FAZ 27.02.2026
03:19 Uhr

Zwei Tage Verdi-Streik: Was man zu den ÖPNV-Warnstreiks wissen muss


Die Warnstreiks im Nahverkehr haben begonnen. Wer ist von den Einschränkungen betroffen? Die wichtigsten Informationen im Überblick.

Zwei Tage Verdi-Streik: Was man zu den ÖPNV-Warnstreiks wissen muss

Bei Bussen und Bahnen im Nahverkehr gibt es seit den frühen Morgenstunden wegen Warnstreiks erhebliche Einschränkungen. Beim größten deutschen Nahverkehrsunternehmen, den Berliner Verkehrsbetrieben, werde seit 3.00 Uhr gestreikt, sagte ein Verdi-Vertreter der Deutschen Presse-Agentur. Die Gewerkschaft hat in fast allen Bundesländern zu Arbeitsniederlegungen aufgerufen. Die Warnstreiks beginnen je nach Betriebsstart in den einzelnen Städten zu unterschiedlichen Zeiten. In den allermeisten Regionen dürften heute durch den Ausstand kaum Busse, Tram- und U-Bahnen fahren. Vor allem Pendler sowie Kinder und Jugendliche auf dem Weg zur Schule müssen sich heute meist andere Möglichkeiten suchen, um rechtzeitig ans Ziel zu kommen. Einige Nahverkehrsunternehmen haben bereits angekündigt, dass sie Notfahrpläne aufgestellt haben. In manchen Regionen wurde bereits am Donnerstag die Arbeit niedergelegt, auch am Sonntag könnten noch einige Nahverkehrsunternehmen von Arbeitsniederlegungen betroffen sein. So wird zum Beispiel in Bremen bis in die Nacht auf Montag gestreikt, in Mecklenburg-Vorpommern dagegen nur am Freitag, in einem Landkreis in Sachsen-Anhalt wiederum von Donnerstag bis einschließlich Sonntag. In jedem Fall lohnt sich vor der Fahrt ein Blick auf die Webseiten und Auskunftsmedien der Nahverkehrsunternehmen. Wer wird bestreikt – und wer nicht? Zum Warnstreik aufgerufen sind die Beschäftigten von Nahverkehrsunternehmen – das sind in der Regel die Betreiber von Bussen, Tram- und U-Bahnen. Die Deutsche Bahn ist nicht von den Warnstreiks betroffen. Regionalzüge, der Fernverkehr und vor allem auch die S-Bahnen sollten am Freitag und Samstag also wie gewohnt fahren. Noch offen ist laut Verdi, ob in Baden-Württemberg und bei den Verkehrsbetrieben Hamburg-Holstein gestreikt wird. Dazu sollen noch kurzfristig Entscheidungen getroffen werden. Sicher nicht bestreikt wird der Nahverkehr in Niedersachsen, dort gilt noch bis Ende März eine sogenannte Friedenspflicht, da der laufende Tarifvertrag nicht rechtzeitig gekündigt wurde. Arbeitskampfmaßnahmen sind dort deshalb bis zum 31. März ausgeschlossen. Insgesamt betrifft die Tarifrunde laut Verdi bundesweit etwa 100.000 Beschäftigte. Mit welchen Auswirkungen ist zu rechnen? In großen Teilen Deutschlands dürfte der öffentliche Nahverkehr nahezu komplett zum Erliegen kommen – so passierte es jedenfalls am 2. Februar beim ersten bundesweiten ÖPNV-Warnstreik der laufenden Tarifrunde. An einigen Orten wird es voraussichtlich wieder Notfahrpläne geben mit dann entsprechend vollen Fahrzeugen. Kurzum: Fahrten mit Bus und Bahn sind am Freitag und Samstag, sofern sie angeboten werden, eher nicht zu empfehlen. Der Warnstreik Anfang Februar (an einem Montag) hatte entsprechend auch Auswirkungen auf den restlichen Verkehr, da viele Menschen zum Beispiel aufs Auto umstiegen. Nach Einschätzung des ADAC war bundesweit ein leichter Anstieg bei Länge und Dauer der Staus zu erkennen. Der Fahrdienstvermittler Freenow beobachtete zudem in den Morgenstunden eine größere Nachfrage nach Taxis. Neben dem bundesweiten Warnstreik am 2. Februar gab es zuletzt auch viele regionale Arbeitsniederlegungen, etwa Ende vergangener Woche in Hessen und Bayern. Worum geht es bei den Tarifverhandlungen? In den Tarifverhandlungen, die in allen 16 Bundesländern meist mit den Kommunalen Arbeitgeberverbänden geführt werden, fordert Verdi insbesondere deutlich bessere Arbeitsbedingungen – etwa durch kürzere Wochenarbeitszeit und Schichtzeiten, längere Ruhezeiten, aber auch durch höhere Zuschläge für Arbeit in der Nacht und am Wochenende. In Bayern, Brandenburg, dem Saarland, Thüringen und bei der Hamburger Hochbahn wird zusätzlich über höhere Löhne und Gehälter verhandelt. Nach Ansicht von Verdi kamen die Gespräche zuletzt kaum voran. Auch die Arbeitgeber beklagten zuletzt fehlenden Fortschritt bei den Verhandlungen. Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), das größte ÖPNV-Unternehmen in Deutschland, kritisierten beispielsweise, dass Verdi bisher nicht klargemacht habe, welche Forderungen die Gewerkschaft am wichtigsten findet.