FAZ 11.08.2026
15:30 Uhr

nach Sky-Übernahme: RTL peilt eine Milliarde Euro mehr Umsatz an


Das Streaminggeschäft legt weiter zu, und die Sky-Übernahme soll sich spürbar im Jahresumsatz niederschlagen. Doch anderswo lässt der Sky-Effekt noch zu wünschen übrig – aus gutem Grund.

nach Sky-Übernahme: RTL peilt eine Milliarde Euro mehr Umsatz an

Die Bundesliga startet erst in knapp zwei Wochen in die neue Saison. Doch schon das erste Samstagabendspiel der zweiten Liga sorgte im Hause RTL dank „hervorragender Quoten“ für Freude. Dass die Partie zwischen Wolfsburg und Kaiserslautern frei empfangbar zu sehen war, ist eigentlich eine Randnotiz: Das Rechtepaket für den Samstagabend des Unterhauses hatte der Sender Ende Dezember 2024 erworben. Doch durch die Übernahme von Sky Deutschland zeigte RTL das Spiel doppelt: Einmal im Free-TV und einmal für zahlende Kunden auf Sky – denn die gesamten Liverechte für die zweite Liga liegen bis zur Saison 2028/2029 bei Sky. Das Portfolio an begehrten Sportrechten war ein wichtiger Faktor für den Griff nach Sky Deutschland. Neben einem Teil der Partien der Ersten Bundesliga gehört dazu auch die englische Premier League oder die Formel 1. Seit dem 1. Juni ist die Übernahme nun abgeschlossen, und dank der Fußball-Sommerpause mit entsprechend geringen Produktionskosten schlägt sich der Zukauf mit einem spürbaren Einmaleffekt in den Halbjahreszahlen der RTL Group nieder. Wie groß ist der Sky-Effekt in den RTL-Zahlen? Um 49,4 Prozent legte das opera­tive Ergebnis (bereinigtes Ebita) auf 239 Millionen Euro nach 160 Millionen im Vorjahreszeitraum zu. Ohne den Sky-Effekt stand bloß ein Plus in Höhe von 18 Millionen Euro zu Buche, wie das im M-Dax notierte Unternehmen am Dienstag mitteilte. Der Umsatz belief sich auf 2,89 Milliarden Euro (plus 3,9 Prozent), ohne Sky lag das Plus bei 0,1 Prozent. Die RTL-Aktie notierte am Mittag leicht im Plus. Knapp 1,4 Milliarden Euro des Umsatzes (minus 0,7 Prozent) stammen aus der Werbevermarktung. Hier zeigte sich ein bekanntes Bild: Das klassische TV-Werbegeschäft verliert (minus 4 Prozent), die Einnahmen aus dem Digitalen legen zu, plus 10,9 Prozent auf 255 Millionen Euro – aber eben noch nicht schnell genug. Mit 977 Millionen Euro stammt das Gros nach wie vor aus dem Fernsehen. Entsprechend schaut der neue Chef Clément Schwebig umso lieber auf die Entwicklung im Streaminggeschäft: Wie avisiert, schreibt der Bereich operativ nach Jahren der „Anlaufkosten“ seit dem ersten Quartal dieses Jahres schwarze Zahlen. Von einem „Wendepunkt“ sprach Schwebig in der Telefonkonferenz nach Vorlage der Zahlen. Aus den 31 Millionen Euro nach sechs Monaten sollen aufs Jahr 2026 gesehen rund 100 Millionen Euro operativer Gewinn werden, gut doppelt so viel wie bis dato prognostiziert. Auch Netflix und Co. wollen Livesport zeigen Der 49 Jahre alte Franzose hatte zum Mai von Thomas Rabe übernommen, der noch bis Ende des Jahres den RTL-Mutterkonzern Bertelsmann führt. Einen deutlichen Zuwachs konnte er auch für die Zahl der Abonnenten präsentieren: Der Abonnentenstamm von RTL+ in Deutschland und Ungarn