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04.01.2026
10:25 Uhr
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Demokraten werfen Trump Täuschung vor +++ Oberstes Gericht ernennt Rodríguez zur Interimspräsidentin +++ Gefangener Maduro in New Yorker vorgeführt +++ Alle Entwicklungen im Liveblog

Der CDU-Außenpolitik Roderich Kiesewetter sieht im Vorgehen Trumps in Venezuela einen Angriff auf die regelbasierte Ordnung. Es sei ersichtlich, dass der amerikanische Präsident stattdessen „auf eine Politik der Einflusszonen setzt, in denen das Recht des Stärkeren und nicht Völkerrecht gilt“, sagte Kiesewetter der F.A.Z. am Sonntag. „Wir sind zurück bei dem Denken in Einflusszonen und an raumfremde Mächte, das war leider absehbar“, so Kiesewetter.Aus seiner Sicht hatte sich abgezeichnet, was nun geschehen ist. Dass Trump mit Gewalt gegen die Souveränität Venezuelas vorgehe und den illegitimen Präsidenten abgesetzt habe, „folgt bisherigen militärischen Aktionen, geframed als Krieg gegen den Drogenschmuggel“. Trump habe jedoch schon länger die Absicht gehabt, Maduro abzusetzen, um einen US-freundlichen Präsidenten zu installieren. „Damit verfolgt er meiner Meinung nach mehrere Ziele: wirtschaftliche, innenpolitische und außenpolitische“. Vorrangig wolle Trump Zugang zu den reichen Ölvorkommen für US-Unternehmen sichern, innenpolitisch wolle er den „starken Mann“ geben. Außenpolitisch werde Trump auch das Ziel haben, die Ölversorgung und die Zusammenarbeit Venezuelas mit China zu unterbinden. „Diese Aspekte sollte man bei allen berechtigten Hoffnungen der Opposition Venezuelas, einen Neuanfang ohne den Diktator Maduro zu erreichen, stets berücksichtigen.“Für Europa muss Kiesewetter zufolge klar sein, „dass die USA unter Trump kein so verlässlicher Partner mehr sind“. Deshalb müsse man eigene Stärke und Smart Power entwickeln – „gerade weil Trump nur auf Stärke reagiert“.
SPD-Chef Lars Klingbeil nennt das amerikanische Vorgehen in Venezuela „sehr bedenklich“. Der venezolanische Machthaber Nicolás Maduro habe zwar ein autoritäres Regime angeführt, das sich mit Gewalt und Unterdrückung an die Macht geklammert habe. „Allerdings kann dies keine Rechtfertigung dafür sein, internationales Recht zu missachten“, sagte Klingbeil. „Das Völkerrecht ist zu achten. Das gilt auch für das Handeln der USA.“ Kanzler Friedrich Merz (CDU) hatte eine rechtliche Einordnung des US-Angriffs zunächst nur als „komplex“ bezeichnet.Klingbeil sagte, jetzt müsse es darum gehen, jegliche weitere Eskalation zu verhindern. Der SPD-Chef rief dazu auf, „den Pfad zu einem friedlichen Übergang zur Demokratie in Venezuela zu finden“. Die venezolanische Bevölkerung müsse selbst über ihre Zukunft entscheiden können.
Ist Venezuela erst der Anfang? Bei seiner Pressekonferenz in Mar-a-Lago gestern deutete Donald Trump auch an, dass sich die USA im Rahmen ihrer regionalen Strategie als Nächstes mit Kuba beschäftigen könnten. „Ich denke, wir könnten auch über Kuba reden, denn Kuba ist ein gescheiterter Staat“, sagte er. Außenminister Marco Rubio äußerte sich noch deutlicher: „Wenn ich die kubanische Regierung in Havanna wäre, wäre ich besorgt.“ Nach der Pressekonferenz ruderte Trump in einem Interview mit der New York Post dann etwas zurück und betonte, keine weitere Militäraktion im Sinn zu haben: „Nein, Kuba wird ganz von selbst fallen“, sagte er. Kuba sei sehr abhängig von Venezuela.
