FAZ 03.01.2026
19:42 Uhr

angriff auf Venezuela: Trump: Wir werden Venezuela vorerst führen


Vizepräsidentin Rodríguez fordert Maduros Freilassung +++ US-Präsident will venezolanisches Öl verkaufen +++ Foto von gefesseltem Maduro veröffentlicht +++ Pressekonferenz in Mar-a-Lago +++ Alle Entwicklungen im Liveblog

angriff auf Venezuela: Trump: Wir werden Venezuela vorerst führen

Große US-Fluggesellschaften annullieren nach dem Militäreinsatz in Venezuela Hunderte Flüge. Betroffen sind unter anderem American Airlines, Delta, Spirit Airlines und JetBlue Airways. Die US-Luftfahrtbehörde FAA sperrt den Luftraum über der Karibik und verweist auf Sicherheitsrisiken im Zusammenhang mit dem Militäreinsatz, der andauere. US-Verkehrsminister Sean Duffy teilt auf der Plattform X mit, die Beschränkungen würden aufgehoben, „wenn es angemessen ist“.

Nach der Entmachtung des Staatspräsidenten Nicolás Maduro in Venezuela sollte nach Worten von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron der Oppositionspolitiker Edmundo González Urrutia die Verantwortung in dem Land übernehmen. „Der bevorstehende Übergang muss friedlich, demokratisch und unter Achtung des Willens des venezolanischen Volkes erfolgen“, teilte Macron mit. „Wir wünschen uns, dass der 2024 gewählte Präsident Edmundo González Urrutia diesen Übergang rasch sicherstellen kann.“Macron hob hervor, das venezolanische Volk können sich freuen, von der Diktatur Maduros befreit worden zu sein. Dieser habe die Würde seines eigenen Volkes schwer verletzt, schrieb Macron auf der Plattform X. US-Präsident Donald Trump verbreitete Macrons Stellungnahme auf seiner eigenen Plattform Truth Social weiter. 

Der britische Premierminister Keir Starmer begrüßt das Ende der Herrschaft des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro. „Wir betrachteten Maduro als einen illegitimen Präsidenten und wir vergießen keine Träne über das Ende seines Regimes“, heißt es in einer auf der Regierungswebseite veröffentlichten Mitteilung Starmers. Starmer erklärt, er plädiere für einen sicheren und friedlichen Übergang zu einer legitimen Regierung, die den Willen des venezolanischen Volkes widerspiegele. Die britische Regierung werde die Lage in den kommenden Tagen mit den USA erörtern.

Venezuelas Vizepräsidentin Delcy Rodríguez hat dem durch das US-Militär entmachteten Staatschef Nicolás Maduro den Rücken gestärkt. Maduro sei „der einzige Präsident Venezuelas“, sagte Rodríguez am Samstag bei einer live im venezolanischen Fernsehen übertragenen Ansprache. Sie forderte die „sofortige Freilassung“ Maduros und seiner Frau Cilia Flores.

Jetzt äußert sich auch Kanzler Friedrich Merz zur Gefangennahme Maduros durch die USA. Nicolás Maduro habe sein Land ins Verderben geführt, schreibt er bei X. „Die letzte Wahl wurde gefälscht. Die Präsidentschaft haben wir – wie viele andere Staaten auf der Welt – daher nicht anerkannt.“ Maduro habe in der Region eine problematische Rolle gespielt. Vor einer Bewertung des amerikanischen Angriffs auf Venezuela drückt sich Merz. Die rechtliche Einordnung sei komplex, schreibt er, dazu nehme sich die Regierung Zeit. „Maßstab bleibt das Völkerrecht. Jetzt darf in Venezuela keine politische Instabilität entstehen. Ziel sollte ein geordneter Übergang hin zu einer durch Wahlen legitimierten Regierung sein.“

Während Nicolás Maduro nach New York transportiert wird, kritisiert der neue Bürgermeister der Stadt, Zohran Mamdani, die Militäroperation in Venezuela als „Akt des Krieges“, der gegen amerikanisches und internationales Recht verstoße:

Während der Pressekonferenz wurde Trump übrigens auch auf den früheren honduranischen Präsidenten Juan Orlando Hernández angesprochen. Der war 2024 von einem amerikanischen Gericht zu 45 Jahren Gefängnis verurteilt worden, weil er von Drogenkartellen, die Kokain durch Honduras in Richtung USA schmuggelten, Millionen Dollar Schmiergeld angenommen hatte. Vor wenigen Wochen begnadigte Trump Hernández.Auf die Frage eines Journalisten, was nun der Unterschied zu Nicolás Maduro sei, dem die US-Behörden ja ebenfalls die Beteiligung am Drogenhandel vorwerfen, sagte Trump: „Der Mann, den ich begnadigt habe, wurde so behandelt, wie die Biden-Regierung einen Mann namens Trump behandelt hat.“ Und weiter: „Dieser Mann wurde total unfair behandelt.“