sowie dem französischen M6+ beläuft sich – Stand Ende Juni – auf 8,73 Millionen, nach 7,23 Millionen vor einem Jahr. Gut 7,6 Millionen sind Abos des deutschen Dienstes, etwa die Hälfte dieser zahlenden Nutzer hat den Dienst über ein Kombi-Angebot mit der Telekom abonniert. „Eigene“ Abos sind naturgemäß lukrativer für RTL. Zusammen mit den Sky-Kunden komme RTL im deutschsprachigen Raum auf 12,4 Millionen Abonnenten, hieß es. Damit ist man die Nummer drei hinter Amazon Prime und Marktführer Netflix. Im Wettkampf mit den US-Konzernen setzt RTL auch auf gemeinsame Angebote beispielsweise mit HBO Max. Netflix wiederum schielt neben dem Filme- und Serienangebot vermehrt auch auf Livesport. Ende vergangenen Jahres schnappte sich Netflix die US-Rechte an der Fußball-Weltmeisterschaft der Frauen in den Jahren 2027 und 2031. Paramount dagegen hat vor einiger Zeit ein begehrtes Rechtepaket für Deutschland erworben: So laufen hierzulande ab der Saison 2027/2028 die meisten Champions-League-Spiele auf Paramount+. Amazon hält weiter sein  „Top-Spiel-Paket“ und darf sich am Spieltag eine Partie am Mittwoch herauspicken. Den großen Reiz von Sportrechten untermauerte Schwebig mit einem Blick nach Frankreich. Die Weltmeisterschaft sei für den Sender M6 ein riesiger Erfolg gewesen. Mit den Übertragungen erzielte M6 im Juni die höchsten Marktanteile bei den unter Fünfzigjährigen seit 24 Jahren, heißt es in der RTL-Mitteilung. Auch von „einer außergewöhnlich hohen Nachfrage seitens der Werbekunden“ ist die Rede. Die Sky-Übernahme soll sich übrigens nicht nur in Parallelübertragungen des Zweitliga-Abendspiels für Fernsehzuschauer bemerkbar machen. RTL plant auch einzelne Spiele der ersten Liga frei empfangbar zu zeigen. In der Hoffnung, dass das nicht nur Fußballfans ohne Sky-Abo, sondern auch Werbekunden reizt. RTL-Umsatz soll auf bis zu 7,2 Milliarden Euro zulegen Doch gefragte Sportrechte sind bekanntlich teuer. Die Ausgaben für Bundesliga, Formel 1 und Co. dürften ein maßgeblicher Grund dafür sein, dass RTL für das Gesamtjahr den erwarteten Ebita-Anteil von Sky mit plus minus null beziffert. Das sei für sich genommen schon ein Erfolg in Anbetracht der jahrelangen Verluste von Sky Deutschland als eigenständiges Unternehmen, so RTL-Finanzchef Björn Bauer, hier zeigten sich schon erste Synergieeffekte. Ab dem dritten Jahr sollen diese in Höhe von 250 Millionen Euro jährlich erzielt werden. Inwieweit weitere Stellenstreichungen geplant seien, ließen Schwebig und Bauer am Dienstag offen. RTL Deutschland hatte Anfang Dezember 2025 den Abbau von rund 600 Arbeitsplätzen angekündigt, um sich „noch gezielter“ auf das Streaming auszurichten. Während die Prognose für den Jahresumsatz nach der vollzogenen Sky-Übernahme um gut eine Milliarde Euro auf bis zu 7,2 Milliarden Euro angehoben wurde, bleibt sie mit rund 725 Millionen Euro für das opera­tive Ergebnis unverändert. Im zweiten Halbjahr soll auch der Umsatz der Produktionsgesellschaft Fremantle dank gefragter Produktionen wieder anziehen, nachdem er zum Halbjahr um 7,7 Prozent auf 835 Millionen Euro zurückgegangen war.