Die Grünen-Politikerin Sara Nanni kritisiert die Reaktion von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und anderen europäischen Regierungschefs deutlich. „Europa und Deutschland geben am Rockzipfel der USA jeglichen Anspruch an internationales Miteinander auf“, sagte die Außenpolitikerin der F.A.Z. am Sonntag. Eine europäische diplomatische Front gegen den Coup der Amerikaner wäre nötig gewesen. „Die kaum zwischen den Zeilen formulierte Kritik kommt eher als Ermutigung an. Nicht nur bei Trump“, so Nannis Analyse. Sie betont, dass auch China und Russland in der Lage wären, ähnliche Aktionen zu starten. Diese fühlten sich ob des „Leisetretens Europas“ sicher ermutigt, von nun an „noch größer und unverfrorener“ zu denken. „Die Welt kommt damit dem kollektiven Abgrund nur noch näher. Was für eine fatale Schlafwandelei von Merz, Kallas und Co.“
„Good night! Happy New Year!“: Bei seiner Ankunft in New York hat sich Nicolás Maduro durchaus locker gezeigt. Auf einem vom Weißen Haus verbreiteten Video ist zu sehen, wie er in Handschellen von Beamten der amerikanischen Drogenbekämpfungsbehörde DEA einen Gang entlang geführt wird. Maduro wendet sich an einen der Beamten und fragt auf Spanisch: „Good night? Das sagt man doch so: Gute Nacht! Oder?“ Dann grüßt er in den Raum, wo offenbar Fotografen stehen.
Vier Monate lang hat das amerikanische Militär die Gefangennahme von Nicolás Maduro vorbereitet. Die Eliteeinheit „Delta Force“ trainierte dafür in einem Nachbau der Residenz des venezolanischen Präsidenten in Kentucky. F.A.Z.-Korrespondentin Sofia Dreisbach hat all diese Details der „Operation Absolute Resolve“ aufgeschrieben:
Führende US-Demokraten werfen der Regierung von Präsident Donald Trump schwere Täuschung bei den Plänen für den Militäreinsatz in Venezuela vor. Man habe ihn und andere „völlig im Dunkeln gelassen“, sagte der Anführer der Demokraten im Senat, Chuck Schumer. Ihm sei zuvor in geheimen Unterrichtungen versichert worden, dass kein Militäreinsatz geplant sei. Trump hatte erklärt, er habe den Kongress aus Sorge vor undichten Stellen nicht vollständig informiert.
Peru will die sofortige Rückkehr von Venezolanern ermöglichen. Dies gelte unabhängig von deren Einwanderungsstatus, teilte Präsident Jose Jeri auf der Plattform X mit. Venezuela trete in eine neue „Ära der Demokratie und Freiheit“ ein. In Nachbarländern wie Ecuador feiern unterdessen Exil-Venezolaner die Entwicklung. Eine Demonstrantin in Quito sprach von einer „ungeheuren Freude“.
Die Beschränkungen für den Luftraum über der Karibik laufen US-Verkehrsminister Sean Duffy zufolge um Mitternacht US-Ostküstenzeit (05.00 Uhr GMT) aus. Der Flugverkehr könne dann wieder aufgenommen werden, schreibt Duffy auf der Online-Plattform X. Die Fluggesellschaften seien informiert und würden ihre Flugpläne zügig aktualisieren.
Die mexikanische Regierung hat den US-Militärschlag gegen Venezuela entschieden verurteilt. Dieser verletzte die UN-Charta, erklärte die mexikanische Präsidentin Claudia Sheinbaum am Samstag (Ortszeit) auf der Plattform X. Der zweite Artikel der Charta verbiete die Anwendung von Gewalt gegen die territoriale Unversehrtheit oder politische Unabhängigkeit eines Staates.Das mexikanische Außenministerium erinnerte in einer Mitteilung daran, dass Lateinamerika und die Karibik 2014 von der Gemeinschaft der Lateinamerikanischen und Karibischen Staaten (CELAC) zu „einer Zone des Friedens“ erklärt wurden, die auf gegenseitigem Respekt und dem Verbot der Anwendung und Androhung von Gewalt basiert. Jegliche Militäraktion gefährde die regionale Stabilität, warnte das Außenministerium.Angesichts der Ereignisse in Venezuela forderte Mexiko die Vereinten Nationen auf, „unverzüglich zu handeln“, um Bedingungen zu schaffen, die eine „friedliche, nachhaltige und im Einklang mit dem Völkerrecht stehende Lösung“ ermöglichen.
