Bis zur Halbzeit schien die Frage nach dem Sieger und Verlierer noch halbwegs offen – trotz der 1:0-Führung des FC Bayern München durch den Treffer von Konrad Laimer. Danach aber hängte der deutsche Meister seinen Herausforderer mit Champions-League-Ambitionen mehr als deutlich ab. Harry Kane, erst nach einer Stunde eingewechselt, schoss noch drei Tore und erhöhte sein Konto als Ligaschützenkönig nach 13 Spieltagen auf 17 Treffer. Dazu traf auch noch Josip Stanisic. Das 5:0 für die nach 13 Spieltagen noch ungeschlagenen Münchner war überraschend eindeutig und deutete auf den großen Abstand zwischen der Nummer eins und allen Klubs hin, die dahinter um eine Qualifikation für den internationalen Wettbewerb kämpfen. Der Stuttgarter Mittelfeldspieler Angelos Stiller beklagte nach dem schwäbischen Debakel, dass der VfB in der zweiten Hälfte „immer einen Schritt zu spät dran“ gewesen sei. Deniz Undav, der zuvor sechs Tore nacheinander für die Schwaben erzielt hatte, sprach von einem „Zweiklassenunterschied“. Er war entsetzt darüber, „dass wir uns einfach ergeben haben“. Die Bayern dagegen nutzten ihr Gastspiel in Schwaben zu einer Machtdemonstration. Sportvorstand Max Eberl sagte nach dem unverhofft hohen Sieg: „Wir haben einfach eine sehr hohe Qualität. Dann kannst du so Fußball spielen. Und wenn wir so spielen, ist es schwer, uns zu schlagen.“ Viel zu schwer für den VfB Stuttgart am Samstagnachmittag im eigenen Stadion. München trotz Umstellung dominant Zunächst einmal überraschten der Trainer des Meisters und der des Pokalgewinners wieder einmal mit einer gründlichen Rotation. Der Stuttgarter Fußballlehrer Sebastian Hoeneß stellte sein Team nach dem 2:0-Pokalsieg beim VfL Bochum auf fünf Positionen um. Stammtorwart Nübel kehrte für Bredlow zwischen die Pfosten zurück, dazu bekamen Vagnoman, Al-Dakhil, Chema und Hendriks anstelle von Assignon, Chabot, Karazor und Jeltsch das Startelfmandat. Kompany tauschte sein Personal im Vergleich zu seiner Aufstellung für das Pokalspiel bei Union Berlin (3:2) gleich sechsmal. Für Neuer bekam Urbig mal wieder eine Chance im Tor, für Kane durfte Jackson ran. Dazu standen Kim, Goretzka, Bischof und Guerreiro anstelle von Tah, Karl, Stanisic und Pavlovic beim Anpfiff auf dem Platz. Das Spiel bestimmten sogleich die Bayern, die auch früh durch einen kunstvollen Hackentreffer des Rechtsverteidigers Laimer in Führung gingen. Es war das erste Bundesligator des Österreichers in dieser Saison. Da Nübel nicht seinen allerbesten Tag als Nummer eins des VfB Stuttgart erwischt hatte, konnte er von Glück reden, dass Olises haltbarer Schuss (34.) zwar durch seine Hände flutschte, von dort aber knapp am Tor vorbeikullerte. Eine Szene, die wie ein Weckruf für die Stuttgarter anmutete, die ihre Angriffsbemühungen nun endlich intensivierten und durch Narteys Kopfball zum 1:1 gekommen schienen (40.). Die anschließende Überprüfung durch den Videoschiedsrichter aber ergab eine Abseitsstellung des Torschützen. In der Pause verständigten sich die Münchner offensichtlich darauf, den Rhythmus des Spiels durch lange Ballstafetten wieder selbst zu bestimmen. Olises Schuss (49.) wirkte in diesem Kontext wie ein Warnsignal für den VfB, mochte der Ball auch knapp über die Latte fliegen. Die Schwaben setzten weiter auf eine Überfalltaktik und körperliche Robustheit. Die weiß-roten Unruhestifter überzogen dabei manchmal ein wenig, sodass auch deren Chefantreiber Hoeneß mit einer Gelben Karte von Schiedsrichter Stieler bedacht wurde (56.). Kane entscheidet das Spiel Nach einer Stunde nahm der FC Bayern drei Wechsel vor, die auf die sowieso schon dominante Mannschaft noch einmal beflügelnd wirkten. Harry Kane kam für Jackson, Lennart Karl für Guerreiro und Aleksandar Pavlovic für Goretzka. Wenig später zeigte Kane, warum er in jeder Kategorie der beste Angreifer der Bundesliga ist. Nicht attackiert von einem Stuttgarter, schoss er aus 17 Metern den Ball flach und hart ins linke Toreck (64.). Mit dem 2:0 nahm der zwölfte Münchner Ligasieg bei einem 2:2-Remis bei Union Berlin Formen an. Drei Tage vor dem nächsten Champions-League-Kraftakt daheim gegen Sporting Lissabon zeigten sich die Münchner nach der 1:3-Niederlage beim FC Arsenal gerüstet für den nächsten Erfolg im internationalen Deluxe-Wettbewerb. Zumal sich Stanisic die schwache Tagesform des noch immer vom FC Bayern an den VfB ausgeliehenen Torhüters Nübel zunutze machte, als sein halbhoher Schuss unter dem Keeper hindurchflutschte (78.). Nun brachen alle schwäbischen Dämme. Zunächst musste der ein paar Minuten zuvor eingewechselte Assignon schon wieder gehen, als er Olises Schuss per absichtlichem Handspiel auf der Torlinie abwehrte. Den anschließenden Strafstoß nutzte – natürlich – Kane zu seinem 16. Treffer am 13. Spieltag (82.). Einmal in Torlaune, legte er sein 17. Bundesligator aus kurzer Distanz zum 5:0-Triumph des Champions locker nach (88.). Welch eine Bilanz für den Londoner, aber auch welch ein Armutszeugnis für die Bundesliga. Stuttgart war an diesem Samstag nicht wirklich ein veritabler Gegenspieler des FCB. Dabei hegt der Tabellensechste nach wie vor Champions-League-Ambitionen für die kommende Saison. Von Champions-League-Format aber waren die Schwaben am Samstag meilenweit entfernt. Entsprechend trösteten sich die VfB-Fans mit Sprechchören wie „Wir haben den Pokal“. Das ist ja auch etwas.
