Das Gespür für den Moment kann Leben retten. Wie das funktioniert? Das sah man am vergangenen Wochenende bei Luka Vušković. Als Frankfurts Verteidiger Rasmus Kristensen im Spiel gegen den HSV nach einem Zusammenprall zu Boden sackt und sich nicht mehr rührt, agiert der 18 Jahre alte Hamburger Abwehrchef so, wie er seit Wochen auftritt: umsichtig, handlungsschnell, abgeklärt. Er greift Kristensen in den Mundraum, um im Fall der Fälle dessen womöglich verschluckte Zunge hervorholen zu können, und dreht den Kopf zur Seite. Kurz darauf ist Kristensen glücklicherweise wieder auf den Beinen – und der Fußball macht daraus, was er gerne macht: eine Geschichte über Luka, den Helden. Das ist treffend. Und greift doch zu kurz. Weil sich hinterher zwei Fragen stellen: Warum muss der TV-Sender Sky immer wieder das Gesicht eines Spielers in Nahaufnahme zeigen, der regungslos am Boden liegt? Und warum darf dieser Spieler, nachdem er sich berappelt hat, noch mal auf den Platz zurückkehren, bevor er richtigerweise aus dem Spiel genommen wird? Das Gespür für den Moment – es fehlte so manchem in dieser Situation.
