Trumps Pressekonferenz hat begonnen. Er spricht vom mächtigsten Angriff der Vereinigten Staaten seit dem Zweiten Weltkrieg. „Keine Nation der Welt könnte erreichen, was die Vereinigten Staaten ... in kurzer Zeit erreicht haben.\"
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03.01.2026 15:50 Uhr |

Trumps Pressekonferenz hat begonnen. Er spricht vom mächtigsten Angriff der Vereinigten Staaten seit dem Zweiten Weltkrieg. „Keine Nation der Welt könnte erreichen, was die Vereinigten Staaten ... in kurzer Zeit erreicht haben.\"
Während in Mar-a-Lago die Journalisten darauf warten, dass die Pressekonferenz endlich beginnt, veröffentlicht Donald Trump bei Truth Social ein Video der US-Militäroperation in Venezuela – unterlegt mit dem Lied „Fortunate Son\" der amerikanischen Rockband Creedence Clearwater Revival.
Donald Trump hatte für 11 Uhr zu einer Pressekonferenz in seinem Golfklub Mar-a-Lago in Florida eingeladen – 17 Uhr deutscher Zeit. Doch der amerikanische Oberbefehlshaber lässt die Presse warten.
Die Bundesregierung hat eine Reisewarnung für ganz Venezuela ausgesprochen. Der Krisenstab der Bundesregierung sei im Auswärtigen Amt zusammengetreten, sagt eine Sprecherin des Außenamts. Deutsche Staatsangehörige im Land seien aufgerufen, an einem sicheren Ort zu bleiben. Das Auswärtige Amt stehe im „engsten Kontakt“ mit der Botschaft in Caracas. Eine klare Einschätzung zu der Festsetzung des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro durch das US-Militär gibt es weiter nicht. Die Bundesregierung betrachte die Lage „weiter mit Sorge, fortlaufend und sehr genau“, heißt es nur. Man stimme sich mit Partnern ab. „Wir rufen alle Beteiligten auf, nichts zu tun, was zu einer Zuspitzung der Lage führen könnte und Wege zu einer politischen Beilegung zu suchen. Völkerrechtliche Normen sind einzuhalten.“
Oppositionsführerin María Corina Machado meldet sich zu Wort. „Venezolaner, die Stunde der Freiheit ist gekommen“, schreibt die kürzlich mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnete venezolanische Politikerin bei X. In einem angehängten Brief schlägt sie Edmundo González als neuen Präsidenten Venezuelas vor. Maduro sei abgesetzt worden, weil er sich Verhandlungen verweigert habe. González teilte den Post bei X und fügte hinzu: „Venezolaner, dies sind entscheidende Stunden, seid euch bewusst, dass wir bereit sind für die große Operation des Wiederaufbaus unserer Nation.“Der Diplomat González war bei der Präsidentenwahl 2024 als Spitzenkandidat des Oppositionsbündnisses angetreten, nachdem Machado das passive Wahlrecht entzogen worden war. Laut Auszählungen der Opposition gewann González die Wahl, international wurde er von zahlreichen Ländern als Sieger anerkannt. Maduro beanspruchte den Sieg dennoch für sich, González musste das Land verlassen.
Nun hat auch UN-Generalsekretär António Guterres auf den amerikanischen Angriff reagiert. „Unabhängig von der Situation in Venezuela, diese Entwicklungen stellen einen gefährlichen Präzedenzfall dar.“ Der US-Militäreinsatz habe potentiell besorgniserregende Auswirkungen auf die Region, heißt es in einer Erklärung.
Offenbar haben sich venezolanische Kräfte gegen den amerikanischen Angriff gewehrt. US-Präsident Trump sagte, ein amerikanischer Hubschrauber sei stark beschädigt worden. Aber alle eingesetzten Fahrzeuge und Soldaten seien zurückgekehrt. So weit er wisse, gebe es auf amerikanischer Seite nur Verletzte, keine Toten, sagte Trump dem Sender Fox News.
