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03.01.2026
13:48 Uhr
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Justizministerin Pam Bondi: „Voller Zorn der amerikanischen Justiz“ +++ Trump bestätigt Gefangennahme Maduros und Angriffe auf Venezuela +++ Alle Entwicklungen im Liveblog

Im Staatsfernsehen betont jetzt Außenminister Yván Gil, dass Nicolás Maduro noch immer Präsident Venezuelas sei. „Die Verfassung ist klar: Der gewählte Präsident – der verfassungsmäßige Präsident – ist Präsident Nicolás Maduro Moros, dessen physische Anwesenheit in Venezuela von der US-Regierung sofort wiederhergestellt werden muss, weil das ein Verstoß ist“, sagt Gil. „Die Institutionen arbeiten mit voller Kraft. Unsere Streitkräfte sind im Einsatz, die Polizei ist im Einsatz, die Öffentlichkeit ist im Einsatz. Alles ist aktiv, um das Vaterland und die Souveränität zu verteidigen.“ Gil ruft die venezolanische Bevölkerung auf, dem Staat zu vertrauen. „Die Verfassung ist solide und robust, sodass wir dieser und jeder anderen Situation begegnen können, wie wir es im Laufe der Geschichte gezeigt haben.“
Amerikas Vizepräsident JD Vance verteidigt die Ergreifung von Venezuelas Machthaber Nicolás Maduro. „Man kann der Justiz in den USA nicht entgehen, nur weil man in einem Palast in Caracas lebt\", schrieb er auf der Plattform X. Anders als andere amerikanische Regierungsvertreter stellt er die Gefangenname bei einem Militäreinsatz aber nicht nur in den Kontext der Bekämpfung angeblichen Drogenhandels. Laut Vance geht es auch um Öl.
Wie konnten die Amerikaner Maduro in einer relativ schnellen Aktion gefangen nehmen? Der amerikanische Geheimdienst CIA hat offenbar die venezolanische Regierung infiltriert. Das berichtet die „New York Times“. In den Tagen und auch noch unmittelbar vor seiner Ergreifung habe eine Quelle in Caracas Maduros Aufenthaltsort beobachtet. Außerdem habe die CIA Drohnen eingesetzt. Dem Bericht zufolge haben CIA und das amerikanische Militär den Zugriff monatelang geplant.
CNN berichtet über einige Details der Gefangennahme von Nicolás Maduro. Dem TV-Sender zufolge wurden der venezolanische Machthaber und seine Frau in ihrem Schlafzimmer aufgegriffen, während sie dort mitten in der Nacht schliefen. Wie zuvor die New York Times berichtet auch CNN, bei der Aktion habe es keine amerikanischen Opfer gegeben.
Der brasilianische Präsident Luiz Inácio Lula da Silva verurteilt den amerikanischen Angriff und die Gefangennahme von Präsident Nicolas Maduro scharf. Die Handlungen seien ein schwerwiegender Affront gegen die Souveränität Venezuelas und ein extrem gefährlicher Präzedenzfall für die internationale Gemeinschaft, schreibt Lula auf X. Ein solcher Bruch des Völkerrechts sei der erste Schritt in eine Welt der Gewalt und des Chaos, in der das Recht des Stärkeren herrsche. Die Aktion erinnere an die schlimmsten Momente der Einmischung in die Politik Lateinamerikas und der Karibik. Die internationale Gemeinschaft müsse über die Vereinten Nationen energisch reagieren.
In der internationalen Politik hängt fast alles mit allem zusammen. Das zeigen auch die Reaktionen nach dem amerikanischen Angriff auf Venezuela. Der ukrainische Außenminister zum Beispiel betont, sein Land trete für die demokratische Selbstbestimmung ein – Maduros Regime habe die liberalen Prinzipien in jeder Hinsicht verletzt. Sein Statement beendet Andrij Sybiha so: „Danke an jeden auf der ganzen Welt, der hilft Leben zu schützen“. Das kann man auch als Bitte um weitere amerikanische Unterstützung gegen den russischen Angreifer lesen.