Nach der Entmachtung des venezolanischen Staatschefs Nicolás Maduro durch die USA hat das Oberste Gericht Venezuelas die bisherige Vizepräsidentin Delcy Rodríguez zur Interimspräsidentin ernannt. Rodríguez werde „vorübergehend alle mit dem Amt des Präsidenten verbundenen Eigenschaften, Pflichten und Befugnisse übernehmen und ausüben“, entschied das Gericht in Caracas am späten Samstagabend (Ortszeit). Mit dem Schritt solle die Kontinuität der Verwaltung und Verteidigung des Landes gewährleistet werden.Nach Angaben der Richter wurde Maduro jedoch nicht für dauerhaft aus dem Amt ausgeschieden erklärt. Dies hätte die Abhaltung von Neuwahlen innerhalb von 30 Tagen erforderlich gemacht.
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat mit der venezolanischen Friedensnobelpreisträgerin María Corina Machado telefoniert. Er unterstütze ihren Aufruf zur Freilassung und zum Schutz der politischen Gefangenen in Venezuela, teilte Macron auf X mit. Zudem könne Machado bei ihren Bemühungen um einen friedlichen Übergang auf die Unterstützung Frankreichs zählen. Zuvor hatte Macron gesagt, der Oppositionspolitiker Edmundo González Urrutia solle die Verantwortung in dem Land übernehmen Die Oppositionspolitikerin bedankte sich auf X bei Macron. Sie hat ebenfalls die Einsetzung des Oppositionspolitikers González als Nachfolger von Maduro gefordert. US-Präsident Donald Trump hatte sich zuvor skeptisch über Machados eigene künftige Rolle in Venezuela geäußert. „Ich denke, es wäre sehr schwierig für sie, die Führungsposition zu übernehmen, da sie weder die nötige Unterstützung noch den nötigen Respekt im Land genießt“, sagte er.
Bei dem US-Militäreinsatz in Venezuela und der Gefangennahme von Präsident Nicolás Maduro sind nach Angaben von US-Präsident Donald Trump „viele“ kubanische Staatsbürger getötet worden. „Viele Kubaner haben letzte Nacht ihr Leben verloren“, sagte Trump am Samstag in einem Interview mit der „New York Post“. „Sie haben Maduro beschützt. Das war kein guter Zug“, fügte der US-Präsident hinzu. „Kuba war immer sehr abhängig von Venezuela. Von dort bekamen sie ihr Geld, und sie haben Venezuela beschützt, aber in diesem Fall hat das nicht so gut funktioniert“, sagte Trump weiter. Nähere Angaben zur Zahl der mutmaßlich Getöteten machte Trump jedoch nicht. Militärische Maßnahmen gegenüber dem wirtschaftlich geschwächten Kuba ziehe er jedoch nicht in Betracht, sagte Trump weiter gegenüber der „New York Post“: „Nein, Kuba wird ganz von selbst fallen.“
Der bei einem US-Angriff in Venezuela gefangen genommene Staatschef Nicolás Maduro ist in den USA eingetroffen. Das berichten mehrere US-Medien übereinstimmend. Fernsehbilder zeigen die Ankunft der Maschine auf dem Stewart International Airport, rund 100 Kilometer nordwestlich von New York City. Von dort aus wurde er mit einem Hubschrauber nach Manhattan geflogen, wo ihn zahlreiche Sicherheitskräfte erwartetenEin vom Weißen Haus auf der Plattform X verbreitetes Video zeigte, wie Maduro in Handschellen und umrahmt von Beamten der US-Drogenpolizei DEA in einem Gang des Gebäudes abgeführt wird. US-Medienberichten zufolge soll er für die Zeit seiner Untersuchungshaft im Stadtteil Brooklyn im Metropolitan Detention Center untergebracht werden, einer Haftanstalt der Bundesbehörden.Nach Angaben des US-Justizministeriums soll Maduro in New York zu einem nicht näher definierten Zeitpunkt vor Gericht gestellt werden. Er wird der „Verschwörung zum Drogenterrorismus“ beschuldigt. Zudem wird Maduro vorgeworfen, tonnenweise Kokain in die USA importiert zu haben sowie illegale Waffen zu besitzen.