Reuters meldet, dass die venezolanische Vizepräsidentin Delcy Rodríguez nach Russland geflohen sei. Die Nachrichtenagentur beruft sich auf „vier Leute, die über ihre Bewegungen Bescheid wissen“. Ihr Bruder Jorge Rodriguez, der Chef der Nationalversammlung, sei weiterhin in Caracas.Das russische Außenministerium widersprach der Meldung umgehend. Außenminister Lawrow habe in einem Telefonat mit Rodríguez „seine feste Solidarität mit dem venezolanischen Volk angesichts der bewaffneten Aggression“ gezeigt.Am frühen Samstagmorgen hatte sich Delcy Rodríguez in einer Audionachricht zu Wort gemeldet und von der amerikanischen Regierung ein Lebenszeichen von Präsident Maduro gefordert. Offiziell ist Delcy Rodríguez die Nummer zwei der venezolanischen Regierung. Mehr über sie hat mein Kollege Daniel Deckers hier aufgeschrieben:
Im Staatsfernsehen betont jetzt Außenminister Yván Gil, dass Nicolás Maduro noch immer Präsident Venezuelas sei. „Die Verfassung ist klar: Der gewählte Präsident – der verfassungsmäßige Präsident – ist Präsident Nicolás Maduro Moros, dessen physische Anwesenheit in Venezuela von der US-Regierung sofort wiederhergestellt werden muss, weil das ein Verstoß ist“, sagt Gil. „Die Institutionen arbeiten mit voller Kraft. Unsere Streitkräfte sind im Einsatz, die Polizei ist im Einsatz, die Öffentlichkeit ist im Einsatz. Alles ist aktiv, um das Vaterland und die Souveränität zu verteidigen.“ Gil ruft die venezolanische Bevölkerung auf, dem Staat zu vertrauen. „Die Verfassung ist solide und robust, sodass wir dieser und jeder anderen Situation begegnen können, wie wir es im Laufe der Geschichte gezeigt haben.“
Amerikas Vizepräsident JD Vance verteidigt die Ergreifung von Venezuelas Machthaber Nicolás Maduro. „Man kann der Justiz in den USA nicht entgehen, nur weil man in einem Palast in Caracas lebt\", schrieb er auf der Plattform X. Anders als andere amerikanische Regierungsvertreter stellt er die Gefangenname bei einem Militäreinsatz aber nicht nur in den Kontext der Bekämpfung angeblichen Drogenhandels. Laut Vance geht es auch um Öl.
Wie konnten die Amerikaner Maduro in einer relativ schnellen Aktion gefangen nehmen? Der amerikanische Geheimdienst CIA hat offenbar die venezolanische Regierung infiltriert. Das berichtet die „New York Times“. In den Tagen und auch noch unmittelbar vor seiner Ergreifung habe eine Quelle in Caracas Maduros Aufenthaltsort beobachtet. Außerdem habe die CIA Drohnen eingesetzt. Dem Bericht zufolge haben CIA und das amerikanische Militär den Zugriff monatelang geplant.
CNN berichtet über einige Details der Gefangennahme von Nicolás Maduro. Dem TV-Sender zufolge wurden der venezolanische Machthaber und seine Frau in ihrem Schlafzimmer aufgegriffen, während sie dort mitten in der Nacht schliefen. Wie zuvor die New York Times berichtet auch CNN, bei der Aktion habe es keine amerikanischen Opfer gegeben.
Der brasilianische Präsident Luiz Inácio Lula da Silva verurteilt den amerikanischen Angriff und die Gefangennahme von Präsident Nicolas Maduro scharf. Die Handlungen seien ein schwerwiegender Affront gegen die Souveränität Venezuelas und ein extrem gefährlicher Präzedenzfall für die internationale Gemeinschaft, schreibt Lula auf X. Ein solcher Bruch des Völkerrechts sei der erste Schritt in eine Welt der Gewalt und des Chaos, in der das Recht des Stärkeren herrsche. Die Aktion erinnere an die schlimmsten Momente der Einmischung in die Politik Lateinamerikas und der Karibik. Die internationale Gemeinschaft müsse über die Vereinten Nationen energisch reagieren.