Was sagen deutsche Außenpolitiker zum amerikanischen Angriff auf Venezuela und der von US-Präsident Trump verkündeten Gefangennahme von Nicolás Maduro?Jürgen Hardt (CDU), außenpolitischer Sprecher der Unionsfraktion: „Maduro hat seit vielen Jahren die Zivilgesellschaft in Venezuela unterdrückt und Terror und Drogen in der Region als Machtinstrument zur Destabilisierung seiner Gegner unterstützt. Das war völkerrechtswidrig. Das Ende seiner Herrschaft ist aus Sicht der Menschenrechte eine gute Nachricht.\"Roderich Kiesewetter (CDU): „Die USA verlassen mit Präsident Trump endgültig die regelbasierte Ordnung, die uns seit 1945 geprägt hat. Venezuela ist zwar ein Unrechtsstaat, aber kein Iran, der Nachbarländer wie Israel in der Existenz bedroht\" Adis Ahmetovic, außenpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion: „Was wir hier mutmaßlich erleben, ist eine hochgefährliche Verschiebung der internationalen Ordnung. Wenn militärische Gewalt ohne UN-Mandat eingesetzt, Regime-Change offen betrieben und das Völkerrecht zur Verhandlungsmasse degradiert wird, dann ersetzt das Recht des Stärkeren zunehmend die Stärke des Rechts. Wer internationales Recht missachtet und Macht über Regeln stellt, unterscheidet sich im Handeln nicht von autoritären Akteuren.\" Metin Hakverdi (SPD), Transatlantik-Koordinator der Bundesregierung: „Bereits jetzt gibt es eine innenpolitische Diskussion in den USA, nicht nur Demokraten kritisieren die Militärschläge. Der Kongress war hierzu ja nicht befasst worden\", sagte Hakverdi zu Reuters. Den US-Militärschlag müsse man vor dem Hintergrund der neuen nationalen Sicherheitsstrategie der USA verstehen. Die westliche Hemisphäre sei nun strategische Priorität der USA. „Dort wollen die USA gegen Drogenschmuggel, aber auch den Einfluss fremder Mächte entschieden vorgehen, gegebenenfalls mit Gewalt. Die USA sahen Venezuela als Quelle von Instabilität in der Region.\" Jan van Aken, Chef der Linken: „Wer wie Trump das Völkerrecht bricht und Präsidenten entführen lässt, der betreibt brutalen Staatsterrorismus.\" Er forderte Sanktionen gegen die USA. „Bei völkerrechtswidrigen Angriffskriegen darf nicht mit zweierlei Maß gemessen werden\". fügte er gegenüber der „Bild“-Zeitung hinzu. Wer Russlands Präsident Wladimir Putin sanktioniere, müsse auch Trump sanktionieren. Die Bundesregierung müsse auf eine sofortige Verurteilung des US-Angriffes durch den UN-Sicherheitsrat und die UN-Generalversammlung dringen.Katharina Dröge, Fraktionschefin der Grünen: „Die Luftangriffe auf die Hauptstadt Venezuelas durch die USA stellen einen Bruch des Völkerrechts dar. Und sie sind eine gefährliche militärische Eskalation\", sagte Grünen-Fraktionschefin Katharina Dröge dem RedaktionsNetzwerk Deutschland. Sie erwarte von der Bundesregierung eine klare Verurteilung.Sahra Wagenknecht, Politikerin des BSW: „Trumps Militärschlag gegen Venezuela und die Festnahme Maduros sind ein eklatanter Bruch aller Regeln des Völkerrechts, um sich nach Wildwestmanier den Zugang zu den venezolanischen Ölquellen zu sichern\", sagte sie zu Reuters. Auch sie sprach von amerikanischem \"Staatsterrorismus\".
