FAZ 27.11.2025
11:23 Uhr

„besonders schockierend“: Empörung in Italien nach mutmaßlicher Gruppenvergewaltigung


Die Fahndung nach dem Hauptverdächtigen einer mutmaßlichen Gruppenvergewaltigung in Rom beschäftigt Italien. Vizeregierungschef Matteo Salvini fordert gar die chemische Kastration von Tätern.

„besonders schockierend“: Empörung in Italien nach mutmaßlicher Gruppenvergewaltigung

Der Hauptverdächtige einer mutmaßlichen Gruppenvergewaltigung in einem Park im Osten Roms befindet sich gut einen Monat nach der Gewalttat noch immer auf der Flucht. Die Tat ereignete sich laut italienischen Medienberichten am Abend des 25. Oktober im Park Tor Tre Teste im Osten Roms. Die 19 Jahre alte Frau befand sich mit ihrem 24 Jahre alten Freund in dessen Auto in einem kaum beleuchteten Bereich des Parks, den Pärchen für Schäferstunden zu nutzen pflegen. Die beiden Opfer in dem Auto waren zum Zeitpunkt des Überfalls fast unbekleidet. Nach Aussagen der Opfer sollen fünf junge Männer aus dem Maghreb zunächst mit einem Gegenstand die Seitenscheibe des Wagens eingeschlagen und sodann die Frau aus dem Auto gezerrt haben. „Du kommst jetzt mit mir, wenn du schreist, bringe ich dich um“, soll der mutmaßliche Haupttäter der Frau gedroht haben. Während der Vergewaltigung hielten drei Männer den Freund des Opfers fest, während ein weiterer Täter Schmiere stand. Behörden bewahrten wegen Fahndung zunächst Stillschweigen Der Angestellte eines privaten Sicherheitsdienstes wurde durch die Hilferufe der Opfer auf den Vorfall aufmerksam und alarmierte die Polizei. Zwei Verdächtige, bei denen es sich um jeweils 20 Jahre alte Marokkaner handelt, konnten von der Polizei noch in der Nähe des Tatorts gefasst werden, nachdem sie zunächst zu Fuß geflüchtet waren. Ein verdächtiger Tunesier wurde Wochen später in Verona festgenommen, nachdem die Strafverfolger seine Handydaten lokalisiert hatten. Die Behörden bewahrten über den Vorfall wochenlang Stillschweigen, um die Fahndung nach den noch flüchtigen Verdächtigen nicht zu gefährden. Nach Angaben der Polizei stammen drei der Verdächtigen zwischen 20 und 30 Jahren aus Marokko, zwei aus Tunesien. Alle gehören zu einer Gruppe von Drogendealern in Quarticiollo, einem Brennpunktviertel im Osten Roms, das an den Park Tor Tre Teste grenzt. Drei der Verdächtigen befinden sich in Untersuchungshaft, nach zweien wird weiter gefahndet. Aufgrund von Fingerabdrücken am Tatort, von Verbindungsdaten ihrer Handys sowie von Aussagen der Opfer konnten sie mit dem Überfall und der Vergewaltigung in Verbindung gebracht werden. Alle fünf Mitglieder der Gruppe waren wegen Eigentums- und Drogendelikten polizeibekannt. Ein Polizeisprecher sprach von einem „besonders schockierenden Verbrechen“, die gegen das Paar angewandte Gewalt bezeichnete er als „erschreckend“. Sichergestellte DNA-Proben konnten bisher keinem der festgenommenen Verdächtigen zugeordnet werden. Die Behörden gehen davon aus, dass der mutmaßliche tunesische Haupttäter kurz nach der Tat aus dem Großraum Rom geflohen ist und sich ins Ausland abgesetzt haben könnte. Auch nach einem vierten Tatverdächtigen wird weiterhin gesucht. Die Ermittler glauben, dass der Angriff als Raubüberfall begann, da die Opfer auch bestohlen wurden. In dem vernachlässigten Park, der als Drogenumschlagsplatz berüchtigt ist, war es schon im August zu einer Vergewaltigung gekommen. Als Täter wurde seinerzeit ein 26 Jahre alter Mann aus Gambia ermittelt, der die 60 Jahre alte Frau im Morgengrauen überfallen hatte, als diese ihren Hund ausführte. Der stellvertretende Ministerpräsident Matteo Salvini, Vorsitzender der rechtsnationalen Partei Lega, forderte nach Bekanntwerden der mutmaßlichen Gruppenvergewaltigung im Osten Roms schärfere Strafen. „Wir schlagen die chemische Kastration vor, um Vergewaltiger und Pädophile zu stoppen, unser Vorschlag liegt dem Parlament bereits vor“, schrieb Salvini auf der Plattform X. Es genüge nicht, auf Konferenzen die Gewalt gegen Frauen zu beklagen und sich am Internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen betroffen zu zeigen. Der Vorschlag sieht vor, dass sich verurteilte Sexualstraftäter zur Reduzierung ihrer Haftstrafe freiwillig einer Behandlung mit hormonblockierenden Medikamenten unterziehen, um den Testosteronspiegel zu senken. Bei Wiederholungstätern soll die Maßnahme auch ohne Einwilligung der verurteilten Täter Anwendung finden.