDF blockweise eingegliedert werden können, oder – nach dem Willen der Zentralregierung – vollständig aufgelöst werden. In Koordination mit der Damaszener Führung Die SDF haben dem neuen Waffenstillstand unter militärischem Druck zugestimmt. Die Regierung hatte die SDF, die weite Teile Nordostsyriens kontrollierten, durch eine Militäroffensive massiv zurückgedrängt – und den SDF härtere Bedingungen diktiert. Sie hatte dabei vom Unmut der arabischen Bevölkerung über die SDF profitiert, die von Kadern dominiert werden, die mit der kurdischen PKK-Organisation verbunden sind. Stammeskämpfer hatten sich gegen die SDF erhoben und der F.A.Z. berichtet, das sei in Koordination mit der Damaszener Führung geschehen, die auch die Order ausgegeben habe, maßvoll vorzugehen und keine Racheakte zu verüben. Die SDF waren ein wichtiger Verbündeter der USA im Krieg gegen den „Islamischen Staat“ (IS). Während des Rückeroberungskrieges gegen das Dschihadistenkalifat hatten sie auch Regionen unter ihre Kontrolle gebracht, in denen die Bevölkerung mehrheitlich arabisch ist. In Städten wie Raqqa oder Deir Ezzor wurde der Abzug der SDF als „Befreiung“ gefeiert. In den kurdischen Regionen herrscht hingegen Angst davor, dass die Truppen der von Islamisten dominierten Zentralregierung Massaker an der kurdischen Bevölkerung verüben. Dank an Frankreich und die USA Die kurdische Autonomieregierung dankte in einer Erklärung Frankreich und den USA für ihre Vermittlungsbemühungen – und dafür, als Garantiemächte zu agieren. Unter westlichen Diplomaten herrschte noch leichte Skepsis. Schon im März hatte es eine Einigung gegeben, die aber niemals in die Tat umgesetzt wurde, weil in den Verhandlungen über Detailfragen eine Blockade herrschte. Zuletzt hat indes der amerikanische Druck auf die SDF zugenommen, einen Deal mit Damaskus zu schließen. Die Washingtoner Diplomatie hatte ihren kurdischen Verbündeten gegen den IS deutlich gemacht, sie könnten keine Sonderrolle mehr beanspruchen. Damaskus sei jetzt ebenfalls Partner in der Anti-IS-Koalition. Die militärische Konfrontation hatte Sorgen hervorgerufen, der IS könne davon profitieren.