Eindrücke aus der venezolanischen Hauptstadt Caracas nach den amerikanischen Angriffen:
Dass ein Staat das Oberhaupt eines anderen Staates entführt, passiert sehr selten. Washington begründet die Gefangennahme von Nicolás Maduro einerseits mit dessen angeblichen kriminellen Drogengeschäften. Andererseits sehen die Vereinigten Staaten – wie auch europäische Länder – in Maduro ohnehin nicht den legitimen Präsidenten Venezuelas. Außenminister Marco Rubio hatte das immer wieder betont.Noch unter Joe Biden entschieden die USA 2024, Maduro nicht mehr als rechtmäßigen Präsidenten Venezuelas anzuerkennen. Als solchen sehen die Vereinigten Staaten Edmundo González, der bei der Wahl 2024 als Kandidat angetreten war, nachdem die Bürgerrechtlerin María Corina Machado nicht antreten durfte. Sie erhielt später den Friedensnobelpreis. Trotz seines Wahlsiegs wurde González von Maduros Regime die Präsidentschaft verwehrt. Vor Maduros Verfolgung floh er ins Ausland.
Das russische Außenministerium hat das militärische Eingreifen der USA in Venezuela als „Akt der bewaffneten Aggression“ bezeichnet, der „tiefe Besorgnis und Verurteilung“ hervorrufe. „Die zur Rechtfertigung solcher Maßnahmen angeführten Gründe sind unhaltbar“, hieß es in einer Erklärung weiter, die noch nicht auf die angebliche Ergreifung von Machthaber Nicolás Maduro durch die Amerikaner eingeht. „Ideologische Feindseligkeit hat die Oberhand über geschäftlichen Pragmatismus und die Bereitschaft gewonnen, vertrauensvolle und berechenbare Beziehungen aufzubauen.“ Venezuela müsse das Recht haben, „sein Schicksal selbst zu bestimmen, ohne irgendeine destruktive oder gar militärische Einmischung von außen“, forderte das Außenministerium. Russland und Venezuela verbindet unter anderem ein „Vertrag über eine strategische Partnerschaft und Zusammenarbeit“. Doch hatte sich Wladimir Putins Machtapparat angesichts der militärischen Drohkulisse der USA gegen das Maduro-Regime mit einer offenen Parteinahme zurückgehalten. Bei einem Telefonat Putins mit Maduro im Dezember benannte der russische Herrscher dann nicht einmal die Amerikaner direkt, sondern versicherte Maduro nur seiner „Solidarität“ und „Unterstützung“. Grund dürfte die Rücksichtnahme auf die Beziehungen zu US-Präsident Donald Trump gewesen sein, auf die man setzt, um im Angriffskrieg gegen die Ukraine voranzukommen. Zuletzt haben die Moskauer Bemühungen allerdings mit Blick auf die Verhandlungen über ein hypothetisches Friedensabkommen Dämpfer erlitten und neben Venezuela bedroht Trumps Regierung nun auch noch einen weiteren russischen Partner: Iran.
In ihrer ersten Reaktion hat die EU-Außenbeauftragte einerseits betont, dass das Völkerrecht geachtet werden muss. Andererseits erinnert Kaja Kallas daran, dass „Herrn Maduro“ die Legitimität fehlt, um Venezuela zu regieren.
Trump hat hervorgehoben, dass der Angriff auf Venezuela und die Gefangennahme des Machthabers Nicolás Maduro „zusammen mit den Strafverfolgungsbehörden“ erfolgt sei. Die Vereinigten Staaten suchen Maduro seit 2020 unter anderem wegen angeblichen Rauschgifthandels. Noch während Trumps erster Amtszeit wurde Maduro vor einem Bundesbezirksgericht in New York wegen Korruption, Rauschgifthandel und anderer Delikte angeklagt. Das Außenministerium setzte eine Belohnung von zuletzt 50 Millionen Dollar aus auf Hinweise, die zu seiner Ergreifung oder Verurteilung führen würden.
Mitglieder der venezolanischen Regierung haben die Bevölkerung aufgefordert, Ruhe zu bewahren. Innenminister Diosdado Cabello sagte zum Beispiel, die Amerikaner hätten „mit ihren Bomben und Raketen“ nur einen Teil ihrer Ziele erreicht. Es sei den USA nicht gelungen, die Bevölkerung Venezuelas in Angst zu versetzen. „Bleibt bitte ruhig. Vertraut uns, wir kriegen das hin“, sagte Diosdado Cabello. Aufnahmen des venezolanischen Staatsfernsehens zeigen ihn mit schusssicherer Weste und Helm, umgeben von Sicherheitskräften.