Donald Trump sagte zwar am Mittwochabend in Davos, dass Wladimir Putin seine Einladung zum „Friedensrat“ schon angenommen habe. In Wirklichkeit hatte Russlands Herrscher zuvor jedoch nur seine Funktionäre angewiesen, einen Beitritt zum geplanten Gremium des amerikanischen Präsidenten zu prüfen. Das Außenministerium solle die „zu uns gelangten Dokumente studieren und sich mit unseren strategischen Partnern beraten, und erst danach können wir die Antwort auf die uns übergebene Einladung geben“, sagte Putin in einer Videoschalte mit den Mitgliedern seines Nationalen Sicherheitsrats. Doch Putins ausführlicher Dank an „den Präsidenten der USA“ für die Beitrittseinladung zeigte neuerlich, wie sehr ihm an einem guten Verhältnis zu Trump gelegen ist. So sehr, dass Putin darüber sogar geneigt wirkt, eine ganz auf Trump persönlich zugeschnittene Initiative zu fördern, die nach Meinung vieler Beobachter die Vereinten Nationen schwächt. Im Widerspruch zur Moskauer Tradition Traditionell gilt Russlands ständiger Sitz im UN-Sicherheitsrat in Moskau als ein Unterpfand des eigenen Großmachtstatus. Ein Sitz unter Dutzenden in einem womöglich mit dem UN-Sicherheitsrat rivalisierenden Gremium unter Trumps Dauervorsitz passt eigentlich nicht zu diesem Bild. Aber Putin umwirbt Trump weiter, will ihn sich gewogen halten. So versuchte er sich nun gleichsam an einer Quadratur des Kreises: Das Wichtigste sei, dass sich „der ganze Prozess“ um den „Friedensrat“ positiv auf die Beilegung des „palästinensisch-israelischen Konflikts“ auswirke, „auf der Grundlage der entsprechenden Entscheidungen“ der UN, sagte er. Putin warf neben dem Lob für Trumps Vorstoß – man unterstütze immer jede Initiative zur „Stärkung der internationalen Stabilität“ – einen weiteren Köder in Richtung des amerikanischen Präsidenten aus: Schon vor der Entscheidung über eine Teilnahme an dessen Gremium „könnten wir, denke ich, dem ‚Friedensrat‘ eine Milliarde US-Dollar aus den noch unter der Vorgängerregierung der USA eingefrorenen russischen Vermögenswerten schicken“. Putin will neuen Zwist im G-7-Lager schüren Das wäre eine glatte Zweckentfremdung. Nach dem russischen Überfall auf die Ukraine vor bald vier Jahren waren in den USA vier bis fünf Milliarden Dollar an Reserven der russischen Zentralbank eingefroren worden; das ist nur ein kleiner Teil der insgesamt 280 Milliarden Dollar, die damals eingefroren worden sind, mehr als zwei Drittel davon liegen bei der in Belgien ansässigen Bank Euroclear. Das soll laut dem G-7-Beschluss so bleiben, bis Russland die in der Ukraine verursachten Schäden ersetzt. Zudem kann Russland, anders als Putin behauptete, derzeit gar nicht über diese Vermögenswerte verfügen oder diese „schicken“. Sein Ziel in der Sache ist offensichtlich, Trump dazu zu verleiten, in einer weiteren Grundsatzfrage mit den G-7-Partnern der USA zu brechen. Zu diesem Zweck entspricht die Summe von einer Milliarde Dollar wohl nicht zufällig der, die ein Land Trumps Entwurf zufolge zahlen soll, um ständig im „Friedensrat“ vertreten zu sein. Nur scheinbar konziliant Putin sagte weiter, die verbleibenden in den USA eingefrorenen russischen Gelder könnten „nach Abschluss eines Friedensvertrags zwischen Russland und der Ukraine“ benutzt werden, um „Territorien instand zu setzen, die im Laufe der Kampfhandlungen gelitten haben“. Darüber habe man schon mit den Amerikanern gesprochen. Das klingt konziliant, doch die Ukraine braucht viel mehr Geld als drei bis vier Milliarden Dollar. Die Weltbank schätzte den Bedarf des angegriffenen Landes für die kommenden zehn Jahre schon im Februar 2025 auf 524 Milliarden Dollar, und die ukrainische Regierung sprach kürzlich von 800 Milliarden Dollar. Außerdem gibt es Zerstörungen, denen es abzuhelfen gilt, auch in den russisch besetzten Gebieten, die Moskau beansprucht: Putins Soldaten erobern Ruinen. Zudem ändert das vermeintliche Angebot nichts an Putins weiter erhobenen Maximalforderungen für einen solchen Friedensschluss, nach denen mindestens die Ukraine nicht wiederzuerkennen wäre. Hier geht es Putin offenkundig darum, sich trotz der fortdauernden russischen Angriffe auf die Ukraine konstruktiv zu geben, wie auch in der neuen, noch für diesen Donnerstag erwarteten Begegnung mit Trumps Emissären Steve Witkoff und Jared Kushner in Moskau. Ein sehr genau vorbereiteter Auftritt Wie schon am 21. November, als es in Putins Sicherheitsrat um Trumps 28-Punkte-Ausgangsentwurf zum „Friedensplan“ im Angriffskrieg gegangen war, antwortete der russische Herrscher abermals auf scheinbar spontane Bitten seiner Parlamentsoberhausvorsitzenden, Valentina Matwijenko. Jetzt sollte er den „Friedensrat“ sowie „die Situation um Grönland“ kommentieren. Wie genau Putin seine Einlassungen vorbereitet und auf die Beeinflussung von Trump gemünzt hatte, zeigte sich spätestens in Sachen Grönland: Anhand einer Analogie zum Kauf Alaskas durch die USA vom russischen Zarenreich 1867 und genauer Angaben zur Größe der beiden Gebiete sagte Putin, der „Preis für Grönland wäre so 200 bis 250 Millionen Dollar“. Mit Blick auf „die damaligen Goldpreise“ wäre der Preis jetzt „wahrscheinlich“ eher in der Nähe einer Milliarde Dollar, „aber ich glaube, die Vereinigten Staaten werden auch diese Zahl noch anziehen“. Zudem hob er hervor, dass Dänemark ja schon „Erfahrung“ damit habe, den USA ein Gebiet zu verkaufen, nämlich 1917 die Jungferninseln, und dass das Land „hart, um nicht zu sagen brutal“ mit Grönland umgegangen sei. „Uns geht es überhaupt nichts an, was mit Grönland passiert“, hob Putin zu Beginn seiner Ausführungen hervor, „uns geht das wirklich nichts an“, wiederholte er am Ende; „ich denke, dass sie das unter sich ausmachen“, sagte er mit Blick auf Amerikaner und Dänen. Früher wäre die Aussicht auf eine amerikanische Aufrüstung in der Arktis, wie sie aus den von Trump vorgebrachten Argumenten für sein Verlangen nach Grönland folgen würde und angesichts der NATO-Bemühungen um einen Kompromiss womöglich jetzt auch tatsächlich folgen wird, auf wütende Moskauer Reaktionen gestoßen. Von „Kriegstreiberei“ und „russophober Hysterie“ wäre die Rede gewesen, von „Bedrohungen für die strategische Stabilität“ durch das von Trump geplante neue Raketenabwehrsystem „Golden Dome“. Aber jetzt hat Putin auch diese Linie seinem vieles überstrahlenden Versuch untergeordnet, im Ringen mit der Ukraine und deren europäischen Unterstützern Trumps Gunst zu gewinnen.