Abermals wird Trump auf der Pressekonferenz gefragt, ob es denkbar sei, dass die USA nun über Jahre hinweg Venezuela verwalten – und wie das zu seiner Amerika-zuerst-Politik passe. Der Präsident verneint nicht, dass es so lange dauern könne. Aber darin liege kein Problem, „denn das Geld sprudelt aus dem Boden“, sagt Trump mit Blick auf sein Vorhaben, die Ölindustrie des Landes zu beleben. „Wir werden eine Menge Wohlstand aus dem Boden holen“, sagt Trump. Das Geld diene teils dazu, die Vereinigten Staaten zu „entschädigen“, und teils solle es den Venezolanern zugutekommen.  Die Verwaltung Venezuelas werde die USA „gar nichts“ kosten. Eine „Präsenz am Boden“ sei vor allem bei den Ölanlagen notwendig. Trump lässt offen, ob er dabei von Soldaten spricht. „Amerika zuerst“ bedeutet auch, „dass wir uns mit guten Nachbarn umgeben“, erläutert Trump außerdem.

Verwirrung um Maduros Stellvertreterin Delcy Rodríguez: Trump berichtet, sie sei soeben als Präsidentin vereidigt worden und habe daraufhin „mit Marco“ telefoniert, also mit Trumps Außenminister und Nationalem Sicherheitsberater Rubio. Delcy Rodríguez sei bereit zu guter Kooperation mit den Vereinigten Staaten. Das widerspricht diametral ihren öffentlichen Äußerungen vom Samstagmorgen. Trump aber sagt: \"Letztlich ist sie bereit das zu tun, was wir für nötig halten, um Venezuela wieder großartig zu machen.\" Mit Oppositionsführerin María Corina Machado, die im Dezember in Oslo den Friedensnobelpreis verliehen bekommen hatte, habe man dagegen keinen Kontakt gehabt, sagt Trump. Sie könne das Land nicht führen, ihr fehlten die Kontakte, urteilt Trump. Der Präsident hatte selbst den Nobelpreis angestrebt.

Amerika werde Venezuela für eine längere Weile führen müssen, sagt Trump – denn die Infrastruktur sei völlig marode. Abermals macht er deutlich, dass ein Hauptziel der US-Verwaltung Venezuelas der Verkauf von Öl auf dem Weltmarkt ist, um US-Konzerne zu entschädigen und um Geld zu haben, um das Land zu regieren.

Auf die Frage, ob die Kongressführer vorab in die Angriffspläne eingeweiht worden seien, antwortet Außenminister Marco Rubio ausweichend: Man habe zum Beispiel wegen der Wetterbedingungen nicht vorher absehen können, wann man zuschlagen werde. Abermals mischt sich Trump ein: Man habe dem Kongress nichts gesagt, weil dann die Informationen geleakt worden wären, sagt der Präsident.

Trump wird gefragt, ob er jetzt Bodentruppen nach Venezuela schicke, die berühmten „Stiefel am Boden“ (boots on the ground). Er antwortet: „Wir haben keine Angst vor Stiefeln auf dem Boden.“ Es seien ja auch einige Elitesoldaten in der Nacht auf Samstag auf dem Boden tätig gewesen. Amerika werde Venezuela sehr „umsichtig führen“, bekräftigt Trump. Durch wen, wollen die Reporter wissen. „Vor allem durch die Leute, die hier hinter mir stehen“, sagt Trump: Außenminister Marco Rubio, Verteidigungsminister Pete Hegseth und Generalstabschef Dan Caine.Wieder und wieder macht Trump klar, dass die Ölindustrie zum Laufen gebracht werde und dass enteignete US-Amerikaner von den Erlösen entschädigt werden sollen. Das soll offenbar vor einer Machtübergabe geschehen.

Laut CNN soll das Kriegsschiff U.S.S. Iwo Jima mit dem gefangenen Nicolás Maduro an Bord zunächst die Militärbasis Guantánamo auf Kuba anlaufen. Von dort solle der venezolanische Präsident voraussichtlich mit einem Flugzeug nach New York gebracht werden, berichtet der Sender unter Berufung auf zwei mit den Plänen vertraute Quellen. So könnte Maduro, heißt es, direkt einem Haftrichter in New York vorgeführt werden, wo eine Anklage gegen ihn vorliegt. Maduro werde noch heute in New York erwartet, so CNN weiter, und dort wahrscheinlich ins Bundesgefängnis in Brooklyn gebracht.